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Der sogenannte „Tamponmord“ aus den 1970er-Jahren bildete die Grundlage für den Tölz-Krimi „Tödliche Verbindungen“ mit den Hauptdarstellern Adnan Erten (li.) und Lucky Zappatta. 

10 Jahre „Tödliche Verbindungen“

Dieser Krimi ist in die Tölzer Filmgeschichte eingegangen

Ein Tölz-Krimi mit viel Lokalkolorit, 1970er-Jahre-Flair und charmanten Darstellern: Diese Kombination verhalf dem Film „Tödliche Verbindungen“ zu Erfolgen in Kino und Fernsehen. Zehn Jahre ist das jetzt her – ein Jubiläum, das gefeiert wird.

Bad Tölz – Es ist ein Kriminalfall, der – gäbe es ihn nicht – zu absurd wäre, um ihn zu erfinden: Im Bad Tölz der 1970er-Jahre lebt eine 37-jährige Verkäuferin ein Doppelleben. Tagsüber ist Marie L. „fröhlich und unbeschwert“ und, so die Kollegin vom Lebensmittelgeschäft am Jungmayrplatz, „die beste Arbeitskollegin, die ich seit 16 Jahren hatte“. Nach Feierabend berauscht sie sich mit einem Liebhaber und kleinen Dosen Kupferzyanid, die sie ihrem Körper über einen Tampon zuführt – um sich dem Liebesspiel noch enthemmter hingeben zu können.

In der Nacht auf den 17. März 1978 übertreibt das Paar das giftige Liebesspiel. Marie L. stirbt. Ihr Liebhaber, ein Dachauer Hilfsarbeiter, hat kein Alibi und schweigt zu den Umständen des Todes. Im „Tampon-Mordfall“ verurteilt das Gericht den Mann wegen fahrlässiger Tötung, doch viele bleiben überzeugt, dass es Mord war.

Der Fall wurde 2003 im Buch „Mordsgeschichten“ der Kurier-Redakteure Christoph Schnitzer und Maximilian Czysz geschildert. Das wiederum bekamen die beiden Tölzer Jugendfreunde Markus Kleinhans und Edgar Kraus in die Finger, die den Stoff für filmreif hielten.

„Wir wollten uns einen Jugendtraum erfüllen und suchten nach Stoff für einen selbstgedrehten Film“, sagt Kleinhans, der den Fall 2006 unter dem Titel „Tödliche Verbindungen“ verfilmte. Im folgenden Jahr reiste der Streifen durch 45 Kinos, und „das Amateurprojekt gipfelte in einer Fernsehausstrahlung“, sagt der Regisseur und Produzent. Der Bayerische Rundfunk kaufte „Tödliche Verbindungen“ und strahlte ihn bislang viermal aus, mit bis zu 380 000 Zuschauern. „Der Film lief aber relativ spät, um 20 Uhr hat man sich da noch nicht getraut.“

An diesem Freitag feiern Film-Team und Fans zusammen im Tölzer „Gasthaus“ das Jubiläum. Der Quereinsteiger hat inzwischen seine eigene Film-Firma. Damals standen Kleinhans und Kraus, der 2006 verunglückte, noch am Anfang ihrer Produzenten-Karriere. „Wir haben ohne Geld angefangen zu drehen und alles selber finanziert. Nach der Premiere 2006 gab es dann einen super Hype um den Film“, sagt der 47-Jährige. Den Mix aus Amateurschauspielern und Profis glichen die Film-Neulinge im Tonstudio aus: „Der Film wurde komplett nachvertont, und Investoren gaben 60 000 Euro für die professionelle Ausbelichtung des Films auf Zelluloid.“

Die Kleinhans-Version übernahm am Ende nur noch Grundzüge des Original-Falls: „Im Film vergiftete tatsächlich jemand den Tampon des Opfers – aus Rache.“ In der Realität sei es wohl eher ein tödlicher Sexunfall gewesen.

Marie L. scheint sehr reinlich gewesen sein. Dem Toxikologen Max Daunderer vertraute der offenbar intellektuell minderbemittelte Liebhaber an, dass seine Freundin das Kupferzyanid als Putzmittel benutzt habe. Eines Tages vergaß sie zwischen Putz- und Liebesspiel das Händewaschen, und über einen Tampon gelangte die Blausäure in ihren Blutkreislauf.

Die Party

Zur Jubiläumsfeier an diesem Freitag im „Gasthaus“ ist Einlass ab 18 Uhr. Ab 19,30 Uhr wird ein „Making of“ gezeigt, ab 20 Uhr ist „Party Time“ mit vielen Überraschungen angesagt.

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