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Baum Nummer 496 ist ein großer Feldahorn am Taubenloch-Spielplatz. Mit den Tafeln lässt die Stadt den Bestand und die Macken jedes Baumes dokumentieren.

Stadt legt Datenbank an

Darum haben die Tölzer Bäume Nummern

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Etwa 3000 Tölzer Bäume tragen Nummern – und es werden noch mehr. Die Stadt lässt ein Baumkataster erstellen. Mit der Datenbank will sie den Bestand nicht nur gesund halten, sondern sich auch vor Klagen schützen.

Sorgen sich um das Wohl Tölzer Bäume: Michael Lindmair (links), Vorsitzender der Baumschutzkommission, und Christian Mark, der im Auftrag der Stadt das Baumkataster erstellt.

Bad Tölz – Der Baum, an dem das kleine weiß-grüne Schild mit der Nummer 496 hängt, ist eine Rarität. „In der Größe gibt es in ganz Tölz vielleicht zwei“, sagt Christian Mark. Der Baumpfleger und Fachagrarwirt steht neben dem Feldahorn nahe des Taubenloch-Spielplatzes und schaut über den Stamm Richtung Krone. Dann schwärmt er: „Ein prächtiges Exemplar.“ Der 48-jährige Wackersberger ist der Mann, der den Tölzer Bäumen seit eineinhalb Jahren Nummern verpasst. Knapp 3000 hat er schon markiert, wie viele insgesamt in städtischem Besitz sind, weiß er noch nicht. „Ich muss mich überraschen lassen. Sind es 5000 – oder vielleicht 8000?“

Mark erstellt im Auftrag der Stadt ein Baumkataster – eine Datenbank, die Fichten, Linden, Eichen und Co. mit all ihren Vorzügen und Macken erfasst. „Ich hänge die Nummerntafeln so hoch, dass sie niemand herunterreißen kann“, sagt er. Mit einer speziellen Software legt Mark für jedes Exemplar eine Art Steckbrief an. Die Merkmale tippt er vor Ort in sein Smartphone: Wie sieht die Krone aus? Wo hat der Rasenmäher die Wurzeln beschädigt? Welche Pilze befallen den Stamm? Und vor allem: Wann ist die nächste Kontrolle fällig?

Beweggründe dafür, Bäume durchzuzählen, gibt es genug. Der Wesentliche für die Stadt ist die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Deshalb hat Mark auch mit der Kontrolle rund um Schulen und Kindergärten begonnen. Der Profi empfiehlt dem Bauhof der Stadt Maßnahmen, wie man Bäume gesund hält – aber auch, welche dringend wegmüssen, weil sie sonst auf Straßen oder Menschen fallen könnten. „Weg damit, bevor was passiert“: Diesen Gedanken hatte Mark zum Beispiel vergangenes Jahr an der Alleestraße nahe des Klammerweihers. „Eine doppelstämmige Linde war vom aggressiven Brandkrustenpilz befallen. Da hat’s pressiert.“

Baumeigentümer – in dem Fall die Stadt – sind zu regelmäßigen Kontrollen verpflichtet. Was regelmäßig bedeutet, variiert von Baum zu Baum. Dahinter steckt die von der „Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau“ aufgestellte Kontrollrichtlinie: Wie oft ein Baum auf Schäden und Krankheiten kontrolliert werden muss, hängt von Art, Umfang, Standort und Alter ab. So begutachtet der Bauhof manche nur alle drei Jahre, andere hingegen sogar zweimal pro Jahr – einmal im belaubten, einmal im unbelaubten Zustand. In Tölz finden die Mitarbeiter die nummerierten Bäume sofort. Auch dabei hilft das Kataster.

Immer mehr Kommunen zeigen Interesse an Baumdatenbanken, sagt Mark. „Die Stürme werden stärker, Versicherungen zahlen seltener, und jeder klagt sofort.“ Der Stadt soll das Kataster vor Gericht als Beweismittel dienen. Hat ein Baum einen Unfall verursacht, könne man dokumentieren, wann er zuletzt kontrolliert wurde, sagt Pressesprecherin Birte Otterbach. „Das ist wie mit der Schneeräumpflicht. Die Fahrzeuge haben ein GPS-System, um zu dokumentieren, wann sie wo waren.“

Bäume geben ein gutes Gefühl und sind faszinierend, findet Stadtrat Michael Lindmair, Vorsitzender der Tölzer Baumschutzkommission: „Der Blick hinter die Rinde ist unendlich weit.“ Seinem Gremium muss allerdings ein Spagat gelingen. Zwischen Städteplanung und Baumerhalt abzuwägen, sei nicht immer einfach. Christian Mark, der als Baumpfleger zwischen Bodensee und Salzburg unterwegs ist, hat oft erlebt, dass Kommunen falsch mit Jahrhunderte alten Hölzern umgehen. „Manchmal werden Schnitte veranlasst, die sind eine Katastrophe.“ Er spielt an auf die Lindenallee an der Tölzer Hindenburgstraße, die vor vielen Jahren bis auf die Stämme gestutzt und so „massiv beschädigt“ wurde. „Oben drin steht das Wasser – und irgendwann beginnt es, in den Stämmen zu faulen.“

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