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Von analog auf digital: Rettungskräfte sind mit der Umstellung zufrieden – auch wenn es in Tölz noch hakt.

Digitalfunk

Bad Tölz liegt im Funkschatten

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Empfang in Vorderriß, aber nicht in Bad Tölz: Die Rettungskräfte finden den neuen Digitalfunk überragend – wenn er funktioniert. In der Stadt gibt es da noch einige Schwachstellen

Wenn die Feuerwehr in Bad Tölz ausrückt, leuchtet das Signal vom Digitalfunk rot – nahezu täglich. Die Einsatzkräfte haben keinen Empfang, können der Integrierten Leitstelle nicht melden, dass sie losgefahren sind, oder sich mit Kameraden absprechen. „Wir hatten schon mehrfach Fälle, bei denen wir ein Fahrzeug nicht informieren konnten, dass der Einsatz schon beendet ist“, sagt der Tölzer Kommandant Wolfgang Stahl. Die Ehrenamtlichen fahren dann weiter. Ein Problem: „Bei jeder Einsatzfahrt gibt es ein gewisses Risiko.“

Die Verbindung des Digitalfunks in Tölz funktioniert mal besser, mal schlechter – je nach Wetterbedingungen. Und wenn er schlechter funktioniert, dann hapert es zwischen der S-Kurve und der Stützmauer an der B 13 Richtung Lenggries, unterhalb von Wackersberg bis zum Kogel Richtung Bad Heilbrunn und zur Bahnunterführung, so Kreisbrandinspektor Hermann John. „Dort gibt es erhebliche Probleme, der Kontakt zur Leitstelle ist mangelhaft oder nicht vorhanden.“

Mast am Blomberg reicht nicht aus

Die schlechte Versorgung liegt an der Verteilung der Basisstationen. Für den Bereich Bad Tölz war eigentlich eine in Gaißach geplant. Aber „es gab Proteste aus der Bevölkerung“, sagt John. Daher läuft die Funkverbindung in der Stadt über den Masten am Blomberg. Tölz liegt jedoch im Schatten Wackersbergs, also gibt es Regionen, die schlecht versorgt werden. „Funkwellen sind wie Lichtwellen. Was ich vom Blomberg sehen kann, wird erreicht, das andere nicht“, erklärt John. Für ihn kommt das Problem nicht überraschend. Vor der Einführung des Digitalfunks habe es Testfahrten gegeben, bei denen das Netz ausreichte. „Das war halt ein Tagesergebnis. In der Praxis langt das einfach nicht“, so John. Er habe den Eindruck, dass man damals froh war, dass keine weitere Station nötig schien.

Auch das Rote Kreuz leidet unter dem Problem. „In der Altstadt und am Moraltverteiler sind Punkte unzureichend versorgt“, sagt Jörg Meyer, stellvertretender Leiter im Rettungsdienst. „Das kann kein Dauerzustand sein.“

Alte Geräte sind noch eingebaut

Die Probleme wurden der zuständigen Stelle gemeldet. Wie lange es dauert, bis nachjustiert wird, wissen Meyer, John und Stahl nicht. „Wir haben aber eine mündliche Zusage“, sagt der Kreisbrandinspektor. So lange gibt es in allen Einsatzfahrzeugen noch die analogen Funkgeräte. „Wenn’s gar nicht geht, können wir uns über die alten erreichen“, meint Stahl.

Diese alten Geräte nutzt die Tölzer Polizei derweil hauptsächlich. Bisher testen die Beamten den Digitalfunk nur probeweise, sagt Bernhard Gigl, Leiter der Tölzer Inspektion. „Die Umstellung ist für April geplant.“ Ein paar problematische Flecken hat auch er ausgemacht. „Da ist noch eine Nachbesserung wünschenswert“, sagt Gigl.

Bis auf den „Problemfall Tölz“ kommen die Rettungskräfte aber sehr gut mit dem Digitalfunk zurecht. „Er hat viele Vorteile“, findet Meyer vom BRK. Stahl beurteilt das neue System sogar als „überragend im Landkreis“. Da wäre zum Beispiel die bessere Sprachqualität. „Die Hintergrundgeräusche werden herausgefiltert“, sagt Kreisbrandrat Karl Muhböck. Und gerade für jüngere Ehrenamtliche habe eine neue Technik immer wieder großen Reiz.

Raus aus dem Funkloch

Die größte Verbesserung aber macht sich in den Regionen bemerkbar, in denen es früher keine oder nur schlechte Funkverbindung gab – etwa in Walchensee, Vorderriß, Fall oder Egling. „Der Digitalfunk erleichtert unsere Arbeit sehr“, sagt Udo Lehner, Kommandant der Feuerwehr in Vorderriß.

Bei dem schweren Unfall im August, bei dem auf der Strecke zur Kaiserwacht ein Motorradfahrer lebensgefährlich verletzt wurde, hat sich der Digitalfunk bewährt. Die Ehrenamtlichen sperrten die Straße weiträumig. „Wir konnten uns verständigen – ohne einen Sprint hinzulegen“, sagt Lehner.

Die Erreichbarkeit sei in Vorderriß ganz gut. Früher musste die Feuerwehr Kollegen in Fall mit dem Handy anrufen, um zu melden, wer ausgerückt war. „Im fahrenden Auto und mit den Funklöchern war das schwierig“, erinnert sich Lehner. Besonders gefällt ihm, dass beim Digitalfunk verschiedene Gruppen eingerichtet werden können. „So können die Menschen direkt sprechen, die es betrifft, ohne die anderen zu stören. Das ist genial.“

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