Nach den Pfingstferien können die Volkshochschulen wieder mit dem Kursbetrieb starten – nach einem halben Jahr Zwangspause.
+
Nach den Pfingstferien können die Volkshochschulen wieder mit dem Kursbetrieb starten – nach einem halben Jahr Zwangspause.

Präsenzkurse wieder nach den Ferien

Tölzer Volkshochschule: „Das Geld reicht nur noch bis Oktober“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen

Die Volkshochschulen in Bad Tölz und Lenggries haben schwierige Zeiten hinter sich. Nach den Ferien können wieder Präsenzkurse stattfinden. Bei den beiden Einrichtungen im südlichen Landkreis hat die Zwangspause auf unterschiedliche Art Spuren hinterlassen.

Bad Tölz/Lenggries - Nach den Pfingstferien beginnt wieder der Präsenzunterricht: Das gilt nicht nur an Grund- und weiterführenden Schulen, sondern auch an den Volkshochschulen (VHS). Dort hatte – mit Ausnahme von Online-Veranstaltungen – der Kursbetrieb wegen Corona ein halbes Jahr geruht. Doch noch ist alles schwierig. Während die kleinere Lenggrieser VHS nach wie vor stabil dasteht, wäre die Volkshochschule in Bad Tölz ohne staatliche Hilfe von der Insolvenz bedroht.

Dass am Montag wieder die Kurse beginnen – und zwar dank der niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis sowohl Sprach- als auch Bewegungskurse – das ist für die beiden Institutionen der Erwachsenenbildung zunächst einmal eine sehr gute Nachricht. „Wir haben pro Kurs immerhin noch acht Termine bis zu den Sommerferien“, sagt der Tölzer VHS-Leiter Marcus Stiegler. Das ist etwas mehr als die Hälfte des vollständigen Sommersemesters mit 15 Terminen und lohnt sich aus Stieglers Sicht allemal noch. „Wir probieren es, denn wir brauchen jeden Cent.“

Viele Plätze sind noch frei

Die Volkshochschule, die Kursleiter und viele Teilnehmer freuen sich laut Stiegler sehr, dass die Präsenzkurse wieder beginnen. „Es drängt sie in die Turnhallen und die Kurssäle.“ Dennoch: Die Anmeldung läuft bei Weitem noch nicht so an wie gewohnt. Nach jetzigem Stand verzeichnet Stiegler einen Teilnehmereinbruch um 70 Prozent. Hauptgrund für die Zurückhaltung sei, dass ein größerer Teil der VHS-Klientel zur Corona-Risikogruppe gehöre und daher die Gruppenkurse noch scheue. Eine weitere Anzahl von „Stammkunden“ habe für den Sommer schon Reisepläne und wolle daher im Juni und Juli nicht mehr ins Semester einsteigen.

„Deswegen werden viele Kurse aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl gar nicht stattfinden können“, befürchtet der VHS-Chef. Zu Semesterbeginn Anfang des Jahres seien einmal 350 Kurse vorgesehen gewesen. Nach den Pfingstferien starte die Tölzer VHS nun mit 125 – und davon sei nach Stand der Dinge erst bei 75 die Mindestteilnehmerzahl erreicht. In einigen Fällen würden wohl Gruppen, die wegen zu geringer Raumgrößen für Corona-Abstände gesplittet wurden, wieder zusammengelegt. Die eingenommenen Kursgebühren müssen laut Stiegler Raummiete und Honorar des Kursleiters abdecken. „Draufzuzahlen, das können wir uns leider nicht leisten“, stellt er fest.

Tölzer VHS unterm Rettungsschirm

Im Gegenteil: Die VHS ist auf Einnahmen dringend angewiesen. Sie finanziert sich laut Stiegler zu 45 Prozent aus kommunalen und staatlichen Zuschüssen und zu 55 Prozent aus Teilnehmergebühren. Letztere Einnahmen seien im vergangenen halben Jahr zu 87 Prozent weggebrochen.

Überleben könne die Tölzer VHS nur dank der Überbrückungshilfe des Bundes. Zusätzlich habe man Geld aus dem Rettungsschirm des bayerischen Kultusministeriums beantragt. Der stellt Mittel für „akut insolvenzgefährdete Volkshochschulen“ zur Verfügung – und als solche stuft Stiegler seine Einrichtung im Moment auch ein. „Unsere jetzigen Mittel reichen maximal bis Oktober.“

Stiegler weiß von einigen anderen Volkshochschulen, die bereits den Betrieb stark zurückfahren oder gar Insolvenz anmelden mussten. Trotz allem bleibt er zuversichtlich: „Wir müssen und werden es schaffen, durch dieses Jahr zu kommen.“ Für den Notfall habe die Stadt Bad Tölz Unterstützung in Aussicht gestellt. „Aber wir versuchen es alleine.“

Lenggrieser VHS trägt sich komplett alleine

Deutlich weniger besorgt blickt da aktuell Susanne Rau, Leiterin der Lenggrieser VHS, in die Zukunft. Diese Einrichtung ist finanziell ganz anders aufgestellt als die in Bad Tölz. „Wir tragen uns komplett allein“, sagt Rau. Die VHS in Lenggries hat nur sehr geringe Fixkosten, zahlt für ihre Kursräume in der Mittelschule keine Miete, die Personalkosten sind gering. Insolvenzgefahr besteht laut Susanne Rau in keiner Weise.

Die Kursteilnehmer – oft Stammpublikum in fest etablierten Gruppen – sind Rau zufolge beim Neustart auch größtenteils sofort wieder dabei. Der aktuelle Stand, ob und wie welcher Kurs nach den Ferien stattfindet, ist laut Rau laufend aktualisiert auf der Internetseite der VHS einsehbar.

Infos und Anmeldung auf www.vhs-badtoelz.de und www.vhs-lenggries.de

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare