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Integration mit Hilfe von Online-Angeboten, Apps und vielem mehr: Die Wackersbergerin Waltraud Haase und der Verein „Asyl plus“, bei dem übrigens auch etliche Flüchtlinge engagiert sind, haben viele Anstöße gegeben.

Verein "Asyl plus"

„Deutsch-Lernen ist nur der Anfang“

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Bad Tölz - „Das Tölzer Modell – Sprachunterricht und mehr. . .“: So beschreibt der Verein „Asyl plus“ sein Tätigkeitsfeld. Wie viel dieses „mehr“ umfasst, das wurde am Freitag bei einer Infoveranstaltung deutlich. Immer wieder ist der Verein dabei deutschlandweit Vorreiter.

Alles begann vor ein paar Jahren damit, dass die Wackersbergerin Waltraud Haase gefragt wurde, ob sie einen Deutsch-Kurs für Asylbewerber geben wolle – „vorübergehend“, wie es damals hieß. Doch die Rentnerin machte viel mehr daraus. Sie hatte die Idee, Flüchtlingen computergestützte Sprachkurse anzubieten. Daraus entwickelte sich eine Plattform, auf der jeder Interessierte im Internet kostenlose Deutschlernangebote nutzen kann. Dafür stellt Haases Verein gespendete Computer zur Verfügung.

Dieses „Tölzer Modell“ hat sich mittlerweile im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet. „Unsere letzte Computerlieferung ging nach Hamburg“, berichtete Haase am Freitag im Tölzer Begegnungszentrum „Weltraum“. Auch im Landkreis hat der Verein schon etliche Computerzentren für Flüchtlinge eingerichtet, von Icking bis Wackersberg.

„Aber wir wollen immer noch besser werden – und dank unserer zahlreichen Kooperationen können wir das“, betonte Haase, und Thomas von Rüden, Vorsitzender des Vereins, stellte klar: „Sprachunterricht ist nur der Anfang der Integration.“ Das spiegelt sich auch auf der kürzlich freigeschalteten neuen Internetseite www.asylplus.de wider. Vorgestellt wurde sie im „Weltraum“ von Fiona Brutscher, einer freien Texterin und Journalistin aus München, die ehrenamtlich an der Website mitgearbeitet hat. „Ein Prinzip der Seite ist, dass sie intuitiv verständlich ist, auch ohne Sprachkenntnisse und selbst für die, die nicht alphabetisiert sind.“ Über einfache Symbole gelangen die Nutzer zu Deutschlern-Modulen zum Selbststudium auf verschiedenen Niveaus. Unter dem Menüpunkt „Akademie“ bietet die Seite darüber hinaus praktische Infos – vom Grundgesetz auf Arabisch bis hin zu Videos über Alltagssituationen wie einen Arztbesuch in Deutschland.

Von hier gelangt man über einen Link auch zur App „Integreat“. Sie bietet Geflüchteten auf dem Smartphone nützliche Infos, um sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden: Stadtplan, Notrufnummer, Arztadressen, Ansprechpartner bei Behörden und vieles mehr. Das Projekt hat viele Mütter und Väter. Waltraud Haase war eine wichtige Impulsgeberin. Um die 40 Ehrenamtliche aus Regensburg, Augsburg und von der TU München programmierten mit, wie der Regensburger Sven Seeberg berichtete. Aktuell ist die App für sieben Städte verfügbar – darunter Bad Tölz, wo „Asyl plus“ die Inhalte einpflegte. „Etwa ein Dutzend weiterer Städte s ist startbereit, und wir sind im Gespräch mit vielen weiteren“, sagte Seeberg.

Ein weiterer großer Schritt für „Asyl plus“: Der Verein ist eine der ersten Organisationen, die davon profitieren, dass Google 25 000 Chromebooks, also kleine Laptops, für die Arbeit mit Flüchtlingen spendet. 500 davon gehen an den Tölzer Verein, der damit laut von Rüden unter anderem Münchner Bibliotheken ausstattet, aber auch ein „Chromebook-Zentrum“ im Tölzer Umkreis einrichtet.

Und mit noch vielen weiteren Projekten ist „Asyl plus“ vernetzt. Bei „eStart“ geht es etwa um Online-Patenschaften: Mitarbeiter großer Unternehmen stehen Flüchtlingen via Internet-Bildtelefonie als Konversationspartner zum Deutsch-Lernen zur Verfügung – erstmals erprobt in Bad Tölz. Und die „Kiron University“ macht Geflüchteten online Vorlesungen zugänglich – ein möglicher Startpunkt für eine akademische Ausbildung.

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