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Umstrittene Zierde zu Leonhardi: Während die einen prächtige Fuchspelze wie diesen loben, halten andere das Tragen von toten Tieren für geschmacklos.

Leonhardi

Kritiker rücken Wallfahrern auf den Pelz

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Bad Tölz - Eine Leonhardifahrt wie aus dem Bilderbuch war heuer wieder in Bad Tölz zu sehen. Nicht fehlen durften die Fuchspelze, die Frauen in Tracht traditionell bei der Wallfahrt tragen. Einige Zuschauer störten sich an diesem Brauch. 

Geschmückte Wagen und Frauen in Tracht, viele davon mit einem Fuchspelz um die Schultern – dieses Bild prägt die Leonhardifahrt. Auf der Merkur-Leserbriefseite sorgte diese Zurschaustellung von Tierpelzen nun für Diskussionen. Als „Zumutung“, „geschmacklos“, gar „abartig“ wird das Trachtenaccessoire dort bezeichnet.

Anna Bichlmair kann das nicht verstehen. Für die Bäuerin aus Lenggries ist die Leonhardifahrt ohne Fuchspelz nicht vorstellbar. „Das gehört zu uns dazu“, sagt Bichlmair. Sie selbst hat einen Pelz von ihrer Tante geerbt und trägt ihn auf dem Lenggrieser Wagen vom „Aschenloher“. „Das ist wie mit dem Streit um die Kuhglocken“, sagt sie. „Manche Leute müssen sich einfach über alles aufregen.“

Dass der Pelz zur Tracht gehört, bestätigt Alexander Wandinger vom Trachten-Informationszentrum. „Seit Jahrhunderten gehört das Rauchwerk, also Pelz, zur festlichen Kleidung. Der bäuerlichen Bevölkerung jetzt eine ,vegane Tracht‘ zu verordnen, ist schwer zu vermitteln“, sagt Wandinger. Die Fuchspelze kamen etwa um 1910, 1920 aus der städtischen Mode ins bäuerliche und bürgerliche Festtagsgewand und ersetzten Tücher und Schals. Seitdem gehöre der Fuchspelz zum Miedergewand, Schalk und Spenzer. „Das war etwas Kostbares und ist es bis heute.“

Das sieht Jürgen Wefelscheid genauso. „Füchse haben einen wunderschönen Winterbalg“, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbands. Balg – so nennen Jäger den Pelz von Tieren. „Ich hoffe, der Fuchs fühlt sich geehrt, dass wir ihn über Generationen tragen.“ Wefelscheid ärgert sich über Kommentare selbsternannter Tierschützer. „Wer sich auskennt, wüsste, dass wir Füchse erlegen und das Erlegte auch ernten dürfen.“

Jäger erschießen Füchse, um eine Überpopulation zu verhindern, erklärt Wefelscheid. Im Südlandkreis werden ihm zufolge knapp unter 1000 Füchse pro Jahr erlegt. „Die Population ist vermutlich doppelt bis dreifach so groß.“ Explodiere die Population, sorge die Natur durch Krankheiten dafür, dass die Zahl der Füchse wieder zurückgehe – so sei das etwa vor drei, vier Jahren der Fall gewesen. „Wir wollen Räude und Tollwut aber unbedingt vermeiden“, sagt Wefelscheid.

Leiden müsse ein Fuchs nicht, wenn er erlegt wird. „Ich sitze im Jägerstand und schaue, ob er quer zu mir steht“, sagt Wefelscheid. Dann schieße er direkt aufs Herz. Dadurch trete eine Schockwirkung ein, durch die der Fuchs keine Schmerzen spüre. „Jäger lernen in ihrer Ausbildung, möglichst gut zu treffen.“

Deswegen hat auch Stadträtin Camilla Plöckl kein schlechtes Gewissen, dass sie ihren Pelz jedes Jahr an Leonhardi trägt. „Es ist schlimm, dass die Tradition angeprangert wird, wo die Füchse doch aus ordentlichen Verhältnissen aus der Region kommen“, sagt Plöckl. Trotzdem versteht sie Pelzgegner. „Wenn ich sehe, wie die moderne Pelzindustrie arbeitet, dreht es mir den Magen um“, sagt Plöckl. Dass die Füchse, die an Leonhardi getragen werden, aber nichts damit zu tun haben, wüssten viele Zuschauer eben nicht. „Ich habe meinen Fuchs auf dem Flohmarkt gekauft. Er ist sehr alt und ganz was Schönes.“

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