Etwa vervierfacht hat sich die Nachfrage nach Ladestationen, berichtet Lars Bachmann, Berater für Energielösungen bei den Tölzer Stadtwerken.
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Etwa vervierfacht hat sich die Nachfrage nach Ladestationen, berichtet Lars Bachmann, Berater für Energielösungen bei den Tölzer Stadtwerken.

Nachfrage wegen Förderprogramm sprunghaft gestiegen

E-Mobilität: Das lange Warten aufs Laden

Wer sich eine Wallbox, also eine Ladestation für E-Autos, installieren lässt, erhält seit dem 24. November 2020 einen satten Zuschuss vom Staat. Weil viele davon profitieren wollen, verzögert sich die Lieferung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Ja, das ist bei uns auch der Fall“, bestätigt Johann Kaltenhauser von Elektro Kaltenhauser in Arzbach. „Wenn man jetzt eine Wallbox bestellt, dauert die Lieferzeit drei bis vier Monate. Das ist brutal.“ Laut Kaltenhauser lassen sich derzeit viele Kunden die Ladestation nur wegen der Förderung einbauen, obwohl sie nicht unbedingt vorhaben, sich demnächst ein E-Auto anzuschaffen. Denn da die Wallboxen pauschal mit 900 Euro pro Ladepunkt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert werden, gibt es das Ganze derzeit mitunter zum Nulltarif. „Es kommt natürlich auf das Modell an“, so Kaltenhauser. „Aber mit Arbeitszeit kommt man meist auf etwa 1000 Euro Gesamtkosten.“ Sprich: Mit dem Zuschuss von der KfW bekommt man für einen Eigenanteil von gerade einmal 100 Euro eine Wallbox.

Lieferung erst im Oktober

Bei Markus März von Elektro Ernhofer in Egling ist die Situation ähnlich: „Bei den geförderten Modellen hatten wir letzten Monat eine Lieferzeit bis Oktober.“ Dass sich die Kunden die Wallbox primär wegen der Förderung einbauen lassen, bestätigt März nicht. „Es gibt sowohl diejenigen, die es vorrangig aufgrund des Zuschusses machen, als auch die, die tatsächlich ein E-Auto bestellt haben.“ Mit den 900 Euro Fördergeld komme man gut hin. „Aber viele sind auch festgefahren auf eine Marke, das kommt auf den Kunden an.“

Fördermittel werden schnell bewilligt

Vor dem Einbau einer Wallbox muss ein Fördermittelantrag bei der KfW unter public.kfw.de/zuschussportal-web/ gestellt werden, der in der Regel schnell bewilligt wird. Damit die Förderung überhaupt möglich ist, muss man darauf achten, dass die Wallbox, die man auswählt, auf der Liste der förderfähigen Geräte steht. Diese kann man unter der zuvor genannten Internetadresse einsehen. Außerdem muss eine Fachfirma mit der Installation beauftragt werden, da eine Rechnung als Nachweis benötigt wird.

Zuschuss gibt es nur bei Gesamtkosten über 900 Euro

Nicht alle Elektrobetriebe bieten den Anschluss einer Wallbox an, weshalb man sich zuerst ein Angebot eines qualifizierten Elektrobetriebs einholen sollte, auch um zu sehen, was die Installation kosten würde. Die Differenz zwischen den Installationskosten und den 900 Euro Fördergeld ergibt den Betrag, den die Wallbox idealerweise kosten sollte. Den staatlichen Zuschuss gibt es nur für Wallboxen bis elf Kilowatt Leistung und nur, wenn die Gesamtkosten über 900 Euro liegen.

Nachfrage sprunghaft gestiegen

„Seit im November die Förderung bekannt wurde, ist die Nachfrage sprunghaft gestiegen“, bestätigt Lars Bachmann, Berater für Energielösungen bei den Tölzer Stadtwerken. Vor der Förderung wurden Wallboxen von den Stadtwerken zwar auch verkauft und verbaut, „aber die Menge hat sich seitdem bestimmt vervierfacht“. Die Stadtwerke sind bemüht, den Hersteller mit der kürzesten Lieferzeit zu finden. „Unser neuer Lieferant hat eine Lieferzeit von vier bis sechs Wochen“, so Bachmann. „Nach dieser Zeit ist die Ware bei uns, und wir haben sie auf Lager. Der Kunde muss dann nur noch auf die Installation warten.“ Die meisten seiner Kunden haben ein E-Auto gekauft oder den Kauf geplant und brauchen deswegen dringend eine Ladestation, erklärt Bachmann. „Ich habe erst ein- oder zweimal gehört, dass Leute sich die Wallbox nur wegen der Förderung einbauen lassen.“

500 Prozent mehr Wallboxen verbaut

Deutlich gestiegen ist auch die Nachfrage bei Andreas Will von Elektro Will in Münsing. „Heuer haben wir im Vergleich zum letzten Jahr 500 Prozent mehr Wallboxen verbaut“, so Will. Seiner Einschätzung nach lassen sich 50 bis 60 Prozent seiner Kunden eine Wallbox installieren, ohne dass sie sich wirklich ein E-Auto zulegen wollen. „Früher waren es ganz konkret nur die, die sich auch ein E-Auto gekauft haben.“ Die Bestellungen der Ladestationen werden über Monate vorbereitet, sodass sie laut Will auf Lager sind. Es gebe aber auch „bestimmte Modelle, die über Monate nicht greifbar sind und eine Lieferzeit von drei Monaten bis zu einem halben Jahr haben.“

(Elena Royer)

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