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Beim Blick auf ihr iPhone wundert sich eine Tölzerin immer wieder. Es tauchen Apps auf, die sie nie heruntergeladen hat – aber ihre Namensvetterin aus Bonn.

Das Leben der Anderen

Gruselig: Tölzerin empfängt auf ihrem iPhone Daten einer Fremden

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Bad Tölz - Fremde Privatfotos tauchen auf dem iPhone einer Tölzerin auf. Eine Bonnerin sieht das komplette Adressbuch der Bayerin. Die Smartphones streiken, der Datenschutz auch. Apple löst das Problem des doppelten Accounts nicht – seit über eineinhalb Jahren.

Kümmern Sie sich selbst: Diese Botschaft las Anna Müller (Name geändert) zwischen den Zeilen, als sie ein Apple-Berater per Mail wissen ließ, wie sie ihre Apple-ID gegen ungewollte Zugriffe schützen kann. In dem Artikel-Link, den der Berater anhängte, steht: „Apple nimmt den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst.“

„Da hat es mir gereicht. Es geht um meine Privatsphäre“, sagt Müller. „Apple wiegelt nur ab und setzt sich nicht ernsthaft mit dem Problem auseinander.“ Hintergrund ist, dass sich die 56-jährige Tölzerin die gleiche Apple-ID mit einer 35-jährigen Frau aus Bonn teilt. „Als hätten wir ein gemeinsames Bankkonto“, erklärt Müller und lacht. Nach Lachen ist ihr aber eigentlich schon lange nicht mehr zumute – seit auf ihrem iPhone Apps erscheinen, die sie nie heruntergeladen hat. Und Privatfotos sowie das komplette Adressbuch der Bonnerin, hunderte Kontakte, die ihre eigenen teilweise verdrängen. Aber nicht nur das: Müllers Bilder und Adressen tauchen auch auf dem Bonner iPhone auf. Darüber hinaus streiken nicht nur die Apple-Dienste der Smartphones: Unter anderem wurden Mailadressen gelöscht. Immer, wenn die Eine das ID-Passwort ändert, kommt die Andere nicht mehr rein – ein Spiel, das sich vielfach wiederholt. „Auf einmal hatte ich ihre Sicherheitsabfragen, die ich natürlich nicht beantworten konnte“, berichtet die Tölzerin.

Der simple Ursprung des doppelten Accounts ist die Tatsache, dass zwei Frauen aus Bad Tölz und Bonn zufällig den gleichen Namen tragen. In der Zeitung wollen sie ihn nicht lesen. Die Bonnerin, weil sie als freischaffende Künstlerin nicht mit Problemen in der Presse erscheinen will. Die Tölzerin, weil sie nach stundenlangen Telefonaten und reichlich E-Mail-Verkehr mit Apple einfach nur ihre Ruhe haben möchte.

Für die Registrierung der Apple-ID gaben beide die gleiche Web.de-Mailadresse an, wodurch die Überschneidungen im Apple-System offenbar zustande kamen. Es sei unmöglich, eine bereits existierende Adresse zu belegen, teilt Web.de-Sprecher Christian Friemel mit. Auslöser sei möglicherweise ein anderer technischer Fehler – entweder bei Apple oder Web.de. Apple sieht hauptsächlich Web.de in der Verantwortung: „Das liegt nicht in unserer Macht, aber wir versuchen zu helfen“, sagt Sprecher Tobias Fröhlich.

Genau das bezweifeln die beiden Anna Müllers. In den letzten eineinhalb Jahren kontaktierten sie Apple mehrfach. Ohne Erfolg: „Die Berater klinken sich irgendwann aus, und du kommst nicht mehr an sie ran“, ärgert sich die Tölzerin.

Kann ein Welt-Konzern, der Uhren mit GPS und Spracherkennung entwickelt, keine zwei Konten voneinander trennen? Diese Frage treibt die beiden Frauen um. Die Bonnerin nahm im November 2015 schließlich sogar in Kauf, sämtliche private Daten – darunter ihre komplette Musiksammlung – zu verlieren. Sie änderte die ID – und damit auch die der Tölzerin. Für einen Lösungsvorschlag berief sich Apple ausgerechnet auf den Datenschutz: Die Tölzerin solle die andere Frau Müller nach der neuen ID fragen, weil Apple selbst das nicht dürfe. Müller verweigerte das und bat darum, das Problem intern zu lösen. Zwischenzeitlich hat der Konzern Müller erst 50, dann 100 Euro angeboten – ausdrücklich als Geschenk und nicht als Entschädigung, „da Ihr Anliegen nicht von Apple verursacht wurde“.

Ein paar Tage nach einer Anfrage des Tölzer Kurier bei Apple Deutschland meldete sich ein Mitarbeiter bei Müller. Die 56-Jährige berichtet: „Er schaut, was er technisch machen kann und hält mich auf dem Laufenden.“

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