Ein Steinpilz
+
Über den ersten Steinpilz im Jahr freut man sich am meisten, schreibt Kurier-Leser Dieter Steffens zu seinem Foto.

Wetterbedingungen nicht ideal

Das große Suchen: Wie gut wird die Schwammerl-Saison im Tölzer Land?

Die ersten Schwammerlsucher sind im Tölzer Land schon unterwegs. Doch die Experten sind sich einig: Die Ausbeute dürfte heuer geringer ausfallen als im Vorjahr.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schon jetzt tummeln sich die Pilzliebhaber in den heimischen Wäldern – immer auf der Suche nach dem einen oder anderen kulinarischen Schmankerl. Dabei beginnt die Schwammerlsaison heuer aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen wohl erst in ein paar Wochen so richtig. Das sagt zumindest Edmund Garnweidner. Der 78-Jährige hat lange die Münchner Pilzberatung geleitet und hält unter anderem Vorträge am Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern. Garnweidner hat zahlreiche Bücher zum Thema verfasst, sieht sich selbst aber eher als Botaniker denn als Mykologe (Pilzkundler).

Wie die diesjährige Ausbeute ausfallen wird – dazu will er noch keine Prognose abgeben. Jedoch seien die Witterungsbedingungen mit viel Regen und großer Hitze wenig optimal gewesen. „Pilze brauchen eine gleichmäßige Durchfeuchtung. Hitze ist da eher schädlich“, meint der Experte. Tendenziell würden die Sommer immer heißer und trockener. „Das führt dazu, dass sich die Saison nach hinten verschiebt.“ Garnweidner rechnet erst ab Mitte September mit dem eigentlichen Beginn.

Pilzsammler Peter Pachler ais Bad Tölz wurde bereits fündig

Doch auch schon vorher lassen sich einige Köstlichkeiten finden. Das beweist Peter Pachler (71). Der leidenschaftliche Schwammerlsucher aus Bad Tölz hat in den vergangenen Monaten schon mehr als fünf Kilogramm gesammelt, wie er berichtet. Unterwegs ist auch schon Florian Funk (51), Tölzer Eishockeytrainer und hobbymäßiger Pilzsammler. Diese Leidenschaft habe er erst vor einigen Jahren entdeckt, erzählt er. Wenn Funk auf Pilzsuche geht, tut er das meistens in den Bergen. „Das Sammeln ist für mich eher ein Zeitvertreib beim Wandern.“ Für heuer rechnet er mit keiner so großen Ausbeute wie im vergangenen Jahr, in dem es „extrem viele Pilze“ gab. Ein wenig hofft er sogar, dass heuer nicht so viele Schwammerl aus dem Boden schießen. Coronabedingt sei „die Natur schon seit April überbevölkert“. Ein reiches Pilzwachstum könne zu einem noch größeren Ansturm führen, befürchtet Funk.

Für diejenigen, die sich selbst auf die Suche nach Wildpilzen begeben möchten, hat Hobbysammler Pachler ein paar Ratschläge. Am wichtigsten sei es, nur „die Pilze mitzunehmen, die man sicher kennt“. Zwischen einigen essbaren und giftigen beziehungsweise ungenießbaren Arten bestehe zuweilen Verwechslungsgefahr. Vor dieser Gefahr warnt auch Garnweidner. Teilweise würden Knollenblätterpilze für Champignons oder Gallenröhrlinge für Steinpilze gehalten. Dabei kann man dem sehr wohl vorbeugen, wenn man „die botanischen Merkmale“ der Arten kennt. Sammlern rät Garnweidner, vor allem nach Steinpilzen, Pfifferlingen und Maronenröhrlingen Ausschau zu halten. Diese Arten seien hier am weitesten verbreitet.

Pilzesammeln ist in Naturschutzgebieten verboten

Außerdem ist das Sammeln vieler anderer Pilzarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht erlaubt, wie das Tölzer Landratsamt bestätigt. Ausgenommen sind beispielsweise Steinpilze, Pfifferlinge, Rotkappen und Morcheln. Diese dürfen in geringen Mengen für den Eigenbedarf entnommen werden. Tatsächlich verboten ist das Sammeln von Pilzen in Naturschutzgebieten und Nationalparks. Für das gewerbsmäßige Sammeln von Pilzen – zum Verkauf oder auch in größere Mengen – wird eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde benötigt. Ohnehin sollte man immer nur so viele Pilze sammeln, wie man verwerten kann, findet Pachler – und sie sofort verarbeiten. Hierzu kennt er zahlreiche Möglichkeiten: von der selbstgemachten Schwammerlsoße über panierte Pilze bis zu einem Steinpilz-Carppaccio. Pachler empfiehlt außerdem, einige Pilze zu trockenen. „So kommt man dann gut über den Winter.“

Auskunft: Hilfe findet man bei der Pilz-Beratungsstelle in München (Pasinger Rathaus) unter der 089/23 34 64 85. Sie ist bis 12. Oktober immer montags von 8.30 bis 11.30 Uhr besetzt. Franziska Selter

Weitere Nachrichten aus Bad Tölz und der Region gibt es hier.

Auch interessant

Kommentare