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Amtsgericht

Demenzkranke um Geld betrogen

Bad Tölz/Wolfratshausen – Die Angeklagte verstand die Welt nicht mehr. „Ich habe nur gemacht, was sie mir angeschafft hat“, rechtfertigte sich die 57-jährige Tölzerin, die sich wegen Untreue vor dem Amtsgericht verantworten musste.

Sie soll 2011 eine heute 87 Jahre alte, demenzkranke Bekannte, um deren Ersparnisse gebracht haben – insgesamt 80.000 Euro. Das Gericht sah die Tölzerin aufgrund der Indizien für überführt an und verurteilte sie zu einem Jahr Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die Beschuldigte war von der Geschädigten mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet worden. Unter anderem habe sie sich um die Wohnungsauflösung kümmern sollen. Mitte Februar 2011 konnte die Wohnung zum Preis von knapp 100.000 Euro verkauft werden. Kurze Zeit später begann die Angeklagte, hohe Beträge vom Konto der Rentnerin abzuheben – innerhalb von vier Wochen acht Mal jeweils 10.000 Euro. Das Geld habe sie bei der Bank in ein Schließfach gelegt. „Weil sie es so wollte“, beteuerte die Angeklagte. „30.000 Euro habe ich ihr ins Pflegeheim gebracht. Das sollten ihr Bruder und andere Leute bekommen.“ Die alte Dame habe ihr das Geld aus dem Verkauf ihrer Wohnung schenken wollen. „Das habe ich abgelehnt. Ich habe ihr gesagt: Das Heim muss doch bezahlt werden“, so die Beschuldigte.

Weil die Zahlungen ans Pflegeheim ausblieben, kam die Sache ans Licht. Nachdem sich die Rückstände auf 40 000 Euro angehäuft hatten, wurde auf Betreiben des Heims eine Rechtsanwältin als Betreuerin eingesetzt. Diese fand zwar heraus, dass im Frühjahr 2011 viel Geld vom Konto abgehoben worden war – Verbleib unbekannt. Der Bruder der Geschädigten wusste nichts von einer Schenkung. Das Schließfach war leer. „Da war kein Staubkorn mehr drin“, sagte die Rechtsanwältin. „Mir war klar: Es sind mit dem Geld Dinge passiert, die nicht der Eigentümerin zugute gekommen sind“, so die Anwältin.

„Ich versteh’s nicht. Ich wollte nur helfen“, stammelte die Angeklagte, nachdem die Staatsanwältin beantragt hatte, sie zu einem Jahr Gefängnis zu verurteilen. „Sie haben uns angeschwindelt, das Bild ist eindeutig“, hielt Richter Helmut Berger der 57-Jährigen vor. „Sie haben das Vertrauen einer Demenzkranken ausgenutzt, die jetzt verarmt ist.“

Dem „mehr als milden Antrag der Staatsanwältin“ habe er nur „mit Hängen und Würgen“ zustimmen können. „Es hätte angesichts der Summe gut über ein Jahr geben können“, sagte Berger. Dann wäre eine Bewährung nur unter besonderen Voraussetzungen möglich gewesen.

Rudi Stallein

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