Im Herbst fressen sich Igel den zum Überleben nötigen Winterspeck an.
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Im Herbst fressen sich Igel den zum Überleben nötigen Winterspeck an.

Naturschutz

Damit der Igel gut durch den Winter kommt

Experten aus Bad Tölz-Wolfratshausen erklären, wie man seinen Garten igelfreundlich gestalten kann und wohin man ein geschwächtes, abgemagertes Tier bringen kann.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sie sind klein, stachelig und oftmals nachts zu Besuch in unseren Gärten: Bei Igeln steht jetzt im Herbst mehr denn je die Nahrungssuche im Vordergrund. Experten aus dem Landkreis raten: Wer den niedlichen Gesellen helfen will, muss sie nicht unbedingt füttern. Die Tiere profitieren vor allem von naturnahen Gärten.

In freier Wildbahn ernähren sich Igel von Würmern und Schnecken. „Sie müssen sich richtig vollfressen, um den Winter überstehen zu können“, erklärt Friedl Krönauer, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN). Denn für den Winterschlaf – dieser dauert für gewöhnlich von Ende November bis Ende April – benötigen die Tiere viel Energie.

Das kann man tun, damit sich der Igel im Garten wohlfühlt

Ein Merkmal eines igelfreundlichen Gartens ist genug Platz, damit die Tiere unter Zäunen beziehungsweise Hecken durchschlüpfen können. So ist es ihnen laut dem BN-Kreisvorsitzenden möglich, das Grundstück zu wechseln. Krönauer empfiehlt außerdem, unter den Hecken nicht zu oft das Laub wegzukehren. So schaffe man „Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere“.

Im Herbst könne man den Igel unterstützen, indem man ihm eine Möglichkeit zum Überwintern schaffe. Dabei reicht laut dem Kreisvorsitzenden schon ein aufgeschütteter Laubhaufen aus. Den Tieren Futter bereitzustellen, sei normalerweise nicht nötig. „Es handelt sich schließlich immer noch um Wildtiere.“

Sieht man im November einen Igel umherstreifen, habe man den Reflex, ihm zu helfen. Dies sei aber nur bei „eindeutigen Anzeichen“ notwendig, meint der Naturschützer. Ein Tier tagsüber zu sehen, sei zwar ungewöhnlich, da Igel dämmerungs- und nachtaktiv sind. Es muss sich aber nicht zwangsläufig um einen kranken Artgenossen handeln, beruhigt der BN-Kreisvorsitzende. Der Igel könnte auch nur aufgeschreckt worden sein.

Tierheim in Gelting hat ein eigenes Igelzimmer

Achten sollten Tierfreunde aber auf das Erscheinungsbild des Insektenfressers. „Hat das Tier eher eine längliche anstatt einer kugeligen Form, ist es unterernährt“, warnt Krönauer. Bei einem zu geringen Gewicht ist „die Wahrscheinlichkeit, dass der Igel den Winter überlebt, ziemlich gering“. Er rät, solche Tiere in eine Igelauffangstation zu bringen.

Eine weitere Anlaufstelle ist das Josefa-Burger-Tierheim Gelting. „Wir haben dort seit 15 Jahren ein Igelzimmer“, berichtet die Leiterin Manuela Ravara. Privatpersonen können dort Igel vorbeibringen, um diese aufpäppeln zu lassen. In den meisten Fällen handle es sich um Jungtiere, die „noch zu klein für den Winterschlaf“ seien. Die müssen dann laut Ravara zunächst an Gewicht zulegen.

Die Tiere bekommen anfangs Katzen- und spezielles Igelfutter. Wenn Jungtiere ein Gewicht von 500 bis 600 Gramm erreicht haben, werden sie in die Außenstation umgesiedelt. Dort können sie ihren mehr als vier Monate dauernden Winterschlaf abhalten. „Die Igel verlieren in dieser Zeit fast die Hälfte ihres Körpergewichts“, erläutert die Tierheimleiterin. Aus diesem Grund würden die Tiere nachher wieder soweit aufgepäppelt, bis sie ihr früheres Gewicht erreicht hätten. Erst dann werden die stacheligen Insektenfresser ausgewildert. Dies passiert laut Ravara „frühestens nach den Eisheiligen“.

Von Franziska Selter

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