Mann steht vor alter Kellermauer
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Links der rätselhafte Hohlraum mit dem Holzbrett davor: „Dahinter war aber nichts“, sagt Bäckereibesitzer Leo Büttner. Zeitungsreste deuten auf ein 1944 angelegtes Versteck hin.

Versteckter Hohlraum hinter dem Kellerputz

Die Geheimnisse eines alten Tölzer Hauses

Alte Häuser haben Geschichte. Und wenn diese schon 300 Jahre alt ist, dann kann man als Besitzer beim Umräumen schon mal auf ein Geheimnis stoßen. In der Tölzer Bäckerei Büttner zum Beispiel auf einen versteckten Hohlraum hinter dem Putz eines Kellerraums.

Bad Tölz – Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Fund bleibt ein ungeklärtes Rätsel, aber ein durchaus spannendes. Maxi, der 21-jährige Sohn der Bäckereibesitzer Sandra und Leo Büttner, hatte die Tage zwischen den Jahren nützen wollen, um einen wenig genützten Kellerraum wieder herzurichten und zu einem Lagerraum umzufunktionieren. Hintergrund: Die Bäckerei befindet sich in der oberen Tölzer Marktstraße. Das schlanke, aber über 35 Meter tiefe Gebäude ist hunderte Jahre alt und entsprechend verwinkelt und verbaut. Es befand sich dort immer eine Bäckerei, früher „Edelbäck“ genannt. Seit 1956 gehört es der heutigen Familie Büttner (davor Hegmann).

„Du hoffst natürlich schon, dass du was findest“

Um den ziemlich feuchten Kellerraum trocken zu bekommen, hatte Maxi Büttner den alten Putz in dem Tonnengewölbe abgehauen. Die Überraschung war groß, als urplötzlich hinter dem Putz ein ungefähr 30 mal 40 Zentimeter großes Holzbrett auftauchte, das mit massiven Eisenklammern in das mit Bachbummerl aus der Isar verstärkte Mauerwerk befestigt war. Zunächst, erzählt Vater Leo, herrschte natürlich großes Rätselraten. Und Riesenspannung, was das denn sein könne. „Da hoffst du natürlich schon, dass du was findest“, gibt Leo Büttner unumwunden zu. Als die Klammern herausgezogen waren und das Brett weggenommen worden war, war dahinter nichts als ein Hohlraum. Immerhin waren Zeitungsschnipsel zu finden, die ein Datieren des Verstecks erlauben. Es handelte sich um Reste des Völkischen Beobachter vom 31. Januar 1944. Offensichtlich hatte ein früherer Hausbesitzer angesichts des nahenden Kriegsende etwas Wertvolles vor Nazis oder künftigen Besatzern verstecken wollen und es kurzerhand eingemauert. Das Verblüffende: Er holte das Versteckte offenbar später heraus, schloss den Hohlraum mit dem Holzdeckel dann sorgfältig ab und verputzte alles wieder, als wenn nichts gewesen wäre. Die Sache bleibt ein Rätsel.

Vielleicht stützte die Quermauer das Obergeschoß

Für Claus Janßen, selber historisch bewanderter Hausbesitzer in der Marktstraße, war die Besichtigung des Kellers noch aus einem ganz anderen Grund interessant: Das Tonnengewölbe ist nämlich von einer sogenannten Stichkappe durchbrochen. Der Bogen ist aber nicht zu Ende geführt, sondern endet (am Foto gut erkennbar) abrupt an einer Quermauer. Als wenn dahinter nochmals ein Raum wäre. Ist es aber nicht, sagt Büttner, der ein Stück weit hineingebohrt hat. „Alles aufgefüllt.“ Vielleicht, sagt Janßen, sollte die Quermauer im Keller das obere Stockwerk abstützen.

Die Mauerhaken und die Zeitungsreste aus dem Jahr 1944.

Ein Durchgang zum benachbarten Bürgerbräu (Stadtmuseum) hält Janßen an der Stelle eher für unwahrscheinlich. Tatsächlich gibt es aber einen, sagt Büttner und zeigt an einem anderen Stelle des zum Schulgraben abfallenden Kellers eine hinter vielen Regalen verborgene kaum sichtbare alte Tür. „Die führt zum Ratskeller hinüber.“ Christoph Schnitzer

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