„Ursprünglich waren Wohnen und Mobilität unsere großen Themen“, sagt Bürgermeister Ingo Mehner. „Durch Corona sind daneben Wirtschaft, Gesundheit und das soziale Miteinander in den Vordergrund gerückt.“
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„Ursprünglich waren Wohnen und Mobilität unsere großen Themen“, sagt Bürgermeister Ingo Mehner. „Durch Corona sind daneben Wirtschaft, Gesundheit und das soziale Miteinander in den Vordergrund gerückt.“

Jahresvorschau für die Stadt Bad Tölz

Vorsatz für 2021: Nach Corona die Menschen wieder zusammenbringen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Erste Arbeiten für die Nordspange und die Eröffnung eines Kindergartens gehören 2021 zu den vorhersehbaren wichtigen Ereignissen in Bad Tölz. Daneben steht für Bürgermeister Ingo Mehner das soziale Miteinander im Fokus.

Bad Tölz – Wenn Bürgermeister einen Ausblick aufs gerade beginnende Jahr gaben, dann bestand der in den vergangenen Jahren meist aus Aufzählungen: Wo wird überall gebaut, gebaggert, saniert und umgestaltet? In Corona-Zeiten jedoch fährt auch die Kommunalpolitik auf Sicht. „Ich kann keine abschließende Auflistung von Projekten fürs neue Jahr machen“, erklärt der Tölzer Rathauschef Ingo Mehner im Gespräch mit dem Tölzer Kurier.

Die Pandemie stelle nicht nur die Finanzierbarkeit von Projekten in Frage – „Wir werden deutlich priorisieren müssen“ –, sondern verschiebe auch die Maßstäbe. „Ursprünglich waren Wohnen und Mobilität unsere großen Themen“, sagt Mehner. „Durch Corona sind daneben Wirtschaft, Gesundheit und das soziale Miteinander in den Vordergrund gerückt.“

Jahnschulareal

Konkret lasse sich aktuell eigentlich nur sagen, dass bereits begonnene Projekte fortgeführt werden, so Mehner. Das größte davon ist der Bau eines neuen Kindergartens auf dem Jahnschulareal. Der solle – läuft alles nach Zeitplan, was in Corona-Zeiten etwas unberechenbarer geworden ist – im Herbst fertig sein und im Spätherbst in Betrieb gehen, kündigt Mehner an. Das Areal, auf dem auch eine Erweiterung der Schule mit neuer Turnhalle, Aula und ein Probenraum für die Stadtkapelle ansteht, „ist aktuell unsere größte Investition in die Zukunft“, sagt Mehner.

Energieversorgung

In diesem Zusammenhang ist der Bürgermeister nach eigenen Worten „begeistert“, dass es mit dem Anschluss des Jahnschul-Geländes an das Nahwärmenetz des Landkreises klappt. Wie berichtet sollen Schule, Kindergarten und Turnhalle durch das bestehende Biomasse-Kraftwerk des Landkreises am Schulzentrum mitversorgt werden. Darüber hinaus schwebt Mehner als „Zukunftsvision“ vor, dass irgendwann auch ein Zusammenschluss mit dem Netz des Biomasse-Kraftwerks am Lettenholz erfolgt. Zudem sei es ein Ziel für 2021, die Standortsuche für ein weiteres Blockheizkraftwerk voranzutreiben, über das eine Nahwärmeversorgung des Badeteils erfolgen kann. In Sachen Energieversorgung will Mehner im wahrsten Sinne vernetzt denken. „Mit ist wichtig, dass wir nicht nur Insellösungen haben, sondern schauen, wie wir im Ganzen wirtschaftlich und ökologisch am meisten bewirken.“

Soziales Miteinander

Nach Pandemie und Lockdown das menschliche, soziale und kulturelle Miteinander wieder aufzubauen, das wird aus Mehners Sicht eine große Aufgabe überall im Land sein. Dass die Corona-Krise dabei auch Kreativität wecken kann, dafür sieht er den virtuellen Adventskalender, den es im Dezember an der Isarbrücke und im Internet gab, als mutmachendes Beispiel. Insgesamt will er sein Konzept einer „bespielbaren Stadt“ vorantreiben. „Dabei geht es mir nicht darum, wo ich was hinbaue oder welche Fläche wir asphaltieren“, sagt Mehner. Im Kern gehe es darum, „die Kräfte einer Stadt zu wecken“.

