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Vor Ort an der Partnerschule am Lettenholz: Schulleiterin Bärbel Weixner (3.v.re.) führte die Mitglieder des Tölzer Rotary-Clubs durch Schulhaus und -garten.

Rotary-Club

Dringend benötigte Hilfe für Lettenholzschule

Bad Tölz – Sehr nüchtern formuliert der Rotary-Club Bad Tölz sein Projekt an der Lettenholz-Grundschule: „Finanzierung der Hausaufgabenbetreuung“, steht auf der Internetseite. Was sich dahinter eigentlich verbirgt, zeigte vor Kurzem ein Rundgang durch die Schule.

Dabei zeigte sich, dass der Club nicht nur die Hausaufgabenbetreuung unterstützt. Inzwischen liegt der Schwerpunkt auf der Förderung von Integration, zum Beispiel in Form von Deutschkursen für Flüchtlingskinder. Clubschatzmeister Peter Rössler erläuterte: „In den vergangenen drei Jahren sind 15 000 Euro bewegt worden.“ Und dabei wird es nicht bleiben: Für die geplante Schulbücherei will der Club ebenfalls Gelder zur Verfügung stellen.

Wie notwendig die Hilfe ist, belegte auch Schulleiterin Bärbel Weixner: „Im kommenden Schuljahr werden aus unseren beiden 2. Klassen drei 3. Klassen werden. Durch die Flüchtlingskinder haben wir die Teilungsgrenze erreicht.“ Jetzt wird gerade ein neuer Klassenraum gesucht und hergerichtet. „Wir hoffen natürlich, dass alles rechtzeitig fertig wird“, sagte die Pädagogin. Allerdings sei die Kommunikation mit der Stadtverwaltung schwierig, fügte sie mit Blick auf Clubmitglied und Stadtrat Florian Rein hinzu, der ebenfalls unter den Zuhörern war. Der ergriff in einem anderen Zusammenhang das Wort und sagte: „Es ist schwer, geeignete Leute für die Deutsch-Kurse zu finden, denn sie finden am Vormittag statt.“

Auch an anderen Tölzer Grundschulen will sich der Rotary-Club engagieren, wie bei dem Termin deutlich wurde. An der Südschule beispielsweise sollen spezielle Angebote für traumatisierte Flüchtlingskinder auf die Beine gestellt werden.

Für Betroffenheit sorgten die Berichte der Lehrkräfte über Kinder, die sich streng an den Ramadan halten. Im muslimischen Fastenmonat darf nur nach und vor Sonnenaufgang gegessen und getrunken werden. Manche Kinder weinten vor Hunger im Unterricht oder müssten sich sogar zwischendurch hinlegen. „Die Buben sind sehr gern beim Sport dabei, aber danach sind sie erschöpft“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Neuburger. Besonders streng gehe es in syrischen und afghanischen Familien zu. „Mit den türkischen Familien hatten wir noch nie Probleme“, sagte Neuburger.

Mit den Flüchtlings-Kindern machen die Lehrkräfte vollkommen neue Erfahrungen. „Sie verweigern jeden Schluck Wasser, auch wenn es ihnen schlecht geht“, erklärte Lehrerin Sarah Majoris. Die Lehrer stünden in einer Zwickmühle, denn: „Wenn sie in der Schule den Ramadan brechen, schicken sie die Eltern nicht mehr her“, sagte Weixner. „Aber diese Kinder gehen sehr gern zur Schule.“

Birgit Botzenhart

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