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So wird das gemacht: Regisseur Marcus H. Rosenmüller (re.) erklärt einem seiner jungen Schauspieler, wie er sich die nächste Szene vorstellt. 

Dreharbeiten

Das Alpamare wird zum Abenteuercamp

In Bad Tölz finden wieder Filmarbeiten statt: Im stillgelegten Alpamare dreht der Regisseur Marcus H. Rosenmüller derzeit den Kinderfilm „Unheimlich perfekte Freunde“. Ein Besuch am Set.

Bad TölzDas Becken, wo früher Schwimmer ihre Bahnen zogen, haben die Requisiteure für ein paar Tage in ein wahres Abenteuerlager verwandelt. Ein Zelt als Unterschlupf, Campingtische, Liegestühle, Kissen und Isomatten zum Schlafen, ein bisschen ramponierte Deko und darüber bunte Graffitis an den Fensterscheiben: „Einen Sehnsuchtsort“ nennen das Produzent Max Frauenknecht und Regisseur Rosenmüller. Es sei ein Ort, den sich Kinder selbst geschaffen haben und wo kein Erwachsener hin darf.

Geheimnisvolle Doppelgänger

Der Film mit dem Arbeitstitel „Unheimlich perfekte Freunde“ handelt von Emil und Frido, deren Doppelgänger in einem geheimnisvollen Spiegelkabinett zum Leben erweckt werden. Zunächst glauben sie, das große Los gezogen zu haben, denn die Doppelgänger übernehmen alles, was sie selbst nicht so gut können. Doch irgendwann wollen sie ihre Double wieder loswerden – und das gestaltet sich schwierig.

„Es ist eine Geschichte, in der die Kinder die Helden sind“, sagt Rosenmüller. Dennoch sind natürlich auch erwachsene Schauspieler dabei, zum Beispiel Margarita Broich, Marie Leuenberger oder Max von Thun. Fünf Tage dauern die Dreharbeiten in Bad Tölz nach dem Alpamare geht es noch in die Wandelhalle, die zur Schulaula umgestaltet wird.

Das ehemalige Spaß-Bad ist für Rosenmüller nicht nur der perfekte Drehort, er verbindet damit auch nostalgische Kindheitserinnerungen. „Es war immer was Besonderes, wenn wir hierher gefahren sind“, verrät er.

Nach zweieinhalb Jahren Leerstand hat der Zahn der Zeit am einst berühmten Bad genagt, und Staub macht sich breit. Das Filmteam wirbelt also einiges auf, wenn es mit 80 Mann dort zugange ist. Kameras, Bildschirme, Tonanlagen, etliche Kilometer Kabel, Scheinwerfer, Mikros an langen Stangen und viele Dutzend Kaffeebecher füllen die gekachelte Halle. In der ehemaligen Damenumkleide stapeln sich Plastikboxen. Auch vor dem Gebäude tut sich einiges. „Würde man all unsere Fahrzeuge aneinanderstellen, wären das 200 Meter“, sagt Produzent Frauenknecht. Mitgebracht haben sie auch zwei Lastwagen mit eigener Küche, denn das Catering muss flexibel sein.

Wenn mit Kindern gearbeitet wird, versucht man, Zeit zu sparen, wo es nur geht. Denn Kinder dürfen laut Gesetz nur drei Stunden am Tag drehen. Bereits abgedrehtes Filmmaterial wird in einen Technikwagen vor dem Haus übertragen und auf Fehler, Unschärfen oder andere Unzulänglichkeiten geprüft und parallel zum ersten Schnitt nach Berlin gesandt.

Die Stimmung am Set ist zwar energiegeladen, aber dennoch ruhig. Geduldig proben die jungen Schauspieler, von denen einige aus München, andere aus Leipzig kommen, eine Streitszene, die an diesem Tag produziert wird. „Rosi“ gibt Tipps und spielt den zehn- bis zwölfjährigen Akteuren auch schon mal höchstpersönlich vor, wie er sich eine Bewegung oder eine Aktion vorstellt. „Aber das mache ich mit ,großen‘ Schauspielern auch“, sagt Rosenmüller grinsend.

Lehrer sind immer mit vor Ort

Filmarbeiten mit Kindern seien immer eine besondere Herausforderung, fügt er hinzu. Eltern, Schule, Jugendamt und Kinderarzt müssen zustimmen, bevor ein Antrag beim Gewerbeaufsichtsamt gestellt werden kann. Immer sind ausgebildete Sozialpädagogen am Set, die genauestens aufpassen, dass die Vorgaben eingehalten werden, und die sich um die Kinder kümmern. Außerdem sind Lehrer mit von der Partie, die die Kinder unterrichten, damit sie nicht zu viel Unterrichtsstoff während der Drehtage versäumen. Versetzungsgefährdete Schüler haben übrigens kaum eine Chance, ein Casting zu bestehen.

Bis Samstag wird noch in Bad Tölz gedreht. Danach geht es weiter nach Leipzig und Wien. Insgesamt sind 34 Drehtage eingeplant. Der Filmstart ist für Februar 2019 angepeilt. (Ines Gokus)

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