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„Unsere Erfahrung ist: In der Schule lernen die Kinder schnell Deutsch“, sagt Petra Burkhardt, Schulamts-Direktorin in Bad Tölz.

Interview

Deutsch-Vorstoß von Linnemann: Schulamtsdirektorin lehnt spätere Einschulung ab

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Kinder, die zu schlecht Deutsch sprechen, sollen nicht eingeschult werden: Die Petra Burkhardt, Schulamtsdirektorin in bad Tölz, erklärt, warum sie nichts von diesem Vorschlag hält.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Kinder mit geringen Deutschkenntnissen sollten von der Einschulung zurückgestellt werden: Diese Forderung von CDU-Politiker Carsten Linnemann sorgt derzeit für Diskussionen. Die Tölzer Schulamts-Leiterin Petra Burkhardt hält nichts davon – und zeigt auf, was im Landkreis alles unternommen wird, um die Deutschkenntnisse zu fördern.

Frau Burkhardt, die Forderung, dass Kinder mit geringen Deutschkenntnissen erst später eingeschult werden sollen, sorgt derzeit für Diskussionen. Was halten Sie von diesem Vorstoß?

Unser Ziel ist es, dass alle Kinder, die vom Alter her schulpflichtig sind, auch eingeschult werden. In der Schule genießen sie ein Sprachbad, das ist ein großer Vorteil. Wir wollen die Situation vermeiden, dass diese Kinder dann zu Hause bleiben und nicht die Möglichkeit bekommen, Deutsch zu sprechen.

Vorstoß von Carsten Linnemann kommt im Tölzer Schulamt nicht gut an

Wie werden Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, gefördert?

In den Kindergärten wird ab dem zweiten Jahr vor der Einschulung der sogenannte „Vorkurs Deutsch“ angeboten. Dieser wird zum Teil durch Erzieherinnen abgehalten, aber auch durch Grundschullehrer unterstützt, die drei Stunden pro Woche in die Kitas gehen. Dafür gibt es eigens zugewiesene Kontingente. Übrigens richtet sich der Vorkurs nicht nur an Nicht-Muttersprachler. Damit können alle Kinder gefördert werden, die sprachliche Defizite haben. Mit einem Test wird festgestellt, welches Kind Anspruch auf den Vorkurs hat. Wir schaffen es, fast in jedem Kindergarten den Kurs anzubieten. Aber wir sind ein großer Flächenlandkreis. Wenn an einem Kindergarten beispielsweise nur zwei Kinder Anspruch haben, wird versucht, dass sie an einem anderen Ort teilnehmen können.

Petra Burkhardt: „In der Schule lernen die Kinder schnell Deutsch“

Wie sieht der Vorkurs Deutsch genau aus?

Er wird je nach Organisationsstruktur entweder im Kindergarten oder an der Schule abgehalten und ist dem Alter der Kinder entsprechend aufgebaut. Die Kinder lernen spielerisch mit Liedern, Reimen oder etwa Domino Farben, schulische Gegenstände und Kleidungsstücke kennen. Zusätzlich wird die Motorik trainiert. Das Wichtigste ist aber einfach: viel Deutsch sprechen.

Petra Burkhardt, Schulamts-Leiterin.

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Müssen dennoch manche Kinder bei der Einschulung zurückgestellt werden?

Unsere Erfahrung mit den Vorkursen ist sehr positiv. Alle Kinder, die diese besuchen, konnten sich soweit verbessern, dass sie regulär eingeschult werden konnten. Es gibt übrigens auch jetzt schon bei uns die gesetzliche Möglichkeit, ein Kind zurückzustellen. Aber mir ist kein Fall bekannt, wo es gemacht wurde, wenngleich es keine Meldepflicht dafür gibt. Sollte ein Kind wirklich so große Schwierigkeiten haben, gibt es eine gemeinsame Beratung mit den Eltern. Wenn sich alle einig sind, dass es sinnvoll ist, ein Kind zurückzustellen, wäre es möglich. Aber oft ist es ja auch schwierig, dann einen Kita-Platz für ein weiteres Jahr zu bekommen. Unsere Erfahrung ist: In der Schule lernen die Kinder schnell Deutsch.

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Wie geht die Deutsch-Förderung an den Grundschulen weiter?

Durch Lehrkräfte werden die Kinder ein bis zwei Stunden die Woche in Förderkursen betreut. Diese konzentrieren sich auf die erste und zweite Klasse. An Standorten, an denen der Anteil an nicht-deutschsprachigen Kindern größer ist, gehen die Kurse auch bis zur vierten Klasse. Ziel ist, dass die Förderung mit dem Vorrücken in der Schule abgebaut wird. Der größte Bedarf besteht in den Städten im Landkreis. Dort gibt es mit Drittkräften eine weitere Möglichkeit, individuell mit den Kindern zu arbeiten.

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Was sind die Drittkräfte?

Das sind Personen, die eine entsprechende Qualifikation haben. Es können Lehrer oder Erzieher sein. Sie bieten eine weitere Stunde Deutschunterricht an. Finanziert wird das Ganze von der Regierung. Im Landkreis gibt es etwa fünf Schulen, an denen solche Drittkräfte tätig sind.

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