Ein Klebezettel gegen das Vergessen: Nicht nur am Welt-Alzheimertag heute kämpfen die Betroffene und Angehörige gegen die Demenz und ihre Tücken.
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Ein Klebezettel gegen das Vergessen: Nicht nur am Welt-Alzheimertag heute kämpfen die Betroffene und Angehörige gegen die Demenz und ihre Tücken.

Welt-Alzheimertag: Beratungsstellen wollen für Krankheit sensibilisieren

Demenz: Rund 3000 Betroffene im Landkreis

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Demenz? Was ist das eigentlich? Den heutigen Welt-Alzheimertag nutzen Organisationen, um über wichtige Punkte aufzuklären.

  • Knapp 3000 Menschen im Landkreis sind von Demenz betroffen
  • Viele Menschen wissen zu wenig über die Krankheit
  • Zum Welt-Alzheimertag ist eine Aufklärungsaktion geplant

Bad Tölz-Wolfratshausen – Zehn Prozent aller Bürger im Landkreis, die älter sind als 65 Jahre, leiden laut einer Schätzung des Tölzer Landratsamts an einer Form von Demenz. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Zwischen 2700 und 2800 Männer und Frauen in der Region sind betroffen. Trotz der weiten Verbreitung ist die Krankheit ein Tabu-Thema. Nicht von ungefähr lautet das Motto des heutigen Welt-Alzheimertages: „Wir müssen reden“.

Das sieht auch Dieter Käufer so. „Es gibt nach wie vor viele Wissensdefizite in der Bevölkerung“, sagt der Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal. Immer noch glaubten zu viele Menschen, dass Demenz ein normaler Teil des Alterns sei. Das stimmt nicht: „Es gibt genug 100-Jährige, die topfit sind“, gibt Käufer zu bedenken. Tatsächlich handle es sich um eine Krankheit, bei der sich Eiweißmoleküle im Gehirn ablagern. Die Folge: Nervenbahnen oder Zellen sterben ab, bestimmte Funktionen gehen verloren. Meistens sei zuerst das Kurzzeitgedächtnis betroffen. „Eine heimtückische Krankheit“, sagt der Experte.

Für Angehörige eine extrem belastende Situation

In der Tat. Zuerst vergessen die Betroffenen Kleinigkeiten. Irgendwann tun sie sich schwer, einem Gespräch zu folgen. Im Endstadium erkennen manche nicht einmal mehr die Menschen, die sie lieben. „Wichtig ist, empathisch zu reagieren“, sagt Ellen Wagner. Der Leiterin der Caritas-Kontaktstelle Alt und Selbständig zufolge sollten Angehörige nicht versuchen, die Alzheimer-Patienten in die Realität zurückzuholen. Stellt der eigene Ehemann seiner Frau zum Beispiel eine andere als seine Gattin vor, sollte man ihn nicht über seinen Irrtum aufklären. Einer Frau, die sich bei der Kontaktstelle hat beraten lassen, ist genau das passiert. „Sie hat gut reagiert und nur gesagt, dass es doch schön sei, dass er eine Frau habe“, schildert Wagner.

Für die Angehörigen sind das extrem belastende Situationen. Noch schlimmer wird es, wenn die Familien sich scheuen, die Betroffenen in eine Betreuung zu geben – und sei es nur für kurze Zeit. „Für manche ist es auch einfach schwierig, das passende Angebot zu finden“, weiß Christiane Bäumler, Leiterin des Fachbereichs Senioren am Landratsamt. Beratung und Hilfe bekommen die Betroffenen unter anderem bei ihr. Aber auch die Kontaktstelle Alt und Selbständig bietet Sprechstunden an, verfügt sogar über einen eigenen Helferkreis.

Bücheraktion der Alzheimer Gesellschaft soll Aufklärungsarbeit leisten

Rat und Hilfe gibt es auch bei der Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal. „Wichtig ist zudem eine frühzeitige Diagnose“, betont Dieter Käufer. In einem frühen Stadium der Krankheit können die Betroffenen noch wichtige Dinge selbst regeln, Vorsorgevollmachten zum Beispiel. Das Problem: Viele wollen die Krankheit zunächst nicht wahrhaben. Käufer empfiehlt einen Termin in einer Gedächtnisambulanz, wie sie es in großen Krankenhäusern wie dem Klinikum rechts der Isar in München gibt. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT zeigen die Ablagerungen im Gehirn – und erleichtern die Akzeptanz der Krankheit.

Auf Initiative der Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal finden Interessierte ab dem heutigen Montag bis Samstag, 26. September, in der Buchhandlung Winzerer in Bad Tölz und in der Stadtbücherei Wolfratshausen eine Auswahl von Büchern rund um das Thema Demenz. Der Verein und auch Christiane Bäumler vom Fachbereich Senioren hätten gerne noch mehr Aktionen rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September organisiert. „Wegen Corona ist das aber nicht möglich“, bedauert Bäumler. Umso wichtiger sei es, dass insgesamt offener über das Thema gesprochen werde. „Demenz ist kein Grund, sich zu schämen“, betont Bäumler. Und: „Im Prinzip kann es jeden treffen.“

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