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Die Miesbacher BOS will auch einen Gesundheitszweig.

Kreisausschuss

Disput über Gesundheits-Zweig: Jeder will BOS sein

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Die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen arbeiten eigentlich gut zusammen. Außer bei der Frage, welche Berufliche Oberschule den Ausbildungszweig Gesundheit bekommen soll. 

Bad Tölz/Miesbach – Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) betonte zwar immer wieder, dass die Sache mehr mediale Aufmerksamkeit erregt habe, als sie verdiene. Klar ist aber auch: Ganz einig sind sich Niedermaier und sein Miesbacher Kollege Wolfgang Rzehak (Grüne) nicht. Der Streit dreht sich um den Zweig Gesundheit, den beide Landkreise an ihren jeweiligen Berufsoberschulen (BOS) etablieren wollen (wir berichteten). Und es geht darum, wer was mit wem vereinbart hat.

Auch die Fachoberschulen (FOS) haben derzeit kein leichtes Leben. „Sie sind in wilden Gewässern unterwegs“, umschrieb es Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne) am Montag im Kreisausschuss. Durch die Eröffnung neuer Standorte ist der Konkurrenzdruck gestiegen. Dazu kommt, dass keiner weiß, wie sich die Schülerzahlen durch die Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium entwickeln. Daher versucht sich jede FOS, möglichst gut am Markt zu positionieren. Damit man sich nicht auch noch gegenseitig Konkurrenz macht, sprechen sich die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach ab. Eigentlich. Unstrittig ist, dass sich die FOS Bad Tölz darum bewerben soll, den Zweig Gesundheit zu etablieren. Holzkirchen bewirbt sich um die Ausbildungsrichtung Internationale Wirtschaft. So weit ist man sich einig.

Keinesfalls überlassen will der Landkreis Miesbach den Tölzern aber die Einführung des Zweigs Gesundheit auch an der Beruflichen Oberschule. Den reklamiert Rzehak nämlich für die BOS in Miesbach. Und genau so sei das abgesprochen gewesen, hatte Birger Nemitz, Sprecher am Miesbacher Landratsamt erklärt. „Der Kreis Miesbach hat zugesichert, keine zweite BOS zu planen. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat zugesichert, keine Ausbildungsrichtung Gesundheit an seiner BOS anzustreben.“

Letzteres stimme einfach nicht, betonte Niedermaier gestern. „In diesem Punkt endete unser Gespräch im Juli 2016 ergebnislos.“ Er sei aber der Meinung, „wenn wir schon an der FOS den Zweig Gesundheit einrichten, gehört die BOS Gesundheit auch nach Tölz“. Wichtiger als dieser Nebenkriegsschauplatz sei ihm aber, dass Miesbach tatsächlich keine zweite BOS gründen wolle, denn das würde dem Standort Tölz schaden. Und hier sei man sich ja einig. Was Niedermaier aber doch wurmt, ist Rzehaks Aussage, dass es ihm egal sei, ob unter seinem Vorgänger Jakob Kreidl etwas anderes vereinbart worden sei. „Das ist nicht die feine englische Art. Äußerungen wie ,Mein Landkreis zuerst‘ kennt man eigentlich nur von anderen Politikern“, sagte Niedermaier und spielte damit auf US-Präsident Donald Trump an.

„Miesbach first – wenn ich das schon höre“, schloss sich Vize-Landrat Thomas Holz an. „Bei allem Verständnis, dass er sich für seinen Landkreis einsetzt, aber wenn er sagt, dass ihn frühere Absprachen nicht interessieren, ist das ein starkes Stück. So arbeitet man nicht zusammen.“ Er verstehe nicht, was Rzehak damit bezwecke. Vielleicht könne ja Klaus Koch seinem grünen Kollegen mal ins Gewissen reden. „Die Grünen sind ja bekannt dafür, die Moral gepachtet zu haben“, sagte Thomas Holz.

Er werde das Gespräch gerne suchen, antwortete Klaus Koch. Er bat aber auch darum, den Ball flach zu halten. Es gebe hier nur in einem Bereich eine Unstimmigkeit. „Ansonsten arbeiten die Landkreise ja recht vernünftig zusammen.“

In diesem einen Punkt wollen die Tölzer nicht einlenken. „Nur weil einer das anders sieht, müssen wir nicht klein beigeben“, bekräftigte Hans Sappl (FW). Der Ausschuss befürwortet einstimmig, die Einrichtung des Zweigs Gesundheit an der FOS und zu einem späteren Zeitpunkt auch an der BOS Bad Tölz.

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