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Herausragende Musiker: „Dreiviertelblut“ um Lokalmatador Sebastian Horn (Mitte) spielten im Kurhaus „folklorefreie Volksmusik“.

Konzert

„Dreiviertelblut“ im Kurhaus Bad Tölz: Stehende Ovationen

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Es beginnt mit der „Wahrheit“ und endet im „Paradies“: Ein Abend mit „Dreiviertelblut“ im Kurhaus.

Bad Tölz – Gleich mit dem ersten Stück wird klar: Das wird kein Abend der Konventionen, des Gewohnten, des Erwartbaren. Als die Musiker von „Dreiviertelblut“ die Bühne betreten, allen voran Lokalmatador Sebastian Horn, ertönen sphärische Klänge. „Die Erde ist flach, die Sunn is mei Mond“, singt Horn im Lied „Wahrheit“ vom neuen Album „Diskothek Maria Elend“. Innerhalb dieses einen Liedes wird das Tempo gewechselt, den ganzen Abend wird es dem Publikum nicht leicht gemacht, „Dreiviertelblut“ einem Genre zuzuordnen.

„Folklorefreie Volksmusik“ nennen sie es selber, was sie auf die Bühne zaubern. Mit Überraschungseffekten inklusive. Wenn man einen gewissen Ton erwartet, kommt bestimmt ein anderer. Dem Publikum im Tölzer Kurhaus gefällt es vom ersten Takt an. Es ist vom Alter her bunt gemischt – genauso wie die Themen der Lieder. Eines dreht sich darum, wie Horn als Kind in eine Odelgrube gefallen ist – „in Greiling“. Ein Nachbars-Mädchen habe ihn rausgezogen. „Ich habe mich nie wirklich bedankt. Deshalb gibt es dieses Lied.“

Dem Publikum im Tölzer Kurhaus gefiel das Konzert vom ersten Takt an. Am Ende gab’s stehende Ovationen.

Zwischen den Stücken erzählen Sebastian Horn und Gerd Baumann Anekdoten. Baumann berichtet von einem vermeintlichen Traum, ziemlich verrückt und genau deswegen wirklich lustig, während sogar seine Bandkollegen von Zeit zu Zeit die Stirn runzeln und ins Schmunzeln kommen. Da ist nichts vorher geplant, einiges kommt einfach in dem Moment zustande.

Horn singt von einem schönen Mädchen, das er im Eiscafé kennenlernt. Dann verwandelt sich die junge Frau plötzlich in einen Werwolf, der nach Blut lechzt. Da ist es wieder, das Unerwartete. Wie man auf solche Texte kommt, fragen sich in der Pause nicht wenige Besucher.

Es gibt auch ein wenig Klamauk: Ein Lied, „der Wiesnhit 2027“, wie Horn sagt, in dem es ums Biertrinken geht. Aber schon im nächsten Moment wird es ernst, beim Lied über den unbekannten Soldaten, der aus dem Grab herausblickt und sich fragt, wofür er gestorben ist. Nachdenklich auch das Stück über Georg Elser, den verhinderten Hitler-Attentäter. Die Liedermacher lassen ihn einen letzten Liebesbrief an seine Frau schreiben.

Immer wieder merkt man, welch herausragende Musiker sich hier gefunden haben. Dominic Glöbl an der Trompete, Luke Cyrus Goetze an der Gitarre, der Geretsrieder Benny Schäfer am Kontrabass, Flurin Mück am Schlagzeug. Für den erkrankten Klarinettisten Florian Riedl ist spontan Trompeter Andreas Unterreiner eingesprungen, der sich problemlos in die Gruppe einfügt.

Es wird politisch

Es wird auch politisch: „Schwarz und Weiß, des is vorbei“, singt Horn. „Mir san ned nur mir“. Und lässt zwischendurch in Trump-Manier donnernd den Ausspruch „America first“ einfließen. Auch das Publikum wird aufgefordert, zu interagieren. Mal darf es mitsingen, mal bei einem Frage- und Antwort-Spiel „Ja“ oder „Na“ rufen. „Damit ihr nicht zu gute Laune bekommt, fahren wir jetzt wieder runter“, kündigt Baumann einmal an. „Es kommt ein Lied, das fürchterlich viel politisch sagen wollte, aber dann ein Lied über das Wetter geworden ist.“ Klar ist aber, dass man in das Stück „Der Sturm“ auch viel mehr als Wetter hineininterpretieren kann.

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Nur zweimal bedienen sich „Dreiviertelblut“ bei anderen Künstlern. Vom österreichischen Liedermacher Ludwig Hirsch covern sie gekonnt „I lieg am Ruckn“, ein Lied, über einen, der in einem Sarg liegt. Und als nach tosendem Applaus die erste Zugabe folgt, ist es die bayerische Version des „The Cure“-Songs „A forest“. Dann kommt der „Deifedanz“ – und jetzt tanzt nicht nur Horn wie entfesselt auf der Bühne, auch die Zuschauer stehen von ihren Plätzen auf und gehen begeistert mit. Stehen bleibt das Publikum auch nach der letzten Zugabe „Paradies“ und spendet lang anhaltenden Applaus.

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