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Mit einem Zuschuss aus der Kreiskasse hätte Asklepios die Geburtshilfe in Bad Tölz vermutlich als Hauptabteilung weiterführen können. Der Kreistag kam zum Schluss, dass dies keine nachhaltige Lösung ist, und lehnte ab.

Geburtshilfe

Deshalb sagte der Kreistag Nein zum Zuschuss für Asklepios

Der Kreistag hat am Freitag fast einstimmig den 1,8-Millionen-Euro-Zuschuss für den Erhalt der Geburtshilfe an der Asklepios-Klinik abgelehnt. Ausschlaggebend war nicht das Geld, sondern das mangelnde Vertrauen, dass sich so eine nachhaltige Lösung finden lässt. Aufgegeben hat der Kreistag den Standort Tölz damit aber nicht.

Bad Tölz– Fast eine Stunde tagte der Kreistag am Freitag hinter geschlossenen Türen und beriet über das Angebot von Asklepios. Abgestimmt wurde dann öffentlich. Gegen die Stimmen der beiden Grünen-Kreisrätinnen Annelies Wiedenbauer-Schmidt und Barbara Schwendner wurde Folgendes beschlossen: Der Kreistag fordert die Asklepios-Stadtklinik auf, „ihrer Verpflichtung aus dem Erbbaurechtsvertrag, das Krankenhaus nach den Vorgaben des geltenden Krankenhausplans des Freistaats zu betreiben und damit die Geburtshilfe aufrechtzuerhalten, nachzukommen“. Die finanzielle Beteiligung wurde abgelehnt. Dafür wurde der Landrat beauftragt, „Verhandlungen mit geeigneten Klinikbetreibern zu führen, mit dem Ziel, die Geburtshilfe am Standort Wolfratshausen zu unterstützen und auszubauen sowie am Standort Tölz eine Geburtshilfeabteilung zu betreiben“.

In einer Pressemitteilung bedauert Asklepios-Geschäftsführer Joachim Ramming den Beschluss. „Wir hätten die Geburtshilfe gern aufrechterhalten. Aufgrund des ab 1. April fehlenden fachärztlichen Personals können wir die Belegabteilung jedoch nicht über den 31. März betreiben.“ Auch die Perspektive, eine Hauptabteilung schaffen zu können, sei nun nicht mehr gegeben.

Eher verwundert reagiert Ramming auf die Aufforderung, die Vorgaben des Krankenhausplans einzuhalten. „Selbstverständlich stellen wir die Grund- und Regelversorgung weiterhin sicher. Das Ministerium für Gesundheit legt allerdings klar fest, dass die Geburtshilfe kein Bestandteil der Grundversorgung ist. Auch Landrat Josef Niedermaier ist diese Tatsache bekannt“, so Ramming. Ihm sei klar, dass die „Forderung auf tönernen Füßen stehe“, sagte der Landrat nach der Sitzung in einem Pressegespräch. Dennoch habe man daran festhalten wollen.

Vor dem Beschluss selbst legten die Fraktionssprecher ihre Sicht der Dinge dar. Das Vertrauen in Asklepios sei auch durch die Schließung der Lenggrieser Fachklinik „auf den Nullpunkt gesunken“, sagte Martin Bachhuber (CSU). Drastischer wurde Klaus Koch (Grüne). „In welche Lage hat uns dieser Konzern gebracht?“ Der Kreistag sei viel zu spät über die prekäre Lage der Belegstation informiert worden (Bachhuber lastete dasselbe Niedermaier an). Es sei nicht vermittelbar, „dass der Landkreis einem privaten Konzern 1,8 Millionen Euro pro Jahr in den Rachen wirft“, der keinerlei Interesse an der Geburtshilfe habe. Koch hatte als Beleg Berichte über Geburtshilfestationen in ganz Deutschland mitgebracht, die Asklepios geschlossen hat. Günther Fuhrmann (FDP) erkannte bei Asklepios nur „wenig Empathie“, Reiner Berchtold (SPD) sah „nichts, was auf Vetrauenswürdigkeit hinweisen würde“.

Wichtig sei nun, dass der Landkreis „für eine zukunftsfähige Lösung sorgt“, forderte Hans Sappl (FW). Als erster Schritt soll die Geburtshilfe an der Wolfratshauser Kreisklinik ausgebaut werden – mit einem starken Partner. Starnberg, aber auch Garmisch kämen hier in Frage. In einem zweiten Schritt soll überlegt werden, wie der Standort Tölz mit erschlossen werden könnte. Wie diese Lösung aussehen soll, „darauf kann ich heute keine Antwort geben“, so Niedermaier. Für den Kreistag beginne jetzt die eigentliche Arbeit, ergänzte Koch. „Wir wollen die bestmögliche Lösung für den Landkreis. Es ist nichts beendet, heute beginnt etwas.“

Hierzu gibt es schon ein Angebot aus der Tölzer Klinik. Ramming: „Sollte der geforderte Ausbau der Geburtshilfe an der Kreisklinik gelingen, würden wir unsere Räumlichkeiten der Geburtshilfe für eine Außenstelle zur Verfügung stellen.“

Der Tölzer Belegarzt Dr. Stephan Krone war „erleichtert“, dass die „zweijährige Hängepartie“ mit dem Beschluss nun beendet ist – „auch wenn ich für den Standort Tölz gekämpft habe“. Er werde sich nun gemeinsam mit den Hebammen und den Wolfratshauser Belegärzten bemühen, eine sichere Geburtshilfe für die Frauen im Landkreis sicherzustellen, auch wenn diese nun nicht mehr in Tölz gebären können. „Ich lade dich ein, das Team in Wolfratshausen zu verstärken“, bot Kollege Dr. Manfred Stumpfe an. Er sei froh, dass es Planungssicherheit gebe „und die Stärkung des Standorts Wolfratshausen vorangebracht werden kann“. Stumpfe nahm aber auch die Kreispolitiker in Schutz: Dass es nach der Schließung der Geburtshilfe Tölz Ende des Monats nun einen „weißen Fleck gibt, ist nicht Schuld der Politiker oder der Ärzte, sondern die des privaten Betreibers“.

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