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Drei Großeinsätze an einem Abend: Feuerwehren im Dauerstress

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Von: Felicitas Bogner

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Bei Reichersbeuern war ein Güllefass auf die Bahngleise gerutscht. Glücklicherweise wurde niemand verletzt
Bei Reichersbeuern war ein Güllefass auf die Bahngleise gerutscht. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. © Feuerwehr Reichersbeuern

Zu drei Großeinsätzen innerhalb weniger Stunden kam es ab Freitag in Bad Tölz und der nahen Umgebung. Die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren schildern den Ausnahmeabend.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Stress pur und keine Zeit zum Verschnaufen: Drei Großeinsätze hintereinander hielten ab Freitagnachmittag die Feuerwehren in Bad Tölz und in den Nachbarkommunen in Atem: Während die Einsatzkräfte der Feuerwehr Reichersbeuern damit beschäftigt waren, ein abgerutschtes Güllefass zu entleeren, um es anschließend mit einem Bergekran aus den Bahngleisen zu heben, mussten die freiwilligen Einsatzkräfte aus Bad Tölz, Ellbach und Lenggries einen verheerenden Vollbrand eines Einfamilienhauses unter Kontrolle bringen. Als die Floriansjünger die Flammen gerade bekämpft hatten, ereignete sich ein schlimmer Unfall mit mehreren Schwerverletzten auf der B13. Trotz der Überschneidung der Unglücksfälle klappte die Notfallversorgung einwandfrei.

Notfallversorgung klappt trotz hohem Aufkommen einwandfrei

„Paralleleinsätze kommen immer mal wieder vor, aber drei so große Einsätze in Folge sind hier schon eine Besonderheit“, sagt Stefan Kießkalt, Sprecher der Kreisbrandinspektion. Die Belastung sei am Freitag für die Feuerwehrler hoch gewesen. „Aber sobald ein neuer Alarm geht, ist das vergessen“, meint Kießkalt. Einsatzaufkommen hin, Belastung her: „Wir sind auf jede Situation eingestellt und waren daher bestens gewappnet.“

Dass genügend Einsatzkräfte mit den nötigen Fahrzeugen und Geräten stets verfügbar seien, regle der Alarmierungsplan, erklärt der Tölzer Kommandant Thomas Fuchsgruber. Konkret laufe es so ab, dass die Alarmierungen bei der Integrierten Leitstelle (ILS) eingehen. „Jede Art von Einsatz ist hier mit gewissen Stichwörtern hinterlegt. Je nach Stichwort weiß man, welche Geräte und wie viel Mann gebraucht werden“, schildert Fuchsgruber. „Ist bei der ILS hinterlegt, dass eine Feuerwehr noch mit gewissen Geräten in einem anderen Einsatz steckt, wird die nächstgelegene Feuerwehr alarmiert.“

 Im Bereich Gaißacher Straße brannte ein Einfamilienhaus
Im Bereich Gaißacher Straße brannte ein Einfamilienhaus. © Privat

Am Freitag habe die Tölzer Feuerwehr sowohl zu dem Hausbrand als auch zu dem Unfall auf der B 13 ausrücken können. „Als der Unfall-Alarm reinkam, war das Feuer bereits aus, und wir waren nur noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Dazu waren wir für eine technische Hilfeleistung alarmiert. Anders wäre es gewesen, wenn es ein zweiter Brand gewesen wäre“, erklärt der 33-jährige Kommandant. Schließlich müssten die Atemschutzgeräte nach den Löscharbeiten neu aufgefüllt werden.

