Analog und digital lernen: In einem offenen Brief hat sich die Hallbergmooser CSU an Staatsminister Florian Herrmann gewandt, um die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben.  SYMBOLBILD: JASPERSEN/DPA
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Die beiden Ausschussgemeinschaften im Kreistag hatten eine Anfrage zum Thema Digitalisierung an Schulen.

Anfrage im Kreistag

Digitalisierung an Schulen: Wie gut ist der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aufgestellt

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Wie weit ist der Landkreis in Sachen Digitalisierung an Schulen? Über diese Frage wollten die beiden Ausschussgemeinschaft Aufschluss in der jüngsten Kreistagssitzung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schon in seiner Haushaltsrede in der jüngsten Kreistagssitzung hatte Landrat Josef Niedermaier (FW) das Thema Digitalisierung an Schule kurz angeschnitten (wir berichteten). Hier liege noch ein Stück Arbeit vor dem Landkreis, sagte Niedermaier.

Den beiden Ausschussgemeinschaften (AG) im Kreistag war das nicht genug. Unter dem Punkt Verschiedenes forderten Filiz Cetin und Monika Achermann-Weiner Aufschluss, welche Schritte der Landkreis bislang konkret unternommen hat, um die Digitalisierung an den Schulen umzusetzen. Wissen wollten die AG-Sprecherinnen auch, welche Maßnahmen geplant sind, um die digitale Infrastruktur zu verbessern.

Zugang zu Schülernetzen sehr unterschiedlich schnell

Niedermaier holte weit aus. „2013 hat der Landkreis ein IT-Konzept zur Entwicklung der Digitalisierung im Landkreis aufgestellt“, erinnerte der Landrat. Darin gehe es um die Digitalisierung des Landratsamts, die Bereitstellung eines leistungsfähigen Behördennetzwerks und eben um die Umsetzung der IT-Strategie an den Landkreisschulen. Hier sei beim Thema Netz zwischen dem Netz für die Schulverwaltung und Schülernetzen zu unterscheiden, sagte Niedermaier. „Der Netzzugang für Schulverwaltungen wird im Rahmen des Kommunalen beziehungsweise des Bayerischen Behördennetzes bereitgestellt“, sagte der Landrat. Für die angeschlossenen Schulen – das Tölzer Gymnasium Bad Tölz, die Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule, die FOS/BOS und das Rilke-Gymnasium in Icking werde eine ausreichende Bandbreite (25 Mbit/s) zur Verfügung gestellt. Die Geretsrieder Franz-Marc-Schule, die dortige Realschule und das Gymnasium würden Anfang 2021 angeschlossen. „Realschule und Berufsschule Tölz setzen auf eigene Lösungen“, so Niedermaier.

Der Zugang für die Schülernetze sei dagegen extrem unterschiedlich. „Einige Schulen konnten über einen Kabelanschluss Bandbreiten von über 100 Mbit/s bis zu 500 Mbit/s realisieren – beispielsweise die FOS/BOS –, in anderen gibt es jedoch extrem unzureichende Bandbreiten für die Schülernetze“, sagte Niedermaier.

Ausbau des Glasfasernetzes bis Oktober 2021

Ziel sei es, alle Schulen mit einem leistungsfähigen Netzzugang auszustatten, betonte der Landrat. „Daher wurde im Sommer diesen Jahres die T-Systems mit dem Anschluss ans Glasfasernetz beauftragt.“ Es sei nicht einfach gewesen, überhaupt eine Firma zu finden. „Die erste Ausschreibung blieb ohne Bieter.“ Bis Oktober 2021 könnte der Ausbau erfolgen.

Ausgeliefert hat der Landkreis bereits Leihgeräte an Schüler. Konkret verteilt wurden 177 Notebooks und 240 iPads. Eine zweite Mittelzuweisung stehe an, die den Kauf weiterer Leihgeräte ermöglicht. Für die komplette Ausrüstung der Schulen im Rahmen des Digitalpakts II seien die Anforderungen der Schulen erfasst worden. Ein externer Dienstleister sei mit der Beschaffung beauftragt, so der Landrat.

Laptops für Lehrer sind ein „Riesenstreitpunkt“

Politisch „ein Riesenstreitpunkt“ seien derzeit die Geräte für die Lehrer. Die sollen nun die Sachaufwandsträger – also die Landkreise – besorgen, „obwohl diese nicht dem Sachaufwand zugerechnet werden können“, sagte Niedermaier, der hier den Freistaat in der Pflicht sieht. Er hätte ohnehin eine eher pragmatische Lösung vorgeschlagen. „Warum gibt man nicht jedem Lehrer Geld und sagt ihm, er soll sich das Gerät selber kaufen. Warum das nicht geht, leuchtet mir bis heute nicht ein.“ Die Frage sei auch, wohin der Lehrer mit seinem Gerät geht, wenn es Probleme gibt. Und damit war Niedermaier wieder bei dem Punkt angekommen, der ihn in Sachen Digitalisierung am meisten beschäftigt. Wer kommt für das ganze Personal auf, das sich um die gesamte IT kümmern soll? Mittlerweile habe der Freistaat hier zwar Unterstützung in Aussicht gestellt, konkret sei aber noch nichts.

Schulen „jammern auf hohem Niveau“

Filiz Cetin war unzufrieden. „Wir haben das Thema im Juli besprochen und sind heute auf demselben Stand.“ Man werde nicht zulassen, „dass die Warterei auf Kosten der Eltern, Schüler und Lehrer geht“. Auch Dritter Landrat und Schulleiter Klaus Koch (Grüne) schaltete sich ein. Das Problem der Schulen sei nicht die materielle Ausstattung. „Es ist die Systembetreuung. Und hier werden wir über Stellen sprechen müssen“, forderte Koch. Die Schulen könnten nicht ewig darauf warten, dass sich die kommunalen Spitzenverbände mit dem Freistaat einigen, wer hier welche Kosten zu übernehmen hat. „Wir werden als Landkreis in Vorleistung gehen müssen“, sagte Koch und sprach von einer „Unzufriedenheit an den Schulen“. Das sei „Jammern auf hohem Niveau“, entgegnete Niedermaier, was Koch mit dem Satz: „Diese Meinung teile ich nicht“ parierte.

Was dem Landkreis die Digitalisierung wert ist, entscheidet sich, wenn der Kreisausschuss über den neuen Stellenplan diskutiert. „Sie sagen, wie weit wir den Geldbeutel aufmachen sollen“, sagte Niedermaier. Wegen des Lockdowns wurde die Beratung im Kreisausschuss von Dezember auf 18. Januar vertagt.

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