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Hält seinem Frauchen den Rücken frei: Assistenz-Hund Finn. Schließt Katharina H. die Wohnungstür auf, steht er zwischen ihren Beinen und passt auf, dass sich ihr niemand von hinten nähert. Auch sonst ist der Hund eine unverzichtbare Hilfe im Alltag.

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Dank Hund zurück in ein normales Leben

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Die Narben auf der Seele von Katharina H. gehen noch tiefer als die Schnitte auf ihren Armen. Nach einem traumatischen Erlebnis traut sich die junge Frau ohne Assistenz-Hund Finn kaum vor die Tür. Doch die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Ausbildung des Tiers nicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Katharina H. schlägt die Augen auf, der Albtraum endet trotzdem nicht. Die Dunkelheit löst bei der jungen Frau Panik aus. Orientierungslos tastet sie nach dem Lichtschalter, findet ihn nicht. Sie kann keinen klaren Gedanken fassen, weiß nicht, was sie tun soll. Finn schon.

Der Labrador-Münsterländermix durchläuft gerade die Ausbildung zum PTBS-Hund. Die Abkürzung steht für posttraumatische Belastungsstörung. Die Diagnose bekam Katharina H. im Juni 2011. Über die Gründe für ihr Trauma sprechen kann sie nicht. Nur über die Begleiterscheinungen: Depressionen, Panikattacken und die Ess-Störung Bulimie. Außerdem verletzt sie sich selbst. Ihre Arme überzieht ein dichtes Netz aus roten Schnitten und wulstigen Narben. Etliche Suizidversuche schlugen fehl. Arbeiten kann sie nicht mehr. Die Krankenschwester aus dem Südlandkreis ist zur Patientin geworden. Ein Klinikaufenthalt jagt den nächsten. Bei einem davon hörte die junge Frau zum ersten Mal von den PTBS-Hunden. „Ich wusste gleich: Das könnte das Richtige für mich sein.“

Die Ausbildung von Finn ist speziell auf Katharina H. abgestimmt. In enger Zusammenarbeit mit einer Hundetrainerin lernt der zwei Jahre alte Rüde zum Beispiel, nachts das Licht einzuschalten, wenn sein Frauchen schlecht träumt. Droht eine Panikattacke, löst Finn den Hausnotruf aus oder bringt eine Notfalltasche. Darin befindet sich unter anderem ein Riechfläschchen mit Ammoniak. Zieht sich Katharina H. so weit in sich selbst zurück, dass sie nicht mehr ansprechbar ist – Psychologen sprechen von dissoziativen Zuständen – bellt er oder leckt sie ab, damit sie ins Hier und Jetzt zurückfindet.

Dank Finn traut sich Katharina H. sogar wieder vor die Tür. Jahrelang konnte sie nicht einmal einkaufen gehen. Die Angst vor fremden Menschen war zu groß. Heute sorgt Finn im Supermarkt dafür, dass ihr niemand zu nahe kommen. In der Schlange an der Kasse setzt er sich hinter sie. So bleibt ein gewisser Abstand zum nächsten Kunden gewahrt.

Katharina H. nächstes Ziel ist es, allein in ihrer Wohnung leben zu können. Mit ihren 30 Jahren möchte sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen. Auch in einer psychiatrischen Einrichtung will sie nicht enden. Deshalb nimmt sie an dem Projekt „betreutes Einzelwohnen“ der Caritas im Landkreis teil. Einmal pro Woche bekommt sie Besuch von Sozialpädagogin Sonja Baier. „Finn ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, wie sie es schafft, in ein normales Leben in den eigenen vier Wänden zurückzufinden“, betont Baier.

Denn Finn bedeutet Sicherheit. Schließt Katharina H. die Haustür auf, steht der Rüde zwischen ihren Beinen und hält ihr den Rücken frei. In der Wohnung durchsucht er alle Räume und stellt sicher, dass dort niemand ist.

Das Problem: Die Krankenkasse bezahlt die Ausbildung zum PTBS-Hund nicht. Zwischen 14 000 und 16 000 Euro kostet diese – je nachdem, was Finn alles lernen muss und wie lange er dafür braucht. Allein kann Katharina H. so viel Geld nicht aufbringen. Sie bezieht Erwerbsminderungsrente. Wann sie wieder arbeiten kann, ist unklar.

Trotzdem hat sie bereits 6000 Euro abbezahlt, dank der finanziellen Unterstützung ihrer Familie. „Meine Oma hat sich zum 85. Geburtstag nur Geld für mich gewünscht“, sagt Katharina H. und lächelt kurz. Nun hofft sie, durch die Weihnachtsaktion von Tölzer Kurier, Isar-Loisachboten und Geretsrieder Merkur wieder einen Teil der Rechnung begleichen zu können. Zumindest eine ihrer vielen Sorgen wäre die junge Frau dann los.

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