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Im vergangenen Jahr erinnerte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit 173 Lichtern an die Tölzer Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Über Konfessionsgrenzen hinweg

Darum wird in Bad Tölz gleich zweimal für den Frieden gebetet

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Sowohl diesen Donnerstag als auch am Sonntag versammeln sich Gläubige verschiedener Konfessionen in der Marktstraße Bad Tölz und beten für den Frieden.

Bad Tölz – Gleich zweimal wird dieser Tage in Tölz für den Frieden gebetet. Wie es sich seit mehreren Jahren etabliert hat, halten die Tölzer Religionsgemeinschaften heute ein Friedensgebet ab. Zu einer Friedensmahnwache laden dann Stadt und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Volkstrauertag ein. Im Anschluss kommen erneut Vertreter verschiedener Konfessionen zum Friedensgebet zusammen. Wie es zur Doppelung kam und welcher Gedanke hinter der Veranstaltung am Sonntag steht, erklärt Florian Völler, Kreisbeauftragter des Volksbund, im Interview.

Herr Völler, vergangenes Jahr hatten Stadt und Volksbund zum 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkriegs mit 173 Kerzen der gefallenen Tölzer Soldaten gedacht. Wie kam es nun zur Neuauflage der Friedensmahnwache?

Die Stadt hat mich gefragt, ob ich das noch mal machen möchte. Das tue ich gerne, denn es ist ein guter Weg, um insbesondere der Jugend das Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung am Volkstrauertag auf einem anderen Weg als üblich näher zu bringen. Vergangenes Jahr war das sehr schön.

Zum Volkstrauertag: Aufstehen gegen Rassismus, Antiislamismus und Antisemitismus

Grund genug, sich für den Frieden einzusetzen, gibt es nach wie vor.

Ja, wir legen den Schwerpunkt auf das Aufstehen gegen Rassismus, Antiislamismus und Antisemitismus. Das halte ich für sehr wichtig, gerade in der heutigen Zeit, in der Fremdenhass und Rassismus teils gesellschaftsfähig geworden sind und wir eine Verrohung der Sprache beobachten. Nach einem Jahr mit Anschlägen in Christchurch und Halle, mit Übergriffen auf Menschen, die „anders“ aussehen, mit vielen kriegerischen Handlungen und steigenden Flüchtlingsströmen weltweit, zum Beispiel in Nordsyrien, gibt es genug Anlass dazu.

Glauben Sie, dass die Jugendlichen für die Friedensmahnwache offen sind?

Ja. Ich habe Kontakt zu mehreren Schulen aufgenommen. Wer „Fridays for Future“ kann, kann auch für den Frieden auf die Straße gehen. Auch bei der traditionellen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal wird übrigens eine Schülerin dabei sein und Gedanken vortragen. Ob jung oder alt: Beim Thema Frieden können sich alle treffen.

Nächstes Jahr sollen Friedensgebete terminlich zusammengelegt werden

Wie kommt es, dass es in Bad Tölz innerhalb von vier Tagen nun zwei Friedensgebete gibt?

Wir haben parallel geplant. Ich mache das ehrenamtlich und habe es zum Schluss nicht geschafft, die Termine noch zu koordinieren. Bei uns ist das Friedensgebet zunächst ein Test und terminlich an unsere Veranstaltung am Volkstrauertag gebunden. Nächstes Jahr werden wir vesuchen, es nach Möglichkeit zusammenzulegen.

Aber auch bei Ihnen sind wieder Vertreter aller Konfessionen dabei?

Ja, für die evangelische Kirche hat sich Pfarrer Johannes Schultheiß angekündigt, für die katholische Pfarrei Pastoralreferent Josef Weiher, vom Mevlana-Moschee-Verein der Vorsitzende Menduh Killik. Eine jüdische Gemeinde gibt es in Bad Tölz nicht. Es ist noch nicht ganz sicher, ob ein Vertreter des jüdischen Glaubens kommen kann, aber ich werde auf jeden Fall ein Grußwort der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, verlesen.

Termine im Überblick

Das Friedensgebet der Tölzer Religionsgemeinschaften findet am heutigen Donnerstag um 19 Uhr am Marienbrunnen in der Marktstraße statt. „Frieden ist die Grundidee aller Religionen, und nur ihr Missbrauch zerstört ihn“, sagt der evangelische Dekan Martin Steinbach. Stefan Bicanic hatte die Idee, kleine Laternen zu basteln, auf denen die Zeichen von Judentum, Christentum und Islam gemeinsam zu sehen sind. Besucher des Friedensgebets, das auch wieder mit Musik gestaltet wird, können diese Laterne mit nach Hause nehmen.

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Ein Gedenkgottesdienst zu Ehren der Toten der beiden Weltkriege sowie der Opfer von Gewaltherrschaft, Vertreibung und Flucht findet am Volkstrauertag, 17. November, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkiche statt. Danach wird am Kriegerdenkmal an der Franziskanerkirche eine Gedenkfeier abgehalten, musikalisch umrahmt von der Stadtkapelle. 

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Eine Friedensmahnwache unter dem Motto „Lichter für den Frieden – Gegen das Vergessen“ veranstaltet der Kreisverband des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Unterstützung der Stadt Bad Tölz am Sonntag, 17. November, um 18 Uhr am Winzerer-Denkmal. Durch die Veranstaltung führen Florian Völler vom Volksbund und 2. Bürgermeister Andreas Wiedemann. Die Montessori-Schule Tölz hat einen Beitrag vorbereitet, es spielt eine Abordnung der Tölzer Stadtkapelle. Die Besucher sind eingeladen, Lichter mitzubringen – egal ob St.-Martins-Laterne, Duftkerze oder Grablicht. „Je mehr Lichter die Nacht erhellen, umso besser“, so Völler. Offenes Feuer, Fackeln und Teelichter sind nicht zugelassen

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