Eine Versammlung am Montagmorgen wurde von Polizei und Landratsamt geduldet, obwohl sie nicht angemeldet war. Hintergrund und Motivation der 50 bis 60 Teilnehmer waren offenbar unterschiedlich.
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Eine Versammlung am Montagmorgen wurde von Polizei und Landratsamt geduldet, obwohl sie nicht angemeldet war. Hintergrund und Motivation der 50 bis 60 Teilnehmer waren offenbar unterschiedlich.

Nicht angemeldete Versammlung wird geduldet

Demonstration in Bad Tölz: Eltern protestieren gegen Schnelltests in der Schule

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Vor dem Tölzer Landratsamt demonstrierten am Montag 50 bis 60 Personen. Gegenüber dem Tölzer Kurier erklärt ein Vater, warum er mitmachte, und Landrat Josef Niedermaier nimmt Stellung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – 50 bis 60 Personen haben nach Angaben der Polizei am Montag von 8 bis etwa 9.15 Uhr vor dem Tölzer Landratsamt gegen die Regelungen zur Testpflicht an bayerischen Schulen demonstriert. Laut Inspektionsleiter Johannes Kufner war die Versammlung im Vorfeld nicht angemeldet worden. Um die Verwirklichung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten, hätten sich die Polizei und das Landratsamt aber darauf verständigt, die Demonstration zu dulden.

„Wir haben vor Ort auf die Vorgaben zum Infektionsschutz hingewiesen, also Maskenpflicht und Abstandsregeln“, so Kufner. Diesen Hinweisen seien die meisten Teilnehmer nachgekommen. „Vereinzelt weigerten sich Personen, Masken anzulegen.“ Deswegen sei gegen einige Teilnehmer ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Einen Initiator der Versammlung habe die Polizei nicht feststellen können. Insgesamt sei die Stimmung entspannt und friedlich gewesen.

Störungsfrei sei auch eine Kundgebung zum gleichen Thema am Donnerstag in Lenggries abgelaufen. Hier fanden sich laut Polizei ungefähr 120 Teilnehmer ein.

„Wir reden hier von Erstklässlern, die sich nicht die Schuhe binden können, aber selbst einen medizinischen Test bei sich vornehmen sollen.“

Peter Strauch, Benediktbeuern.

Zu den Eltern, die vor dem Landratsamt protestierten, zählte Peter Strauch aus Benediktbeuern. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier erklärt er, dass es ihm nicht um eine generelle Ablehnung von Tests bei Schulkindern gegangen sei. Nur den vorgeschriebenen Ablauf kritisiert er. Strauch befürchtet, dass positiv getestete Kinder Mobbing ausgesetzt sein werden. „Wir reden hier von Erstklässlern, die sich nicht die Schuhe binden können, aber selbst einen medizinischen Test bei sich vornehmen sollen“, sagt der Familienvater. Den Eltern wiederum traue der Staat zwar einerseits zu, ihre Kinder über Monate hinweg zu beschulen, aber nicht, ehrlich und korrekt zu Hause einen Corona-Schnelltest durchzuführen. „Da geht die Schere weit auseinander.“

In der eigenen Familie erlebt der Vater, wie unterschiedlich die Kinder zu dem Thema stehen. Seine Tochter, eine Erstklässlerin, sage: „Wenn ich dafür in die Schule darf, dann machen wir das halt.“ Sein Sohn, der in die 2. Klasse geht, möchte den Test dagegen nicht in der Schule machen, aus Angst, gehänselt zu werden.

Mutter aus Wackersberg fühlt sich erpresst

Zur Demo merkt der Benediktbeurer an, dass sich dort einzelne Teilnehmer nicht in seinem Sinne verhielten, indem sie Masken verweigerten. „Nein, eine Demo gegen Maskenpflicht war das nicht“, so seine Auffassung.

Ähnliche Bedenken wie Strauch hat eine Wackersbergerin (34), die zwar nicht bei der Demo mitmachte, sich aber an den Tölzer Kurier wandte. Durch die jetzige Regelung fühle sie sich „erpresst“, sagt sie. Ihre Wahrnehmung: Die Regierung unterstelle ihr, „dass ich mein Kind bei einem positiven Testergebnis trotzdem in die Schule schicke oder den Test erst gar nicht durchführe. Ja, es mag schwarze Schafe geben“, so die Wackersbergerin. „Ich gehe aber davon aus, dass der größte Teil sich pflichtbewusst verhält.“

Dazu kommt für die 34-Jährige das Problem der Planung. Sie müsse sich nun von 8 bis 8.45 Uhr auf Abruf halten für den Fall, dass sie ihr Kind abholen muss.

Landrat Niedermaier hält Corona-Testpflicht an Schulen für richtig

Antworten verlangten die Demonstranten in Bad Tölz von Landrat Josef Niedermaier. Der erklärt auf Anfrage des Tölzer Kurier, dass er gar nicht anders könne, als die Vorgaben des Staates zu vollziehen. Davon abgesehen halte er persönlich die Testpflicht an den Schulen für richtig. „Corona ist da, und es ist vehement zurück“, sagt der Landrat. „Wir müssen einen Weg finden, im Alltag damit umzugehen, und dazu gehört aus meiner Sicht das Testen.“ Es ermögliche, den Präsenzunterricht so weit wie möglich aufrecht zu erhalten.

Bei der Frage, ob die Selbsttests auch daheim erlaubt sein sollten, „gibt es für beide Seiten gute Argumente“, so Niedermaier. Persönlich finde er das Testen in der Schule aber „nicht so verkehrt“, sagt Niedermaier. Er traue den Lehrern zu, vor Ort gut mit der Situation umzugehen.

Ob es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen kommende Woche überhaupt noch Präsenzunterricht gibt, ist unterdessen fraglich, da die Sieben-Tage-Inzidenz seit Sonntag (11. April) wieder die kritische 100er-Marke überschritten hat.

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