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Vor allem im Ausbau von Ladestationen für den gewerblichen Bereich und im öffentlichen Straßenraum sehen die Stadtwerke einen wichtigen Markt.

Stadtrat Bad Tölz

„E-Mobilität kommt mit Wucht“

Bei der vergangenen Tölzer Stadtratssitzung war E-Mobilität ein großes Thema. Dazu äußerte sich auch der Vertriebsleiter der Stadtwerke Michael Betzl. 

Bad Tölz – Dass an der E-Mobilität kein Weg mehr vorbeigeht, daran besteht kein ernsthafter Zweifel, seit Politik und die mächtige Autoindustrie entsprechende Weichen gestellt haben. „Aber sie kommt mit einer Wucht, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, war das Fazit von Michael Betzl im Tölzer Stadtrat. Der Stadtwerke-Vertriebsleiter war eingeladen worden, um über E-Mobilität aus der Sicht eines kommunalen Dienstleisters zu sprechen.

Zweites Fazit: Die Stadtwerke werden diese Geschäftsfelder nicht anderen überlassen und sich entsprechend aufstellen. Vor allem im Ausbau von Ladestationen für den gewerblichen Bereich und im öffentlichen Straßenraum sehe man als Stadtwerke einen wichtigen Markt. Betzl nannte einige interessante Fakten. In der Schweiz sei das Elektroauto Tesla inzwischen der am vierthäufigst zugelassene Wagentyp. In Deutschland noch undenkbar – auch wegen vieler bürokratischer Hürden. So ist bei Eigentümergemeinschaften in Wohnblöcken bislang Einstimmigkeit für den Bau von Ladestationen vorgesehen. Diese gesetzliche Regel werde noch heuer mit großer Sicherheit fallen, sagte Betzl. Auch sei ein Boom beim Einbau privater Ladestationen zu erwarten, wenn erst einmal die Frage der staatlichen Förderung gelöst sei.

Praxistag E-Mobilität am 9. Mai geplant 

Die Stadtwerke ihrerseits werden bei einem Praxistag E-Mobilität am 9. Mai ihre Initiativen vorstellen. Derzeit planen sie zum Beispiel einen E-Bike-Bonus für Familien. Mit dem Zuschuss für die Anschaffung eines E-Transportrads soll laut Betzl ein Anreiz geschaffen werden, damit Familien auf einen Zweitwagen verzichten. Diesen Vorstoß griff Franz Mayer (Grüne) in der Diskussion dankbar auf und verwies darauf, dass der Stadtrat jüngst eine Förderung von E-Lastenfahrrädern abgelehnt habe. Mayer freute sich, dass das jetzt trotzdem komme.

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Peter Wiedemann (FWG) wunderte sich über die genannten Zahlen. Dass 43 Prozent des Strombedarfs regenerativ gedeckt werden, könne er so nicht nachvollziehen. Er habe in der „Welt“ dieser Tage eine Zahl von 13,8 Prozent gelesen. Das sei der Primärenergieeinsatz bei der Erzeugung von Energie, und zwar nicht nur Strom. Seine 42,8 Prozent seien der regenerative Anteil am Stromverbrauch, erklärte Betzl auf Nachfrage des Tölzer Kurier. „Das sind völlig unterschiedliche Zahlen.“

Weitere Themen:  Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr

Betzls Vortrag war eigens verlegt worden und sollte den Tagesordnungspunkt „Schaffung eines Klimabeirats“ einleiten, der sich um kommunale Belange wie Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr sowie E-Mobilität kümmern soll. Dieser FWG-Antrag wurde zwar angenommen. Allerdings sollen Besetzung und inhaltliche Ausrichtung auf Vorschlag der Verwaltung erst im neuen Stadtrat beschlossen werden.

So ein Grundsatzbeschluss sei, spottete Christof Botzenhart (CSU), immerhin ein sehr positiver Wahlkampfbeitrag. So einen Satz könne tatsächlich jeder mittragen: „Der Stadtrat befürwortet grundsätzlich den Klimaschutz.“ Er wolle die guten Absichten nicht in Frage stellen, aber: „Seid mir nicht böse: Das ist vergeudete Zeit.“

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Einen Schritt weiter ging Jürgen Renner (SPD), der mit Josef Steigenberger (CSU) gegen die Schaffung eines Klimabeirats stimmte. Er halte es „für ein bisschen vermessen“, wenn dem künftigen neuen Stadtrat und Bürgermeister das Klimathema mit einer solchen Priorität vorgegeben werde. „Das sollte man dem neuen Gremium überlassen.“ Michael Lindmair verteidigte die FWG-Position. Die Weitergabe von Erfahrung aus der Arbeit der letzten sechs Jahre sei nicht vermessen. Der alte Stadtrat dürfe sehr wohl einen Rat geben. Wahltaktisch habe sich die FWG auch nicht verhalten, sondern nur auf die Diskussionen im Stadtrat reagiert.

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