„QR-Code kommt in Sekundenschnelle“: Apotheken-Sprecher Christopher Hummel freut sich über einen reibungslosen Start beim digitalen Impfnachweis.
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„QR-Code kommt in Sekundenschnelle“: Apotheken-Sprecher Christopher Hummel freut sich über einen reibungslosen Start beim digitalen Impfnachweis.

Bislang nur in Apotheken und Impfzentren erhältlich

Digitaler Impfnachweis im Tölzer Land: Grüner Haken für mehr Freiheit

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Seit dieser Woche gibt es den digitalen Impfnachweis auf dem Handy. So ist der Start im Tölzer Landkreis gelaufen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Er könnte so etwas wie die Eintrittskarte für den Sommerurlaub sein: Der digitale Impfnachweis auf dem Handy wurde vor wenigen Tagen eingeführt und sollte – so zumindest die Ankündigung aus dem Bundesgesundheitsministerium – ab Montag in der Apotheke erhältlich sein. Schon auf so manche derartige Versprechung folgte allerdings ein eher holperiger Start.

Dieses Mal aber berichtet zumindest Christopher Hummel, Sprecher der Apotheken im Landkreis, von einem reibungslosen Start.

„Es funktioniert tadellos“, sagte der Pharmazeut am Montagmittag auf Anfrage. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten er und seine Mitarbeiter in seinen beiden Apotheken in Gaißach und Bad Heilbrunn schon einige Dutzend Impfnachweise ausgegeben.

Apothekensprecher Hummel: „Wir sind fleißig am Ausstellen“

Und das läuft nach Hummels Schilderung so: „Der Kunde bringt uns seinen Impfpass oder das Impfzertifikat. Wir geben dann Namen, Geburtsdatum, Datum der zweiten Impfung und das verabreichte Präparat ins System ein.“ Diese Daten würden dann ans Robert-Koch-Institut weitergeleitet. Ist alles korrekt, komme in der Apotheke „in Sekundenschnelle“ ein QR-Code an. Den bekommt der Kunde ausgedruckt ausgehändigt. Er kann ihn mit seinem Smartphone entweder über die Corona-Warn-App oder die neue CovPass-App scannen und erhält – sofern der volle Impfschutz besteht – dort einen grünen Haken.

„Ab 8 Uhr morgens war die entsprechende Plattform für die Apotheken freigeschaltet“, freut sich Hummel. „Die ersten 15 bis 20 Minuten hat es zwar noch geruckelt, aber ab Öffnung unserer Apotheke sind wir fleißig am Ausstellen der Zertifikate.“

Voraussetzung dafür sei, dass die Apotheke schon zuvor an die Telematic-Infrastruktur zur elektronischen Datenübertragung angeschlossen war. Das sei aber bei den meisten der Fall, weil sie damit ab 1. Januar 2022 auch elektronische Rezepte verarbeiten müssen.

Jeder, der den digitalen Impfnachweis brauche, könne gerne kommen, sagt Hummel – „nur nicht alle auf einmal“. Aber auch das habe am Montag gut geklappt. „Wir haben eine stete Nachfrage, aber keinen Ansturm.“

„Null Nachfrage“ in den örtlichen Arztpraxen

Noch kein Thema ist der digitale Impfnachweis in den örtlichen Arztpraxen. „Null“ Nachfrage verzeichnete am Montag Dr. Matthias Bohnenberger, Vorsitzender der „Tölzer Hausärzte“. „Die Menschen fragen weiterhin vielmehr: Wann werde ich geimpft?“ Auch die Wolfratshauser Hausärztin Martina Mauerer berichtet, dass höchstens Patienten, die ohnehin wegen anderer Anliegen da seien, nach dem Impfnachweis fragen.

Zum jetzigen Zeitpunkt können die Hausärzte den nötigen QR-Code auch noch gar nicht ausstellen. „Ich fürchte, die nötige Software wird bei unserem nächsten Quartals-Update des Praxissystems Ende Juni auch noch nicht dabei sein“, meint Bohnenberger. Wenn er entsprechend gerüstet ist, fände es der Tölzer Mediziner sinnvoll, den digitalen Impfnachweis für diejenigen Patienten auszustellen, die auch in seiner Praxis geimpft wurden und deren Daten vor Ort hinterlegt sind. „Bei anderen fände ich es eher schwierig“, sagt er. Dann wäre der Arbeitsaufwand für sein Team hoch und die Überprüfung, ob die Impfdaten korrekt sind, kaum machbar.

Verspäteter Impfnachweis ist „doppelte Arbeit“

Seine Wolfratshauser Kollegin Mauerer rechnet damit, dass sie in ihrer Praxis Mitte Juli das nötige Software-Update bekommt. Die meisten Patienten rechnen ihr zufolge aber schon gar nicht mehr damit, dass solche Neuerungen vom ersten Tag an funktionieren. „Sie äußern sich eher resigniert bis amüsiert“, meint die Medizinerin. Das Muster, dass etwas öffentlich angekündigt werde, bevor die nötige Infrastruktur steht, sei ja mittlerweile bekannt. „Es wäre geschickt gewesen, wenn man den Impfnachweis gleich beim Impfen hätte ausstellen können“, meint Mauerer. „Jetzt ist es doppelte Arbeit.“

Den QR-Code fürs grüne Häkchen erhält man auch in den Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen – aber nur, wenn man zum Zweitimpfungstermin da ist. Für eine Ausstellung im Nachhinein liegen den Impfzentren laut Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer weiterhin keine Infos vor.

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