Matthias Pöhlmann Beauftragter für Weltanschauungsfragen
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Matthias Pöhlmann Beauftragter für Weltanschauungsfragen

Corona-Krise

Die Sehnsucht nach einfachen Antworten: So entstehen Verschwörungstheorien

  • vonInes Gokus
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Zum Online-Vortrag „Im Nebel der Pandemie: Verschwörungsglaube in der Corona-Krise“ hatte das Kreisbildungswerk eingeladen. Referent war Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern.

Bad Tölz - 25 Zuhörer nahmen virtuell an dem Vortrag teil. Matthias Pöhlmann, der sich in etlichen seiner Werke mit dem derzeit hochbrisanten Thema beschäftigt, verschaffte einen interessanten Überblick, wie sich seit Beginn der Corona-Pandemie zunehmend Falschmeldungen zur Situation, krude Verschwörungstheorien aller Art, esoterische Heilsangebote und pseudo-wissenschaftliche Kommentare verbreiten – vorzugsweise über die sozialen Medien, aber auch ganz konkret bei diversen Demonstrationen, wie zum Beispiel der der „Querdenker“-Bewegung.

Was genau zeichnet eine Verschwörungstheorie und deren Anhänger eigentlich aus?

Eine Pandemie schafft das Feld, um Verschwörungsglauben besonders populär zu machen – doch was genau zeichnet eine Verschwörungstheorie und deren Anhänger eigentlich aus? „Es ist die Auffassung, dass Geschehnisse das Ergebnis einer heimlichen Manipulation sind, es muss ein tieferer Sinn hinter allem stecken. Zufälle, so die Meinung der Anhänger, gibt es nicht“ , sagte Pöhlmann. Es sei die Sehnsucht nach einfachen Antworten auf Fragen, die nicht zu beantworten sind. Jemand müsse schließlich verantwortlich sein, zum Beispiel für die Misere der Corona-Krise. Diese „Sündenbocktheorie“ ermögliche es, mit bedrohlichen Ereignissen fertig zu werden. Hochkomplexe Inhalte würden dabei auf ein verblüffend einfaches Weltbild reduziert. „Plötzlich gibt es 83 Millionen Virologen“, formuliert Pöhlmann es salopp, und mit der eigenen Wahrnehmung von elitärem Wissen grenzen sich die Verschwörungstheoretiker von den obrigkeitshörigen „Schlafschafen“ ab.

„Alles außer Mainstream“ – dieses Credo vereint eine „bunte Misstrauensgemeinschaft“

Ob es nun die Überzeugung ist, dass der amerikanische Milliardär Bill Gates sich durch Zwangsimpfungen wirtschaftlich am Virus bereichern wolle, oder, dass Drahtzieher im Verborgenen einen geheimen Plan verfolgen – das Gefährliche daran sei, dass eine Theorie die andere ergänze. „Alles außer Mainstream“ – dieses Credo vereine dabei nicht nur eine „bunte Misstrauensgemeinschaft“ aus kritischen Bürgern, Querdenkern und Esoterikern, sondern zöge auch Rechtsextreme, Reichsbürger und Anhänger der QAnon-Bewegung an. Pöhlmann benannte auch bekannte Initiatoren und Persönlichkeiten der Szene, gab Zahlen zum Verschwörungsglauben an und zeigte Kanäle, auf denen die Theorien verbreitet werden.

Tipps zum Umgang mit Verschwörungsgläubigen

Wie geht man nun mit Verschwörungsgläubigen um, etwa im eigenen Verwandtschafts- oder Freundeskreis? „Auf Augenhöhe begegnen, nachfragen, Quellen einfordern und Fakten von Meinungen trennen“, sagt Pöhlmann. In einer Handlungsempfehlung der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern steht dazu außerdem: „Diskussionen über staatlich verordnete Maßnahmen sind wichtig, doch sollte auf die jeweilige weltanschauliche Ansicht der Akteure geachtet werden, sodass man nicht leichtfertig oder unfreiwillig verschwörungsideologisches, antidemokratisches, links- oder rechtsextremistisches Gedankengut unterstützt. Abstandsregeln, ob physisch oder geistig, sind dringend zu empfehlen.“

Nach dem gut einstündigen Vortrag nutzten die Zuhörer die Gelegenheit zur Diskussion. Zur Sprache kam etwa, ob Verschwörungstheorien nach der Pandemie wieder weniger würden. Diese Frage lässt sich freilich derzeit nicht sicher beantworten, der Experte vermutet aber: eher nicht.

Einen aktuellen Überblick über die Corona-Entwicklung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

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