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Ein Kraftakt wird die Versorgung älterer Menschen im Landkreis. Nach derzeitigem Stand fehlen bis 2028 allein über 400 vollstationäre Pflegeplätze.  

Diskussion im Sozialausschuss 

Kreis braucht dringend mehr Pflegeplätze

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Die Zahl ist alarmierend: Bis zum Jahr 2028 werden im Landkreis allein über 400 vollstationäre Pflege-Plätze fehlen. Das Landratsamt will rechtzeitig gegensteuern und hat ein entsprechendes Konzept erarbeitet.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Laut Landrat Josef Niedermaier ist es eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben – wenn nicht sogar die wichtigste: dafür zu sorgen, dass es im Landkreis genügend Pflegeplätze für ältere und hochbetagte Menschen gibt. Um dieser Pflicht nachzukommen, hat die Fachstelle für Seniorenplanung im Landratsamt das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept“ (SPGK) aus dem Jahr 2009 weiterentwickelt. Die wichtigsten Ergebnisse aus dem über 200 Seiten starken Schriftstück stellte Felicitas Wolf nun dem Kreis-Sozialausschuss vor.

„Wir werden mehr und wir werden älter – so kann man die Situation ganz gut zusammenfassen“, sagte Wolf einleitend. Im Jahr 2028 wird die Generation 65 plus knapp ein Viertel der Landkreis-Bevölkerung ausmachen. Das heißt laut Wolf, dass die Gruppe der Menschen, die Hilfe benötigen, größer wird. Im Gegenzug gibt es immer weniger jüngere Menschen, die helfen können. Dieser demografische Wandel „hat natürlich Auswirkungen auf die Pflege“, sagte Wolf. So geht das Landratsamt davon aus, dass es in elf Jahren etwa 4250 Menschen mit Pflegebedarf in der Region geben wird. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es 3300. „Der Landkreis braucht Möglichkeiten, diese Menschen zu versorgen.“

Davon ist er im Moment noch ein gutes Stück entfernt: Bis 2028 werden laut Wolf weit über 400 vollstationäre, 70 Tagespflege- und 53 Kurzzeit-Pflegeplätze fehlen. Besonders problematisch könne sich die Lage in abgelegenen Gemeinden wie der Jachenau, aber auch in Teilen von Egling oder Dietramszell entwickeln, wenn der Landkreis nicht rechtzeitig gegensteuere. Denn schon heute sei es nicht leicht, einen ambulanten Pflegedienst zu finden, der aus Gründen der Wirtschaftlichkeit so weite Anfahrtswege in Kauf nimmt. Ganz zu schweigen vom Fachkräftemangel im Bereich Pflege.

In diesem Zusammenhang plädierte Sozialamtsleiter Thomas Bigl, den Beruf des Pflegers nicht permanent schlechtzureden. So sei es beispielsweise nur die halbe Wahrheit, dass man in diesem Bereich nicht besonders gut verdiene. „Viele arbeiten auch nur in Teilzeit.“ CSU-Kreisrätin Anni Rieger entgegnete, dass es nicht nur ums Finanzielle gehe: „Die soziale Anerkennung in der Gesellschaft fehlt.“ Dem stimmte Niedermaier zu. Der Landrat geht dennoch davon aus, dass der Beruf des Pflegers verdienstmäßig attraktiver werden muss – mit allen Konsequenzen. „Pflege wird künftig noch mehr kosten, allein wegen der Personalkosten“, sprach Niedermaier eine unangenehme Wahrheit aus.

In der Sitzung ging es ausdrücklich nicht darum, Lösungen zu finden. Dennoch diskutierten die Kreisräte ein paar Möglichkeiten an. So gab es zum Beispiel die Überlegung, ob die geschätzt 19 Betten im Landkreis, die nach dem neuen Pflege- und Wohnqualitätsgesetz nicht mehr für die vollstationäre Pflege genutzt werden dürfen, nicht für die Kurzzeitpflege genutzt werden könnten. Über solche und ähnliche Vorschläge sollen die Kreisräte in den kommenden Monaten intensiv diskutieren, wenn es nach Niedermaier geht. Zu diesem Zweck wird das Seniorenpolitische Gesamtkonzept am 24. Mai dem Kreistag noch einmal detailliert vorgestellt. Ziel sei es, das SPGK im Herbst zu verabschieden.

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