Ein Richter bei der Arbeit: Der Murnauer musste sich am Amtsgericht verantworten (Symbolfoto).
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Vor Gericht musste sich jetzt ein 22-Jähriger aus Bad Tölz verantworten.

Amtsgericht

Drogen, gefälschte Kennzeichen und Unfallflucht: Vorbestrafter Tölzer (22) kommt mit Bewährung davon

  • vonRudi Stallein
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Es war wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Noch einmal kam ein junger Tölzer mit einer Bewährungsstrafe davon. Dabei liegt seine letzte Verurteilung nur ein halbes Jahr zurück.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Der Angeklagte war erleichtert, dass der Richter ihm in Aussicht stellte, ihn „nicht gleich einsperren“ zu wollen. Ein umfassendes Geständnis vorausgesetzt, könne er noch einmal mit Haftverschonung davonkommen. Das kommt für den 22-jährigen Tölzer einem verfrühten Weihnachtsgeschenk gleich. Denn erst heuer im Mai war er wegen Drogenhandel zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

22-Jähriger muss sich für eine ganze Latte an Vergehen verantworten

Nun saß er erneut auf der Anklagebank und musste sich gleich für eine ganze Latte von Vergehen verantworten: Die Staatsanwaltschaft legte dem jungen Mann fahrlässige Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Kennzeichenmissbrauch und Unfallflucht sowie in einem weiteren Verfahren unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zur Last.

„Beide Anklagen sind richtig“, gestand der 22-Jährige, nachdem der Vorsitzende Richter zu verstehen gegeben hatte, dass sein Geduldsfaden noch einer letzten Zerreißprobe standhalten könnte. Am 5. Dezember vorigen Jahres kurvte der Beschuldigte mit einem Opel Astra durch die Stadt, obwohl er keinen Führerschein hatte. Die Fahrerlaubnis war ihm vor zwei Jahre nach Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz entzogen worden. Außerdem hatte er laut Anklageschrift an seinem Fahrzeug gefälschte Kennzeichen angebracht.

„Das war eine dumme Idee“, räumte der Angeklagte ein

„Das war eine dumme Idee“, räumte der Angeklagte ein. Die Kennzeichen stammten aus der „Produktion“ eines Freundes, der wegen ähnlicher Delikte im Sommer zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteil worden ist. Während seiner Rundfahrt bemerkte der Angeklagte zu spät, dass ein Auto vor ihm bremsen musste. Er krachte gegen den Ford Fiesta – und brauste über die rote Ampel davon. „Ich war in Panik. Ich wusste ja nicht, wie es weitergeht“, begründete der Tölzer seine Affekthandlung, dem damals bereits bekannt war, dass wegen Drogenhandel gegen ihn ermittelt wurde.

Trotz der laufenden Ermittlungen hatte er am 2. April, wenige Wochen vor seiner letzten Verhandlung, sieben Gramm Marihuana dabei, als er erneut von der Polizei kontrolliert wurde. „Sie bewegen sich auf dünnem Eis“, hielt Richter Helmut Berger dem Angeklagten vor, der erst kurz vor der aktuellen Verhandlung aus einem zweiwöchigen „Warnschussarrest“ entlassen worden war.

Tölzer steht nun unter zwei laufenden Bewährungen

Die Staatsanwältin zählte eine Reihe von Minuspunkten auf: „Er ist einschlägig vorbestraft, gefälschte Kennzeichen sprechen für kriminelle Energie, die Rückfallgeschwindigkeit ist enorm, und er lässt sich durch laufende Ermittlungsverfahren nicht abschrecken.“ Dennoch könne die beantragte Strafe von zehn Monaten noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden. „Er bekommt eine Chance, aber es ist die letzte“, so die Anklagevertreterin. Der Verteidiger schloss sich dem an, wohlwissend, dass „auch eine Strafe ohne Bewährung denkbar wäre“. Richter Berger folgte in seinem Urteil dem „sehr moderaten Antrag“.

Als Bewährungsauflage muss der derzeit arbeitslose Angeklagte 100 Stunden Sozialdienst verrichten. Zudem wurde er angewiesen, für die Dauer der Bewährungszeit jeglichen Konsum illegaler Betäubungsmittel zu unterlassen. Darüber hinaus darf dem Verurteilten vor Ablauf von noch 18 Monaten keine neue Fahrerlaubnis ausgestellt werden. „Das sind jetzt zwei offene Bewährungen“, rechnete der Richter dem 22-Jährigen vor. „Wenn die widerrufen werden, kracht’s richtig.“

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