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Gute Stimmung bei der FDP: Die freien Demokraten feierten im „Binderbräu“ in Bad Tölz. 

Bundestagswahl 2017

Die CSU sagt „niederschmetternd“, die AfD „großartig“

Was sagen die Politiker zum Ergebnis ihrer jeweiligen Partei? Hier einige Stimmen zum Wahlausgang.

Alexander Radwan (Direktkandidat CSU): „Ja, das hätte besser laufen können für die CSU. Da gibt es nichts zu beschönigen. Es liegt auf keinen Fall am Einsatz der Mitglieder vor Ort. Mit Blick auf die mögliche Regierungsbildung muss man schon jetzt sehen, dass die extremen Ränder in vier Jahren nicht noch stärker werden. Natürlich ist das heute eine bittere Niederlage. Ob es personelle Konsequenzen in der CSU geben wird, wird der Parteivorstand am Montagmorgen diskutieren. Für mich ist es erfreulich, dass mein persönliches Ergebnis von der Tendenz her positiv ist und dem Trend entgegenläuft.“

Lange Gesichter: Die CSU um Kreischef Martin Bachhuber (Mitte) hatte keinen Grund zur Ausgelassenheit.

Martin Bachhuber (Kreisvorsitzender CSU): „Ein niederschmetterndes Ergebnis. Nicht mal 39 Prozent für die CSU – das muss man erst mal verdauen. Die Themen Flüchtlingspolitik und Asyl haben die Wahl entschieden. Ich denke, der Grund für die Niederlage ist, dass sich die CSU nicht richtig von Angela Merkel abgegrenzt hat, der Schwenk hin zu ihr war falsch. Die Wähler haben uns nicht abgenommen, dass wir so doch noch eine Obergrenze für Flüchtlinge durchsetzen können.“

Hannes Gräbner (Direktkandidat SPD): „Es ist kein schöner Abend. Ich habe ein besseres Ergebnis erwartet, weil die SPD viel vorangebracht hat. Mit Blick auf das Ergebnis der AfD ist das heute ein schlechter Tag für die Demokratie. Es wird das Gesicht der Republik verändern.“

Wolfgang Werner (Kreisvorsitzender SPD): „Das Ergebnis der SPD ist alles andere als erfreulich. Der einzig gangbare Weg ist nun der in die Oppositionsbank, die dürfen wir nicht der AfD überlassen. Dass die AfD in unserem Wahlkreis beim Zweitstimmenergebnis vor der SPD liegt, ist traurig und schmerzt. Nun müssen alle demokratischen Kräfte zusammenrücken.“

Klaus Barthel (scheidender SPD-Bundestagsabgeordneter): „Ja, natürlich ist das ein bitterer Abend für die SPD. Es ist das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit. Da muss man nicht drumherum reden. Das muss uns nun aber anspornen, an diesem Ergebnis zu arbeiten. Die Große Koalition ist problematisch, das hat sich 2009 schon gezeigt. Das Ergebnis ist aber auch eine Katastrophe für die CDU/CSU. Offensichtlich ist eine Große Koalition keine Konstellation, die die Menschen anspricht.“

Constantin von Anhalt-Dessau (Direktkandidat und Kreisvorsitzender AfD):„Es ist großartig, dass es uns gelungen ist, unsere Themen so gut rüberzubringen. Bisher gab es im Bundestag keine vernünftige Opposition. Jetzt müssen wir in der Opposition nach vorne gehen, damit sich etwas verändert. Da ist auch die SPD gefragt. Die AfD ist keine rechtsextreme Partei – das wird nur immer an Aussagen von ein paar Leuten festgemacht. Ich bin ein Verfechter, dass die Partei mehr in die Mitte rückt – da bedarf es gewisser Korrekturen, und das wird jetzt, mit einem breiteren Rücken, einfacher. Persönlich bin mich mit meinem Ergebnis sehr zufrieden.“

Fritz Haugg (FDP): „Bei aller Freude ist heute ein dicker Wermutstropfen dabei – auch wenn es zu befürchten war. Für die FDP ist das Ergebnis natürlich schön – nach vier Jahren auf der Strafbank. Auf diesem Ergebnis kann die FDP aufbauen. Das gilt auch mit Blick auf die Landtagswahl. In Bayern haben wir ja auch über zehn Prozent geholt. Es ist also nicht die Frage, ob wir in den Landtag kommen, sondern nur mit wie viel Prozent.“

Klaus Andrae (Kreisvorsitzender FDP):„Ich bin wahnsinnig froh. Als ich vor eineinhalb Jahren Kreisvorsitzender wurde, da habe ich von einem Ergebnis von zehn Prozent nicht zu träumen gewagt. Ich bin nicht der Meinung, dass die FDP jetzt als kleiner Koalitionspartner in die Regierung gehen sollte. Meine Befürchtung ist, dass die FDP am ausgestreckten Arm von Frau Merkel verhungern würde.“

Karl Bär (Direktkandidat Grüne): „Mein Ergebnis im Wahlkreis ist großartig, meine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Ich bin noch sehr angespannt, weil es eine theoretische Chance gibt, dass ich vielleicht über die Landesliste der Grünen noch in den Bundestag rutsche, wenn Ausgleichsmandate für die Grünen fällig werden.“

Barbara Schwendner (Kreisvorsitzende Grüne): „Die Grünen sind nicht abgestürzt, sondern haben zugelegt. Das ist eine Bestärkung, unseren Weg weiterzugehen. Aber dass wir so ein starkes Ergebnis der AfD haben, ist sehr, sehr erschütternd. Wenn eine Jamaica-Koalition irgendeine Chance hat, würde ich das positiv bewerten, damit wir mit unseren Inhalten Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Europa Einfluss auf die Zukunftsgestaltung nehmen können.“

Andreas Wagner (Die Linke): „Wir haben unser Ergebnis im Bund leicht verbessern können, zweistellig ist es leider nicht geworden. Bitter ist das Abschneiden der AfD, heute ist ein schlimmer Tag für die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte. Ich persönlich bin sehr erfreut: So wie es aussieht, werde ich über die Liste in den Bundestag einziehen. Ich denke, dass ich mir Montagmorgen einen Überblick verschaffe – und für mich dann ein neuer Lebensabschnitt beginnt.“

Maximilian Stocker (Bayernpartei): „Ich finde, dass es heute einen blauen Wermutstropfen gibt. Auch mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr ist das Abschneiden der AfD interessant.“ (red)

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