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Jede Menge Amphetamine hat ein Tölzer verkauft. 

Landgericht

Vom Dealer zum Zeugen

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Bad Tölz/München - Ein 27-jähriger Tölzer verkauft Amphetamine im großen Stil und verpfeift seine Abnehmer. Die sitzen nun auf der Anklagebank. 

Früher hatte er halb Tölz mit Amphetamin versorgt. Vergangene Woche kam er geläutert als Zeuge ins Landgericht München II. Drei seiner Abnehmer von einst saßen auf der Anklagebank. Die hatte der berufslose Tölzer (27) verpfiffen. Ein gleichaltriger Lagerarbeiter ließ schnell nochmal über seinen Verteidiger ein Geständnis ablegen. „A....“, zischte ein Zuschauer. In der Verhandlung war sichtlich Stimmung.

Der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann ließ den meckernden Zuschauer samt zwei seiner kleidungstechnischen „Brüder“ – sie trugen Westen mit der Aufschrift Hermanos locos – den Saal verlassen, mit dem Hinweis, sich als Zeugen bereit zu halten, denn „Sie haben offenbar etwas zu sagen“. Aufgeregt und rastlos tigerten die jungen Männer im Anschluss auf dem Flur hin- und her. Schließlich stolperten sie schlecht gelaunt wieder in den Sitzungssaal, mit dem Hinweis, sie hätten einen privaten Termin. Der Richter mit dem Vollbart ließ sie nicht gehen, verwies stattdessen auf die Zeugenpflicht. „Sch...-Bärtiger“, zischten die Burschen auf dem Flur, wagten aber nicht, wegzugehen.

Im Prozess selbst behauptete ein angeklagter Lagerarbeiter, vom Amphetamin-Angebot des Rädelsführers quasi überrollt worden zu sein. „Ich habe nichts vorbestellt, er ist einfach gekommen und hat gesagt, Du nimmst es, ich brauche es nicht. Er hat es mir fast aufgedrängt.“

So hatte das der Ex-Drogendealer aus Bad Tölz allerdings nicht in Erinnerung. „Möglich, dass es von mir ausging“, quälte sich der 27-Jährige um die Wahrheit. Und vermutlich habe er ihm schon angeboten, ihm in Zukunft mehr zu geben, doch an ein regelrechtes Überangebot erinnerte sich der Zeuge nicht. Tatsächlich aber soll der Lagerarbeiter rund 2,5 Kilogramm vom Rauschmittel bekommen haben – teils zum Weiterverkauf, teils zum eigenen Verbrauch, denn konsumiert wurde im vergangenen Jahr recht viel, bis zu 19 Joints pro Tag. Manchmal musste sich der 27-Jährige sogar krank melden, weil er zu berauscht war, um arbeiten zu können. Der Prozess dauert an. 

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