Alarmierungsplan regelt welche Feuerwehr wohin ausrückt

Insgesamt waren laut Angaben der Polizei 130 Einsatzkräfte bei dem Unfall. „Das waren sehr viele, es lag aber auch daran, dass aufgrund der Einsatzhäufung mehrere Feuerwehren alarmiert wurden. Die Bad Heilbrunner konnten beispielsweise schnell wieder abrücken“, so Fuchsgruber. Die Anstrengung durch das hohe Aufkommen sei noch in einem erträglichen Rahmen gewesen. „Natürlich war es anspruchsvoll, zumal wir das alle ehrenamtlich machen.“ Sprich: In der Freizeit und ohne Bezahlung. „Aber jeder kann sich beim Einsatzleiter melden, wenn er psychisch, physisch oder zeitlich an die Grenze kommt“, sagt er. Durch die regelmäßigen Übungen seien alle gut vorbereitet gewesen. „Ich bin immer angespannt, solange noch Menschen in dem Gebäude sind. Sobald klar war, dass niemand mehr im Haus ist, ging eigentlich das Einmaleins eines Feuerwehrmannes los.“

Stefan Kießkalt: „Waren bestens gewappnet“

Alles andere als auf eine Faustformel zurückgreifen konnte zur selben Zeit die Reichersbeurer Wehr. Das Güllefass, das in die Bahngleise gerutscht war, musste erst abgepumpt und dann weggehoben werden. „So ein Einsatz ist etwas Exotisches, da trifft man ein, und muss erst mal überlegen, wie man an die Situation am sinnvollsten herangeht“, meint Kommandant Thomas Eiler. Eine zusätzliche Herausforderung sei bei den Einsätzen die nasse Kleidung gewesen. Thomas Jaud, Kommandant der Ellbacher Wehr, berichtet: „Da es stark geregnet hat, war selbst die Hightech- Kleidung irgendwann feucht und klamm.“ Die Ellbacher Kräfte seien zwar zwischen den Einsätzen kurz im Feuerwehrhaus angekommen. Aber: „Da war nicht mal Zeit, um kurz was zu essen, bis wir sofort los mussten“, so Jaud.

Auf der B13 wurden fünf junge Leute bei einem Unfall teils schwer verletzt. Die Feuerwehren bewältigten alles, teils parallel
Auf der B13 wurden fünf junge Leute bei einem Unfall teils schwer verletzt. Die Feuerwehren bewältigten alles, teils parallel. © Feuerwehr bad Tölz

Fuchsgruber rückte nach eigner Schilderung gegen 16.45 Uhr aus und war erst gegen 1.30 Uhr wieder zu Hause. „Nach dem Unfall haben wir den Einsatz trotz später Stunde nachbesprochen“, sagt er. Dies sei sehr wichtig. „Erst der Mann mit den schlimmen Verbrennungen und dann die jungen, teils schwerst verletzten Insassen bei dem Autounfall, das ist schon nicht ohne gewesen.“

„Mental hat es einige Kameraden gepackt“

Während bei dem Unfall auf den Gleisen niemand verletzt wurde – der aus Tölz kommende Zug bremste noch in letzter Sekunde –, wurden die Einsatzkräfte bei dem Verkehrsunfall mit schlimmeren Bildern konfrontiert. „Nach diesem Einsatz hatten auch wir einen erhöhten Gesprächsbedarf. Mental hat das einige Kameraden gepackt“, berichtet der Reichersbeurer Kommandant Eiler. Für diese Fälle gebe es die Psychosoziale Notfallversorgung in den Feuerwehren. „Und notfalls kümmert sich das Kriseninterventionsteam“, fügt Fuchsgruber hinzu. „Es war ohnehin für die Ersthelfer und die Angehörigen anwesend.“

In der kommenden Übung der Ellbacher Feuerwehr – die ebenfalls sowohl bei dem Brand als auch dem Unfall im Einsatz war – werde der Freitag noch ausführlich nachgesprochen. „Bisher hat keiner den Anschein gemacht, dass er es nicht weggesteckt hätte, aber das kann man nie wissen“, meint Jaud. Aufarbeiten könne man unter den Kameraden vieles gut. „Aber die Möglichkeit anzubieten, ist unabdingbar. Schließlich sind derart große Einsätze bei uns als kleine Feuerwehr nicht auf der Tagesordnung.“

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