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Die Arbeitsgruppe Wohnen um die Stadträte (v. re.) Jürgen Renner (SPD), Michael Lindmair (FWG), Franz Mayer (Grüne) und Ingo Mehner (CSU) stellte ihre Arbeit vor.

Dialogforum der Stadt Bad Tölz

Schaffung von Wohnraum: „Unser Ziel ist es nicht, Münchner anzulocken“

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Das Thema Wohnen beschäftigt eigentlich jeden. Doch zu einem Dialogforum der Stadt Bad Tölz wollte kaum jemand kommen.

Bad Tölz– Eigentlich ist es das vordringliche Thema: Wie kommt man an (bezahlbaren) Wohnraum in einer hochpreisigen Gegend wie der unseren? Was kann eine Kommune tun, um den Mangel auszugleichen? Und eben weil das Thema so heiß diskutiert wird, hatte die Stadt am Donnerstagabend zu einem Dialogforum ins Rathaus eingeladen. Unter dem Titel „Wohnraum für Einheimische“ sollte diskutiert werden – allein der Zuspruch war mau. Neben Verwaltungsmitarbeitern und Stadträten waren nicht einmal zwei Dutzend Interessierte gekommen.

„Preiswerten Wohnraum zu schaffen, ist eine der größten Herausforderungen“, sagte Vize-Bürgermeister Andreas Wiedemann zur Begrüßung. Lange sei das Thema vernachlässigt worden. Nun würden Angebot und Nachfrage weit auseinanderklaffen.

140-Quadratmeter-Wohnungen mit drei Zimmern: Nicht familientauglich

Um sich eingehend mit der Problematik beschäftigen zu können, rief der Stadtrat im Juli 2017 die Arbeitsgruppe Wohnen ins Leben. „Wir werden nicht jedem die Wohnung oder das Haus zur Verfügung stellen können, das er sich wünscht“, sagte AG-Mitglied und CSU-Stadtrat Ingo Mehner. Auch die Einflussmöglichkeiten der Kommune seien begrenzt, ergänzte Franz Mayer (Grüne). Bei Nachverdichtungen im Stadtgebiet könne die Kommune kaum mitreden, was dort entstehe. Dass die Entwicklung gerade bei der Nachverdichtung oft am dringenden Bedarf vorbeigehe, prangerte später auch einer der Zuhörer an. „Es ist ja viel Geschosswohnungsbau entstanden“, sagte er mit Blick auf private Projekte im Badeteil. Aber 140 Quadratmeter verteilt auf drei Zimmer seien einfach nicht familientauglich. Die „fließbandartige Produktion“ solcher Wohnungen „hat uns die Zornesröte ins Gesicht getrieben“, bekannte Mehner. Aber es geben einfach keine rechtliche Möglichkeit, dem Bauherrn vorzuschreiben, dass auf 140 Quadratmetern mehr als drei Zimmer entstehen müssen. Vielleicht gelinge es aber, Instrumente zu finden, „mit denen wir reingrätschen können, wenn eine Entwicklung in die falsche Richtung läuft“, so Mehner.

„Unser Ziel ist es nicht, Münchner anzulocken“

Möglichkeiten, um für Entspannung auf dem Markt zu sorgen, hat die Kommune schon jetzt. „Wir sind in den Mietwohnungsmarkt aktiv eingestiegen“, sagte Mayer mit Blick auf das Bauprojekt der Stadt an der Osterleite. Weitere Projekte an der Eisenberger- und der Königsdorfer Straße seien in Zukunft denkbar. Flächenpotenzial sieht Mayer aber auch am Oberen Griesfeld, am Maxlweiher und im Badeteil. Bei der Entwicklung „brauchen wir mehr Fantasie“, forderte er. Vielleicht müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, dass jeder in einem Einfamilienhaus wohnen könne. „Eine eigene Wohnung ist besser als kein eigenes Haus“, sagte der Grünen-Stadtrat. Auch über alternative Formen wie Mehrgenerationenwohnen, die Vergabe von Grundstücken in Erbpacht und anderes müsse man sich Gedanken machen. „Wenn wir das umsetzen, bin ich zuversichtlich, dass wir ausreichend Wohnraum für alle Schichten zur Verfügung stellen können.“

Wichtig war der AG auch, erst einmal eine Zielgruppe zu definieren, auf die man sich fokussiert, erklärte FWG-Stadtrat Michael Lindmair. „Unser Ziel ist es nicht, Münchner anzulocken“, verdeutlichte City-Manager Falko Wiesenhütter. Vielmehr konzentrieren sich die Bemühungen auf Einheimische und vor allem einheimische Familien. Und hier ist die AG derzeit dabei, Kriterien festzulegen, die bei der Vergabe von Grund dafür sorgen sollen, dass diese Zielgruppe zum Zug kommt.

Wiesenhütter verdeutlichte das an einem konkreten Beispiel – dem Baugebiet Hintersberg II. 2,4 Hektar der Zwickerwiese werden dort in Bauland umgewandelt. Die Satzung zur zukunftsorientierten Bodennutzung (Zobon) ermöglichte es der Stadt, ein Drittel der Fläche günstig zu kaufen. Geschosswohnungsbau oder Sozialwohnungen seien in der Premiumlage am Ortsrand allerdings nicht geplant, sagte Wiesenhütter. „Aber die Stadt könnte die Erträge aus der Entwicklung an andere Stelle für sozialen Wohnungsbau einsetzen“, erklärte er.

Bedarfserhebung geplant

Derzeit stellt die AG die Kriterien zusammen, nach denen die Bewerber bewertet werden. Familien sollen gegenüber Alleinstehenden bevorzugt werden. Die Anzahl und das Alter der Kinder wird eine Rolle spielen genauso wie ein Arbeitsplatz in Tölz und ehrenamtliche Tätigkeit. Der Begriff einheimisch wird dagegen weiter gefasst. „Denn was ist mit jemandem, der lange in Tölz gelebt hat und wegziegen musste und mit einem Greilinger oder Wackersberger, der aber in Tölz im Vereinsleben integriert ist und hier arbeitet?“, sagte Wiesenhütter.

Um generell einen Überblick zu bekommen, welchen Bedarf die Tölzer in Sachen Wohnraum haben, ist zudem in naher Zukunft eine umfassende Befragung der Bürger geplant.

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