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Auf dem Mast in Gaißach wurde jetzt eine neue Antenne installiert, die den Isarwinkel mit Digitalfunk versorgt.

Digitalradio-Sender in Betrieb

Volksmusik funkt jetzt vom Gaißacher Mast

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Gaißach/Bad Tölz - Eine neue Sendeanlage versorgt den Isarwinkel mit Digitalradio. Doch bei den Nachbarn bleiben Sorgen wegen möglicher Strahlungsrisiken.

Für die Radiohörer in Bad Tölz, Lenggries, Gaißach und Wackersberg tun sich neue Möglichkeiten auf: Wie der Bayerische Rundfunk mitteilt, ist der auf dem Gaißacher Mast installierte Sender in Betrieb gegangen, der im Isarwinkel den Empfang von des Digitalradio-Pakets des BR erlaubt. Das bedeutet, dass nun etwa 24 500 Einwohner nicht nur mehr Radioprogramme empfangen können – darunter die neue Volks- und Blasmusikwelle des BR –, sondern auch die bestehenden in deutlich besserer Qualität. Doch was des einen Freud ist, ist des anderen Leid.

Wer auf Volksmusik steht, hatte bislang im Isarwinkel schlechte Karten. Seit der BR seine Volksmusik-Sendungen aus Bayern 1 verbannt hat, kamen nur noch Digitalradio-Nutzer in den Genuss der heimatlichen Klänge. Der Sender „BR Heimat“ allerdings war in Tölz, Lenggries, Gaißach und Wackersberg „nicht oder nur in Einzelfällen empfangbar“, wie BR-Sprecher Markus Huber auf Anfrage des Tölzer Kurier bestätigt. Wer im Auto saß, konnte die Sender im Digitalstandard DAB+ im Kanal 11 D nur „mit Unterbrechungen“ empfangen, so Huber.

Mit der Installation und Inbetriebnahme einer neuen Senderantenne auf dem Mast in Gaißach-Dorf im November hat sich das geändert. Jeder, der ein Digitalradio besitzt, kann nun neben „BR Heimat“ auch das Schlagerprogramm „Bayern plus“, die Jugendwelle „Puls“, den Ereigniskanal „B 5 plus“ und den Servicekanal „BR Verkehr“ hören. Auch die altbekannten Wellen Bayern 1, 2 und 3 sowie BR-Klassik und „B 5 aktuell“ stehen hier zur Verfügung – nach BR-Angaben „in exzellenter Qualität“, ohne Knistern und Rauschen.

In anderen Teilen des Landkreises ist dies übrigens schon länger möglich – dank einem DAB+-Sender auf dem Herzogstand, der nach Hubers Angaben Kochel am See, Benediktbeuern, Bichl, Bad Heilbrunn und die Jachenau versorgt. Laut BR wächst mit der Neuinstallation in Gaißach das DAB+-Sendernetz des Bayerischen Rundfunks im Kanal 11 D auf insgesamt 45 Standorte im Freistaat. Damit sei es 96,6 Prozent der Einwohner Bayerns möglich, das digitale BR-Programmpaket mobil im Auto sowie im Freien zu empfangen. 88 Prozent seien auch innerhalb von Gebäuden versorgt.

Was viele Radiohörer freuen dürfte, stößt beim Gaißacher Andreas Dachs auf wenig Begeisterung. Der Landwirt wohnt 350 Meter vom Mast entfernt und befürchtet negative gesundheitliche Auswirkungen der Strahlung, die von den insgesamt über 40 Sendeanlagen auf dem Mast ausgeht. Schon vor Jahren wehrte er sich vehement gegen die Montage eines Tetrafunk-Senders in Gaißach. Der wurde am Ende stattdessen auf dem Blomberg installiert.

Wie berichtet waren nun im Juli fünf Vertreter des BR in eine Sitzung des Gaißacher Gemeinderats gekommen, um Fragen betroffener Nachbarn zu beantworten – darunter waren neben Gaißachern auch Bewohner des Oberen Griesfelds in Bad Tölz, das noch näher am Sender liegt als Gaißach-Dorf.

Die BR-Vertreter verwiesen auf Messungen, die die Bundesnetzagentur an drei Standorten in Dorf sowie nahe der Tölzer Akeleistraße vorgenommen habe. „Durch den DAB+-Sender am Standort Gaißach wird der zulässige, von der Bundesnetzagentur festgelegte Grenzwert nur bis maximal 1 Prozent ausgeschöpft“, versichert BR-Sprecher Huber noch einmal gegenüber dem Tölzer Kurier.

Dachs hingegen verweist auf andere Messergebnisse des TÜV aus dem Jahr 2013, nach denen speziell am Standort „Jägerwirt“-Parkplatz der Grenzwert zu 5 Prozent erreicht worden sei. Außerdem hält der Landwirt die Grenzwerte für willkürlich und viel zu hoch angesetzt. Er zeigt sich nun „enttäuscht“, dass sich die Gemeinde „nicht für die Bürger eingesetzt“ und dem BR nicht gesagt habe: „Jetzt ist Schluss.“ Dabei sei doch seit Jahren Konsens gewesen, dass der Mast nicht mit zusätzlichen Sendern aufgerüstet werden soll.

Gaißachs Bürgermeister Stefan Fadinger dagegen verweist darauf, dass zuletzt ein GSM-, also ein Mobilfunk-Sender von dem Mast abgebaut worden sei. „Wir nehmen die Bedenken der Bürger sehr ernst“, versichert er. Daher sei es auch begrüßenswert gewesen, dass fünf Vertreter des BR eigens in dem Gemeinderat gekommen seien, wo die Bürger zu Wort gekommen seien und man der Erörterung des Themas „ausreichend Zeit“ eingeräumt habe.

BR-Sprecher Huber erklärt zudem, dass es bei DAB+ „nicht wie beim Mobilfunk um eine große Anzahl bidirektionaler Funkverbindungen in verschiedenen Frequenzbereichen zu individuellen Nutzern geht. Vielmehr handelt es sich um eine dauerhafte Abstrahlung des digitalen Rundfunksignals, vergleichbar mit dem analogen Hörfunk UKW.“

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