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Die Kur kehrt zurück: Neue Blüte auch in Bad Tölz?

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Entspannungsübungen gehören heutzutage zu den wichtigen Maßnahmen bei der Gesundheitsvorsorge.
Entspannungsübungen gehören heutzutage zu den wichtigen Maßnahmen bei der Gesundheitsvorsorge. © Tourist-Info Bad Tölz

Das Aus für die Kur vor 25 Jahren bedeutete auch für Bad Tölz einen tiefen Einschnitt. Nun scheint sich das Rad der Geschichte zurückzudrehen - zumindest ein kleines Stück.

Bad Tölz – Damit hat wirklich niemand mehr gerechnet. Ziemlich genau 25 Jahre, nachdem der damalige CSU-Minister Horst Seehofer die Gesundheitsreform verwirklichte (1. Januar 1997) und damit die klassische Badekur und viele Kurorte zum Tode verurteilte, wird sie wieder eingeführt und das Rad der Geschichte zurückgedreht. Der Bundestag hat beschlossen, dass die ambulanten Vorsorgeleistungen wieder von den Krankenkassen bezahlt werden. Beispiele sind vom Arzt verordnete Bäder, Massagen, Rückenschule, Ernährungsberatung und Entspannungskuren. Auch für Unterkunft und Verpflegung kann es Zuschüsse geben.

Chefin der Touris-Info Bad Tölz begrüßt Bundestags-Entscheidung zur Kur

Was das für die Kurorte bedeutet, machen ein paar Zahlen deutlich. Mitte der 1990er-Jahre profitierten jährlich 900.000 Bundesbürger von der Badekur. 2020 waren es – natürlich auch coronabedingt – nur noch 11.500, die Hälfte davon in Bayern. Die Kur- und Tourismus-Chefs im Freistaat sind über die doch überraschende Entscheidung des Bundestags hocherfreut, wie den Fachbeiträgen im Internet zu entnehmen ist. Gedrängt wird nun auf eine rasche Umsetzung der Beschlüsse.

Gefragt, gesund und wieder zeitgemäß: Kneippen in den neuen Becken am Tölzer Kurpark.
Gefragt, gesund und wieder zeitgemäß: Kneippen in den neuen Becken am Tölzer Kurpark. © Tourist-Info Bad Tölz

Auch die Tölzer Tourist-Info-Chefin Brita Hohenreiter begrüßt die Reform der Reform und dankt dem bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek ausdrücklich für seinen langjährigen Kampf um das Thema Gesundheitsprävention. Holetschek war von 2006 bis 2020 Vorsitzender des Bayerischen Heilbäderverbandes. In die Freude mischt sich bei Brita Hohenreiter aber auch vorsichtige Zurückhaltung. Der Kurgedanke sei bei den Menschen in 24 Jahren „eingeschlafen“. Die Einsicht, dass Vorsorgekuren die immer längeren Lebensarbeitszeiten überhaupt erst ermöglichen könnten, sei leider verloren gegangen. Auch wenn die Politik nun einen „groben Fehler“ berichtigt habe: Solche Ausmaße, wie die Badekur früher einmal hatte, „wird sie nie mehr haben“.

Den angestaubten Begriff Kur in die Moderne überführen

Auch sei der Begriff Kur etwas angestaubt. Gleichwohl könne man auf ihn nicht verzichten, da im Internet nun mal nach dem Begriff „ambulante Badekur“ gesucht werde. Für Hohenreiter ist wichtig, das Produkt zukunftsfähig zu machen und „in die Moderne zu führen“. Auf ihrer Internetseite hat das die Tourist-Info schon mittels Bildsprache versucht. Fotos von den doch eher passiven Kurgästen von einst in Tölz werden aktuelle Bilder von jungen, sportlichen und gesundheitsbewusstem Klientel gegenübergestellt. Sie sollen Lust darauf machen, in Tölz Kraft und Fitness für den beruflichen Alltag zu tanken. Wenn die ambulante Vorsorgekur „langsam, aber gesund wächst“, könne sie, so Hohenreiter, auch wieder zu einem Geschäftsmodell für private Betreiber in Tölz werden.

Apropos Private: Andreas Munkert, Chef der Tölzer Rehaklinik Frisia mit 126 Betten, findet die Bundestagsentscheidung gut, auch wenn sie „viel zu spät kommt“. Viele kleinere Häuser, die die Badekur angeboten hätten, gebe es gar nicht mehr. Am Geschäftsmodell des Frisia werde sich nicht viel ändern. Man habe schon immer auf die stationäre Kur gesetzt.

Aus Sicht von Kurklinik-Betreiber aus Bad Tölz kommt Reform viel zu spät

Gespannt ist Munkert gleichwohl, ob sich die Nachfrage ändert. Ambulante Gesundheitsvorsorge biete man ja im Rahmen der BKK-Betriebswochen Firmen wie Osram an. Vielleicht sei das ein Türöffner für andere Betriebe. Denn, so sagt Munkert, „wir rechnen den Firmen schon jetzt immer vor: Wenn sie eine Drei-Wochen-Kur bewilligen, dann ist das für sie bereits ein positives Investment.“ Entsprechend länger stünden dann Mitarbeiter gesund in Lohn und Brot.

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Von Christoph Schnitzer

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