Der Angebotsausbau beim Bergsteigerbus in die Eng ist nur ein konkreter Vorschlag, der sich aus dem Nahverkehrsplan ableitet.
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Der Angebotsausbau beim Bergsteigerbus in die Eng ist nur ein konkreter Vorschlag, der sich aus dem Nahverkehrsplan ableitet.

Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs

Der Plan für die Verkehrswende im Tölzer Land

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Welche Qualität soll der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis haben? Diese Frage beantwortet der Nahverkehrsplan, den der Landkreis gerade aufstellt. Im Kreis-Umweltausschuss ging es am Montag um konkrete Maßnahmen und deren Priorisierung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Den Rahmen hatten die Kreisräte schon früher geschaffen. Sie hatten beispielsweise Haupt- und Nebenverkehrszeiten definiert und auch festgelegt, wie oft Orte und Ortsteile je nach Größe angefahren werden sollen. In der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses am Montag gingen Markus Haller und Matthias Breuel von der MVV Consulting in die Tiefe und machten konkrete Vorschläge, wie der ÖPNV in Isarwinkel, Loisachtal und im nördlichen Landkreis verbessert werden kann. Jede Maßnahme ist mit Kosten hinterlegt und mit einem Zeithorizont für die Umsetzung versehen. „Der Beschluss des Nahverkehrsplans ist nicht der Beschluss zur Umsetzung aller enthaltenen Maßnahmen“, beruhigte Breuel. Für jeden zusätzlichen Bus brauche es eine gesonderte Entscheidung. „Der Nahverkehrsplan ist nur der Rahmen.“

Im Isarwinkel und Loisachtal stehen neben dem allgemeinen Angebotsausbau vor allem die Freizeitlinien im Fokus. Mit Priorität eins versehen ist beispielsweise der Angebotsausbau beim Bergsteigerbusses in die Eng. Denkbar wäre auch, dass einige Fahrten nur bis Fall oder Vorderriß führen, um den Sylvenstein besser zu erschließen. „Hohe Priorität hat auch die Verbesserung des Angebots in der Jachenau“, sagte Breuel. „Hier gibt es nur zwei Fahrtenpaare am Tag. Das ist für den Ausflugsverkehr nicht nutzbar.“ Anfangs werde hier ein Zwei-Stunden-Takt angestrebt, später vielleicht sogar ein Stundentakt. Grundvoraussetzung sind Wendemöglichkeiten für den Bus am Walchensee.

Mehr Busse fürs Loisachtal und zum Starnberger See

Letzterer ist auch beim Angebotsausbau der Freizeitlinien im Loisachtal ein zentrales Thema. „Im Sommerhalbjahr müssten die Busse auf jeden Fall abends zwei, drei Stunden länger fahren“, sagte Breuel – und zwar an Wochenenden und in den Ferien von 8 bis 19 Uhr im 30-Minuten-Takt ab Kochel, bis 21 Uhr dann im Stunden-Takt. Im Winter lautet der Vorschlag, morgens eine frühere Verbindung anzubieten und „auf einen Stundentakt zu verdichten“.

Ein Freizeitziel im Nordlandkreis, das besser erschlossen werden sollte, ist das Ostufer des Starnberger Sees. „Es gibt kein Sonntagsangebot und samstags nur ein rudimentäres“, sagte Breuel. In den Sommermonaten sollte hier ein Stunden-Takt angestrebt werden.

Bei allen Freizeitzielen gilt übrigens, dass der beste Ausbau nichts bringt, wenn die Busse am Ende nicht durchkommen, weil Zufahrten zugeparkt sind. Parkverbote müssten daher eingerichtet, konsequent kontrolliert und Verstöße geahndet werden. So wichtig der Ausbau der Freizeitlinien auch ist, warnte Landrat Josef Niedermaier vor einem Trugschluss: „Wir werden nicht die komplette touristische Menge mit Bussen abwickeln können.“ Das gelte für den Walchensee genauso wie fürs Brauneck. „So viele Busse können gar nicht fahren.“

Neben Linienbussen auch Lösungen mit Ruftaxis

Neben den Freizeitlinien gibt es eine ganze Fülle von Vorschlägen, um den Alltagsverkehr gerade an den Werktagen, am Abend und in entlegeneren Ortsteilen zu verbessern. Dabei geht es in der Regel um Taktverdichtungen, aber auch um die Schaffung neuer Linien – beispielsweise vom Loisachtal in den nördlichen Landkreis. Dabei setzt man nicht nur auf klassische Linienbusse, sondern auch auf Lösungen mit Ruftaxis oder -bussen.

Das alles kostet Geld. Setzt man alle Maßnahmen aus der Prio eins um, würde das – ganz grob geschätzt – 2,55 Millionen Euro kosten. Prio zwei wird mit 1,4 Millionen veranschlagt, Prio drei mit 660 000 Euro. Das alles pro Jahr – gerechnet allerdings ohne Einnahmen aus Ticketverkäufen. Dazu gibt es noch eine ganze Reihe von flankierenden Maßnahmen – von der Barrierefreiheit von Bushaltestellen über den Ausbau von Bike & Ride-Angeboten bis hin zu Marketingmaßnahmen. Letztere liegen Franz Schöttl (CSU) besonders am Herzen. „Das ist unabdingbar, dass wir die Leute auf allen Kanälen bombardieren.“ Damit die neuen Angebote angenommen werden, „müssen wir das bekannt machen“. Michael Häsch (CSU) interessierte mehr, „wie flexibel wir sind“. Könne man ein Angebot auch zeitnah wieder einstellen, wenn eine Linie einfach nicht genutzt werde, wollte er wissen. Niedermaier warnte hier davor, zu schnell einzuknicken. „Nach einem Jahr ist das nicht in den Köpfen der Leute drin. Der Landkreis München hat einen Probezeitraum von vier Jahren“, sagte Niedermaier. „Das sind oft schmerzliche Jahre.“ So lange brauche es aber, bis sich neue Angebote etabliert haben. Aber natürlich könne man jederzeit nachjustieren, sagte MVV-Consult-Vertreter Haller. „Und im Extremfall könnten Sie die Reißleine ziehen.“

Entscheidung wird im Juli gefällt

Für Jakob Koch (Grüne) ist das eher kein Thema. Der ÖPNV müsse an Attraktivität gewinnen. „Wir müssen die Umsetzung aller drei Prioritäten angehen.“ Ein Drittel des CO2-Ausstoßes im Landkreis gehe auf den Verkehr zurück. Auf dem Weg zur Verkehrswende, „müssen wir richtig Gas geben, denn es brennt“. Daher verstand Koch auch gar nicht, warum es in anderen Fraktionen noch Beratungsbedarf zum Nahverkehrsplan gibt. „Die Entscheidung zeigt, ob wir die Klimakrise ernst nehmen oder nicht“, sagte Koch.

Dennoch sei der Beschluss des Plans doch ein weitreichender, sagte Schöttl. „Daher sollten wir mit ganzem Herzen dabei sein.“ Und dafür seien eben noch Gespräche notwendig. Am 21. Juni werden sich nun Kreis- und Umweltausschuss noch einmal mit dem Plan befassen. Am 26. Juli entscheidet dann final der Kreistag.

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