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Der Türgriff passt nicht, und auch Werbe-Ausleger (hängt oben rechts) und Markise sind nicht zulässig: Die Mitglieder des Tölzer Bauausschusses nahmen das neue Dessous-Geschäft kritisch unter die Lupe.

Marktstraße

Dessous-Geschäft muss sich besser kleiden

Bad Tölz - Ein rosa Türgriff an einem neuen Geschäft in einem Baudenkmal an der Tölzer Marktstraße: Das geht gar nicht, hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen und der Firma Hunkemöller eine klare Absage erteilt. Der Türgriff muss wieder weg.

Auf den denkmalpflegerischen Missstand hatte – ein eher seltener Fall – die Baugenehmigungsbehörde im Landratsamt hingewiesen, die den Türgriff wegen der Farbe und des Materials (Plastik) als Werbeanlage betrachtet. Das sei nicht angemessen für das ehemalige „Eisenkramer“-Anwesen (früher Café Volkland) im Denkmalensemble Marktstraße. Nur die Stadträte Jürgen Renner (SPD), Robert Paintinger (CSU) und Peter von der Wippel (FWG) waren bei der Zusammenkunft des Bauausschusses in diesem Punkt anderer Meinung.

Das Bekleidungsunternehmen für Damenunterwäsche muss auch seinen Werbe-Ausleger wieder abnehmen, wenn es nach dem Willen des Ausschusses geht. Der Ausleger war vom selben Gremium schon einmal abgelehnt worden und wurde dennoch angebracht. Auch die Markise ist für ein Textilgeschäft nicht erlaubt.

Zum Hintergrund: Auf der Nordseite der Marktstraße sind Markisen aus Denkmalschutzgründen nur im Ausnahmefall zulässig. Das Café Volkland besaß eine Markise wegen seiner sonnenempfindlichen Backwaren. Das Bekleidungsgeschäft Hunkemöller muss die noch dazu „sehr wuchtige Markise“ (Bauamtsleiter Christian Fürstberger) also wieder abnehmen.

Die Räte waren auch – ein weiterer Antrag – über den Eingangsbereich des Geschäfts nicht gerade erfreut. Das neue Schaufensterelement ist schwarz und dreiteilig. Margot Kirste (FWG) bezeichnet den Eingang als „Baustellentür“. Fürstberger beschrieb die Tür als „klobig“ und „billig wie aus dem Baumarkt“. Einstimmig war der Ausschuss der Meinung, dass Schaufenster und Tür nicht in das sensible Denkmalensemble Marktstraße passen.

Die Teilumnutzung des Cafés in ein Geschäft mit 130 Quadratmetern Verkaufsfläche wurde ansonsten grundsätzlich befürwortet. Bauherr Karl-Otto Volkland wurde aber aufgefordert, für das neue, auf jeden Fall weiße Schaufensterelement eine Detailzeichnung zur Genehmigung einzureichen. Grundsätzlich wunderte man sich, wie wenig Rücksicht bei Umbauten innerhalb des Denkmalensembles Marktstraße genommen werde.

Eine interessante Frage stellte Josef Steigenberger (CSU) zum Thema Stellplätze. Dem früheren Café waren im Bestand zwölf Stellplätze zugerechnet. Sie sind überwiegend nicht vorhanden und wurden vermutlich irgendwann einmal finanziell abgelöst. Das neue Textilgeschäft benötigt vier Stellplätze. Kein Problem also. Was aber passiert, fragte Steigenberger, wenn in Zukunft wieder einmal ein gastronomischer Betrieb, etwa eine Eisdiele, in das Haus wollen? Die haben dann Pech, antwortete Fürstberger. Der Bestandsschutz für acht Stellplätze erlischt mit der neuen Nutzung.

chs

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