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Saßen auf dem Podium (v. li.): Werner Gaßner, Korbinian Gall, Thomas Schalk, Markus Wagner, Moderator Andreas Steppan, Thorsten Geerken, Urs Espeel und SPD-Bundestagskankdidat Hannes Gräbner. 

Debatte über „Ehe für alle“

„Fühle mich nicht mehr als Mensch zweiter Klasse“

Das Thema „Ehe für alle“ stand im Mittelpunkt einer Debatte, zu  der der Verein Schwule und Lesben in Bad Tölz und dem Oberland eingeladen hatte.

Bad Tölz – Vom 1. Oktober an können schwule und lesbische Paare heiraten und gemeinsam Kinder adoptieren. Von mancher Seite wurde diese nun erreichte gesetzliche Angleichung der Rechte gleichgeschlechtlicher Paare lange herbeigewünscht, von anderer Seite ebenso lange deutlich kritisiert. Letzteres kam bei der jüngst zu diesem Thema anberaumten Podiumsdiskussion im Kleinen Kursaal überhaupt nicht vor. Im Gegenteil: Sowohl die Diskussionsteilnehmer auf der Bühne als auch die Besucher kamen zum Schluss, dass die durch eine von Kanzlerin Angela Merkel herbeigeführte „Gewissensentscheidung“ der Abgeordneten möglich gewordene Gesetzesänderung ein überfälliger Schritt zur Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren sei. Allerdings seien noch weitere Schritte nötig.

Dass keine gegenteilige Meinung laut wurde, lag wohl auch daran, dass keine Vertreter der CSU und der katholischen Kirche anwesend waren. „Von der katholischen Kirche ist da nicht so leicht jemand zu bekommen“, sagte Peter Priller, Vorsitzender des Vereins „Schwule und Lesben in Bad Tölz und dem Oberland“ (SchuTz), der den Abend organisiert hatte.

Gekommen waren jedenfalls Werner Gaßner von der neuen von Claudia Stamm gegründeten Partei „mut“, Korbinian Gall von den Grünen, der evangelische Pfarrer Urs Espeel aus Tölz sowie Thomas Schalk und Markus Wagner als verpartnertes Paar, das eine Tochter hat, und Thorsten Geerken, der ebenfalls verpartnert und Vater einer Tochter ist. Während Schalk und Wagner ihren großen Wunsch nach einem Kind mit Hilfe zweier Frauen – einer Eizellenspenderin und einer Leihmutter – in den USA verwirklichten, ist Geerkens Tochter auf „normalem“ Weg gezeugt worden, wobei die Mutter des Kindes jedoch lesbisch verpartnert ist.

Wie sie sich denn nun angesichts der politischen Gesinnungsänderung fühlen würden, wollte Diskussionsleiter Andreas Steppan, stellvertretender Leiter des Tölzer Kurier, von den Männern wissen. „Ich fühle mich jetzt nicht mehr als Mensch zweiter Klasse“, erklärte Geerken. Wie er und sein Partner wollen auch Schalk und Wagner nach dem 1. Oktober eine richtige Hochzeit feiern, nachdem die Verpartnerung bei beiden Paaren nur in kleinem Rahmen über die Bühne ging.

Gab es in Tölz schon Anfragen für kirchliche Trauungen? Anfragen ja, antwortete Espeel. „Aber die meisten wollen woanders getraut werden, nicht hier.“ Dabei sei das in Tölz eigentlich kein Problem, das Mitdenken und Mitfühlen der hiesigen Bürger sei viel ausgeprägter als es ihr Ruf vermuten lasse. Natürlich brauche es zu solch einem Schritt Mut. „Aber ohne Mut keine Freiheit.“ Und: „Gottes Segen richtet sich nicht nach der Meinung der Menschen.“

Wenn gleichgeschlechtliche Paare Kinder haben wollen, ist das manchen Leuten ein Dorn im Auge. „Denn Kinder brauchen Vater und Mutter“ ist ein oft vorgebrachtes Argument, das auch in Leserbriefen, die Steppan vorlas, angeführt wurde. „Diese These kommt von einschlägigen Instituten“, stellte Gaßner fest. Espeels Anschauung ging in eine andere Richtung: „Kinder brauchen wahrhaftige Begegnungslandschaften. Die Kirche müsste anerkennen, dass Homo-Paare Liebe leben. Heterosexuelle Ehen müssen nicht unbedingt die besseren sein.“ Und Wagners Definition: „Kinder brauchen Personen, von denen sie geliebt werden und die sie lieben.“ Überhaupt müssten den Kindern schon von klein an die unterschiedlichen Partner- und Familienmodelle vermittelt werden, kam eine Wortmeldung aus dem Zuhörerkreis. „Kinder sind da sehr offen.“

Schalk, selbst Lehrer von Beruf, bestätigte dies. „Aber bis das in allen Schulen so offen behandelt wird, das wird noch dauern.“ Generell sei Bildung zum Abbau von Diskriminierungen sehr wichtig, betonten Espeel und Gall unisono. Den beschrittenen Weg mit Mut und Beharrlichkeit weiterzugehen, lautete Wagners Schluss-Appell: „Um das Befremdliche in den Köpfen der Menschen abzubauen.“ Rosi Bauer

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