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„Verbindet die Menschen der gesamten Region“: Die Leonhardifahrt gehört aus Sicht der Kultusministerkonferenz zum Kulturerbe Deutschlands.

Unesco-Liste

Darum ist die Leonhardifahrt deutsches Kulturerbe

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Bad Tölz - Die Kultusministerkonferenz hat entschieden, die Tölzer Leonhardifahrt ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Mit welcher Begründung, lesen Sie hier. 

Eine frohe Botschaft aus Bonn traf am Freitagmorgen gegen 6 Uhr im Tölzer Rathaus ein: die schriftliche Mitteilung nämlich, dass die Tölzer Leonhardifahrt in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Damit zählt die Wallfahrt zu nun 68 Traditionen und Wissensformen in Deutschland, die die Kultusministerkonferenz als besonders schützens- und erhaltenswert einstuft und die zumindest die theoretische Chance haben, sogar zum Unesco-Weltkulturerbe erhoben zu werden.

„Das ist eine große Anerkennung für alle Beteiligten an der Leonhardifahrt – von den Fahrern über die Stadt und die Kirche bis zu den Trachtenvereinen“, freut sich Klaus Pelikan vom Tölzer Rathaus, der von städtischer Seite die Leonhardifahrt organisatorisch begleitet. „Es zeigt, dass die Haltung der Stadt, die Wallfahrt so zu belassen, wie sie immer war, richtig ist.“

Offiziell verlautbaren ließen die Entscheidung am Freitag die Kultusministerkonferenz unter der Leitung der Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan und die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters. Sie folgten damit einer Empfehlung des Expertenkomitees der Deutschen Unesco-Kommission. Diese stufte die Leonhardifahrt als „Kulturform, die die Menschen der gesamten Region um Bad Tölz verbindet“ ein. Weiter heißt es in dem Schreiben an den Bürgermeister: „Die weitreichende Beteiligung der Stadtbevölkerung, vieler Bauernfamilien der Region und der lokalen Vereinsszene wirkt identitätsstiftend und integrativ. Auch die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen erscheint den Experten vorbildhaft. Positiv hervorzuheben sind zudem Reflexionen bezüglich Nachhaltigkeit sowie die Maßnahmen zur Wahrung des lokalen Rahmens, um das Fest nicht zu einer reinen Tourismusveranstaltung werden zu lassen.“

Den örtlich begrenzten und religiösen Charakter der Veranstaltung betont die Stadt verstärkt, seit Leonhardi 2010 ungewöhnlich große Besuchermassen anlockte und es im Anschluss an die Wallfahrt zu Alkoholexzessen im Stadtgebiet kam. Um so etwas zu vermeiden, wurde die Wallfahrt zum Beispiel heuer vom Sonntag nicht – wie früher in diesem Fall üblich – auf den Samstag, sondern auf den Montag verlegt. Dementsprechend ging es – auch wegen der kalten Temperaturen – relativ beschaulich zu.

Die Besinnung auf den Kern der Tradition hat nun offenbar dazu beigetragen, die Kulturerbe-Jury zu überzeugen. Andererseits kann der neue Titel auch dazu beitragen, die Leonhardifahrt noch bekannter zu machen und wiederum mehr Besucher anzulocken. Kurdirektorin Brita Hohenreiter will allerdings bei ihrer bisherigen Linie bleiben: „Wir stellen Leonhardi nicht als Massenevent für den Tourismus dar, sondern als gelebte Tradition.“ So schalte die Tourist-Info keine überregionalen Werbeanzeigen für Leonhardi. Wichtig für die PR der Tourist-Info sei Leonhardi freilich trotzdem – „aber nicht so sehr wegen der Übernachtungen, sondern aus Imagegründen“, so Hohenreiter. In diesem Zusammenhang werde man den Kulturerbe-Titel in Zukunft sicherlich in der Tölz-Werbung einsetzen. „Aber wir werden uns dabei wie bisher eher bedeckt halten.“

Positiv an der Auszeichnung ist aus Pelikans Sicht, dass sie dazu beiträgt, die Tradition so zu erhalten, wie sie ist – unabhängig vom „Zeitgeist“ oder möglichen neuen bürokratischen Vorschriften.

Wie berichtet war die Leonhardifahrt erst im November bei einem Festakt in München ins bayerische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Dass es auch auf der nächsthöheren Ebene geklappt hat, kommt für Pelikan nun durchaus überraschend. Zusammen mit der Leonhardifahrt hat die Kultusministerkonferenz 33 weitere Traditionen in die deutsche Liste aufgenommen, darunter die ostfriesische Teekultur, Poetry-Slams, das Hebammenwesen und die Porzellanmalerei.

Dass demnächst auch noch der „große Schritt“ zum Welt-Kulturerbe gelingt, das hält Pelikan allerdings für weniger realistisch. Für diesem Titel kann die Bundesrepublik nur etwa alle zwei Jahre einen Bewerber benennen. Und bisher stünden auf der Liste des immateriellen Welterbes Kulturgüter von größerer überregionaler Bedeutung wie etwa der Flamenco.

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