Stadtführerin Angelika Schmidt am „Bulle von Tölz“-Brunnen in Bad Tölz.
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Mit einer Filmrolle unterwegs: Daran kann man die Film-Führerinnen, wie Angelika Schmidt, erkennen - hier am „Bulle von Tölz“-Brunnen in Bad Tölz.

Stadtführung der besonderen Art

Bad Tölz, das bayerische Hollywood

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Bad Tölz war nicht nur Drehort für „Der Bulle von Tölz“, sondern für zahlreiche Film- und TV-Produktionen: Unterwegs bei einer Stadtführung mit einem Hauch Hollywood.

  • Der Tölzer Kurier stellt Urlaubsaktivitäten in der Heimat vor.
  • Die Stadtführung „Auf Filmspuren durch Bad Tölz“ führt zu den Drehorten zahlreicher TV- und Kinoproduktionen.
  • Am bekanntesten ist „Der Bulle von Tölz“, aber auch „Irgendwie und sowieso“ oder „Tonio und Julia“ wurden hier gedreht.

Bad Tölz – Wegen der Corona-Krise wird in den Sommerferien wohl vermehrt auf große Auslandsreisen verzichtet und Urlaub daheim gemacht. Deshalb stellt der Tölzer Kurier in den kommenden Wochen in der Serie „Oberlandtouren“ viele Ausflugstipps, Radtouren, Wanderungen und Kinderprogramme in der Region vor. Heute geht es bei der Tölzer Themenführung „Auf Filmspuren durch Bad Tölz“.

Diesen Spaziergang der ganz besonderen Art durch die Tölzer Altstadt bietet die Tourist-Information an. In coronakonformen Gruppen kann man sich auf die Spuren vieler bayerischer und deutscher Film- und Fernsehklassiker begeben. Denn die Kurstadt diente nicht selten als beliebte Kulisse diverser Produktionen. Die Initiative der Themenführung „Auf Filmspuren durch Bad Tölz“ stammt vom ehemaligen Kurdirektor Georg Overs. Ausgearbeitet wurde das Konzept von Ulf Schenkel, Birgit Mayr, Ulla Schneiders und Babette Zakenhofer.

Beliebte Stadtführung: „Auf Filmspuren durch Bad Tölz“

Die Themenführerinnen sind leicht zu erkennen. Sie haben immer eine historische Filmrolle dabei, in der sie das Nötigste für die kommenden 90 Minuten verstaut haben. Unter anderem verbirgt sich im Inneren der Blechrolle ein Fragebogen, dessen Antworten sich im Laufe des Spaziergangs ergeben. Am Ende kann der ausgefüllte Fragebogen abgegeben werden. Mit etwas Glück gewinnt man eine Übernachtung in Tölz.

Angelika Schmidt ist eine der Stadführerinnen. Seit 2006 erzählt sie die Tölzer Filmgeschichten mit Leib und Seele. Sie selbst ist ein großer Fan bayerischer Kultserien. „Das Schöne an der Film-Führung ist, dass es so viele Kulissen gibt, dass man je nach Interesse der Gruppe flexibel die Route leicht abändern kann. Manche wollen beispielsweise einen Halt im ,Bulle von Tölz‘-Museum machen“, sagt sie, bevor es heute auf der Standardroute losgeht.

Für „Irgendwie und sowieso“ diente das Moraltgelände in Bad Tölz als Kulisse

Die Führung beginnt – wie sollte es anders sein – am Denkmal der wohl populärsten Serie, die je in und um Tölz gedreht worden ist: am Bullen-Brunnen nahe der Tourist-Info. Auf die Geschichte der Serie um den kauzigen Kommissar Benno Berghammer (gespielt von Ottfried Fischer) stößt man im weiteren Verlauf immer wieder. Immerhin wurden 69 90-minütige Folgen in der Kurstadt gedreht.

