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Papierakten waren gestern, die Zukunft heißt Dokumentenmanagement-System: Die Digitalisierung macht auch vor den Behörden nicht Halt.

Digitalisierung

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Das Tölzer Landratsamt und die Kommunen im Landkreis arbeiten daran, bis 2022 alle Dienstleistungen online anzubieten. Doch das ist nicht leicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Papierakten waren gestern, die Zukunft heißt Dokumentenmanagement-System: Die Digitalisierung macht auch vor den Behörden nicht Halt. Bis zum Jahr 2022 müssen die Kommunen außerdem alle Verwaltungsdienstleistungen im Internet anbieten. Das zumindest schreibt das Online-Zugangsgesetz (OZG) vor, das 2017 vom Bundestag beschlossen worden ist. Für die Bürger hieße das: Einfach klicken, statt sich im Rathaus oder Landratsamt die Beine in den Bauch zu stehen. Aber wie weit sind die Behörden im Landkreis mit der Umsetzung des OZG? Und wie steht es um die Sicherheit?

„Die Infrastruktur ist fertiggestellt“, sagt Marlis Peischer. Zwar müssen die Bürger laut der Landratsamt-Sprecherin noch ins Amt kommen, um zum Beispiel eine Fahrerlaubnis zu beantragen, einen Bauantrag einzureichen oder um Sozialhilfe zu beantragen. „Interne Abläufe aber sind bereits digital umgesetzt.“

Auch beim Thema Sicherheit scheint das Landratsamt gut aufgestellt zu sein: Peischer zufolge wurde bereits damit begonnen, ein Informationssicherheitskonzept zu erarbeiten. Spätestens zum 1. Januar 2020 müssen alle bayerischen Kommunen damit beginnen. Schließlich bringt die Digitalisierung auch Risiken mit sich: Daten müssen zum Beispiel vor unberechtigtem Zugang geschützt werden. Schon heute wehrt das Landratsamt mehrer tausend E-Mails pro Tag ab. 41 000 waren es zum Beispiel an einem Freitag im Oktober. „Unser Sicherheitsniveau ist sehr hoch angesetzt“, sagt Peischer. Beispielsweise würden nur bestimmte Dateianhänge im Mailverkehr zugelassen. Viele Webseiten seien außerdem von intern nicht erreichbar, etwa einige Cloud-Systeme. Sind bis 2022 alle rund 575 Verwaltungsleistungen online im Angebot, werden die Sicherheitsvorschriften weiter verschärft. Wollen die Bürger den Service nutzen, brauchen sie etwa einen neuen Personalausweis mit aktivierter PIN sowie ein Lesegerät für den PC oder das Smartphone. „Hiervor schrecken viele noch zurück“, weiß Peischer.

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Auch die Stadt Bad Tölz befindet sich mitten in der Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes und eines Sicherheitskonzeptes, sagt Geschäftsleiter Falko Wiesenhütter. Wie im Landratsamt bietet die Stadt seit Jahren ein Service-Portal im Internet an. Hier können die Bürger zum Beispiel ihre Steuer-ID anfordern oder ein Führungszeugnis beantragen. „Die Stadt investiert seit Jahren in die Digitalisierung, auch schon, bevor es Digitalisierungsgesetzte gab“, sagt Wiesenhütter und verspricht: „Die Anforderungen werden weiterhin fortgesetzt.“

Was das Thema Sicherheit angeht, setzt das Tölzer Rathaus wie das Landratsamt unter anderem auf die regelmäßige Fortbildung der Mitarbeiter. Dabei werden die Angestellten vor allem für das Thema Cyberkriminalität sensibilisiert, so Wiesenhütter. Während das Landratsamt allein für die Zertifizierung eines Sicherheitsmanagementsystems 20 000 Euro veranschlagt, will man sich im Tölzer Rathaus auf keinen Betrag festlegen. „Die Stadt Bad Tölz spart nicht beim Thema Sicherheit, verschwendet hier aber auch keine Gelder für unnötige Systeme.“ Allerdings wird dem Geschäftsleiter zufolge darüber diskutiert, ob ein IT-Sicherheitsbeauftragter eingestellt wird.

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Die Stadt Geretsried setzt bei der Erarbeitung eines Sicherheitskonzeptes auf die Hilfe eines externen Beraters, heißt es aus der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus. Sicher ist bereits: Das Konzept sieht einen Sicherheitsbeauftragten vor. Der Dienstanbieter der Stadt Geretsried werde außerdem in Kürze verschiedene förderfähiges Online-Dienste anbieten.

Auch vor kleineren Gemeinden wie Bad Heilbrunn macht die Digitalisierung nicht Halt. „Wir haben im Oktober mit der Einholung von Informationen begonnen“, lässt Bürgermeister Thomas Gründl wissen. Auch der Bauausschuss befasste sich kürzlich mit dem Thema Online-Zugangsgesetz (wir haben berichtet). Aktuell können die Heilbrunner nur die Wasserzählerstände online erfassen. Das soll sich ändern. 11 000 bis 12 000 Euro will die Gemeinde in die Digitalisierung stecken, sagt Gründl auf Nachfrage. Davon würden 80 Prozent gefördert.

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