Dazu gehören ihm zufolge die Belebung der Parks – „da darf man auch Frisbee werfen“ – genauso wie die bereits eröffnete Graffitiwand unter der Isarbrücke.

Einen „Masterplan“ dazu werde die Jugendförderung voraussichtlich im ersten Quartal 2021 präsentieren. „Da wird es um niedrigschwellige Angebote wie auch um bauliche Maßnahmen gehen“, sagt Mehner. „Wir werden über Kinderspielplätze sprechen oder auch über den Ruf nach einem ,Pump Track‘“ – das ist eine speziell geschaffene Mountainbikestrecke.

Wohnen

In das sich im Bau befindliche Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße können voraussichtlich im Herbst 2021 die ersten Mieter einziehen. Zur Verfügung stehen dort sechs Vier- und drei Drei-Zimmer-Wohnungen. „Entsprechend richten sie sich in erster Linie an Familien“, sagt Mehner. Die Mieten werden günstig sein. Ein Katalog, nach welchen Kriterien die Wohnungen vergeben werden, muss noch entwickelt werden.

Einheimische Familien sollen auch im neuen Baugebiet Hintersberg Wohnraum finden – mit dem Unterschied, dass sie hier von der Stadt selbst Grund erwerben und bauen. „Das Ziel ist, dass wir das Baugebiet 2021 erschließen, die Parzellen vergeben und veräußern können“, sagt Mehner. Hier sei allerdings die Frage, ob Klagen gegen den Bebauungsplan für Verzögerungen sorgen.

Die nächsten Projekte zur Schaffung von Wohnraum werde die „AG Wohnen“ heuer weiterplanen, etwa an der Arzbacher Straße.

Verkehr

„Von enormer Bedeutung, aber nicht in unserer Hand“: Mit diesen Worten beschreibt Mehner die Tatsache, dass 2021 die ersten Vorarbeiten für die Tölzer Nordspange anstehen – unter Federführung des Staatlichen Bauamts Weilheim. Für die eigentliche Bauzeit ab 2022 bereitet der Rathauschef die Bürger auf eine beträchtliche Belastung vor. „Aber wenn die Nordspange fertig ist, ist der Mehrwert enorm, und sie eröffnet uns Möglichkeiten zur Entwicklung des dortigen Quartiers.“

Radverkehr

„Sobald es das Infektionsgeschehen zulässt“, möchte der Bürgermeister die Tölzer zu einer öffentlichen Beradelung des Stadtgebiets einladen, um mit ihnen konkrete Verbesserungen zu erörtern. Als „niedrigschwellige Maßnahmen“ möchte er dann etwa die Freigabe von Strecken, Markierungen, Abtrennungen oder Beschilderungen umsetzen. „Dabei ist mir wichtig, dass man nicht nur über die einzelnen Stellen nachdenkt, sondern ganze Radachsen in den Blick nimmt“, sagt Mehner. So solle auch – in Abstimmung mit dem Landkreis – das „Alltagsradwegekonzept“ vorangetrieben werden.

Kommunikation

Homeoffice und Videokonferenzen – alles schön und gut: Aber Ingo Mehner will, „wenn das normale Leben wieder losgeht“, nicht nur „das Gute an der digitalen Kommunikation erhalten“, sondern auch wieder Menschen zusammenbringen und persönliche Begegnungen pflegen, etwa in Stadtteilgesprächen.

Daneben soll 2021 auch eine umgestaltete Internetseite der Stadt online gehen, die in Sachen digitaler Bürgerservice“ auch „praktische Vorteile“ bringen soll. Rathaus-Pressesprecherin Birte Otterbach betreut das Projekt federführend und sagt: „Vom digitalen Angebot her sind wir gar nicht so schlecht – es ist für den Bürger nur nicht alles so leicht zu finden. Von Design und der Nutzerfreundlichkeit her ist das noch verbesserungswürdig.“

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