Vom Brunnen geht es weiter Richtung Rosengarten. Bei einem kleinen Halt erzählt Angelika Schmidt einiges über die Dreharbeiten von „Irgendwie und Sowieso“. Für die diente unter anderem das Moraltgelände als Kulisse. In der zwölfteiligen Kultserie befindet sich dort das von Martin Binser (Toni Berger) geführte gleichnamige Sägewerk. „Der Rosengarten ist ein wunderschöner Platz für einen Schwenk in die 68er-Zeit, die in der Serie dargestellt wird. Zum Moraltgelände wäre es zu weit zu laufen“, erklärt Schmidt. „Viele wissen gar nicht, dass viel von der Serie in Tölz und Dietramszell gedreht worden ist.“

Der verfilmte Roman „Die Brücke“ stammt von Gregor Dorfmeister aus Bad Tölz

Vom Rosengarten führt der Weg direkt zur Franziskanerkirche, deren Innenraum und Frontansicht öfter im „Bullen von Tölz“ zu sehen waren. In der Folge „Klassentreffen“ wurde auch der hintere Teil mit Friedhof genutzt. Weiter geht es die Gasse hinunter in Richtung Isarbrücke. Dort kommt auch schon der nächste Schauplatz in Sicht: Denn am Amortplatz steht das Casino-Kino, in dem für den Film „Was machen Frauen morgens um halb vier“ aus dem Jahr 2012 gedreht worden ist.

Angelika Schmidt zeigt, wie sich manche Tölzer Kulissen für Dreharbeiten verwandelt haben.

Dann geht es weiter zum Eingang der Marktstraße. Dort steht das Redaktionsgebäude des Tölzer Kurier. Direkt davor erinnert Schmidt an den ehemaligen Redaktionsleiter Gregor Dorfmeister (1929-2018). Unter dem Pseudonym Manfred Gregor schrieb er 1958 den Roman „Die Brücke“. Das Buch wurde ein Jahr später von Bernhard Wicki unter anderem mit Fritz Wepper und Cordula Trantow verfilmt. Vielfach ausgezeichnet avancierte die Antikriegsgeschichte zum Kultfilm. „Dieser Part der Führung liegt mir besonders am Herzen“, sagt Schmidt. Auch wenn beispielsweise für den „Bullen von Tölz“ auch in der Lokalredaktion gedreht worden sei, „soll es an dieser Stelle der Führung ungeteilt um Gregor Dorfmeister gehen“, schwärmt die Filmkennerin.

Die Gruppe zieht weiter in Richtung Gries. Unter anderem am Jungmayrplatz wurden viele Klappen geschlagen – für „Was machen Frauen morgens um halb vier“, die ZDF-Serie „Tonio und Julia“, den Film „Sie ist meine Mutter“ und die ARD-Dauerproduktion „Sturm der Liebe“. Für die Drehorte dieser Serie würden sich viele Gäste ganz besonders interessieren, sagt Schmidt. „Das ist eine typische Serie, bei der niemand zugeben will, dass er sie schaut, aber alle sehr genau Bescheid wissen“, sagt die Stadtführerin schmunzelnd.

Von der Brücke am Schulgraben wurde eine Leiche heruntergeworfen

Am Jungmayrplatz zeigt sie einige Bilder. Auf ihnen kann man erkennen, wie die jeweiligen Häuser und Geschäfte für die Produktionen umgestaltet wurden. Danach geht es weiter in Richtung Schulgraben. Kurzer Stopp bei der weißen Brücke, die zur Marktstraße führt. Die dürfte manchem Krimifan bekannt vorkommen: In einer Folge „Hubert und Staller“ „wurde hier eine Film-Leiche heruntergeworfen“, erklärt Schmidt.

Viele Fans von „Hubert und Staller“ erkennen die weiße Brücke sofort wieder. Auch im „Bullen“ kam sie vor.

Am Ende der Brücke befindet sich Eingang des Tölzer Stadtmuseums. Im „Bullen von Tölz“ betrat Kommissar Berghammer dort allerdings das Polizeipräsidium.

Nach einem Spaziergang durch die Marktstraße endet die „Filmspuren-Führung“ im Café Rendezvous der Genüsse. Dort gibt es den eigens kreierte „Mordscocktail“. Dort gibt es Zeit zum Ratschen und zum Austausch über die neu gewonnenen Eindrücke. Manche füllen noch die letzten Lücken auf ihrem Film-Fragebogen aus, bevor Angelika Schmidt die Zettel einsammelt. Mit einem letzten Schluck des dunkelroten Getränks – Rezept: geheim – klingt die Tour aus.

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