Stromert durchs Oberland: Barthi Steiner fährt einen umgerüsteten Suzuki. Er findet, dass viele Haushalte ihren Zweitwagen durch ein E-Auto ersetzen könnten. 

Die E-Prämie elektrisiert vielleicht auch das Tölzer Land

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Bad Tölz - Elektroautos haben im Tölzer Land noch Seltenheitswert. Der Bund will Autofahrer nun mit einem Kaufzuschuss zum Umstieg auf E-Autos bewegen. Ob das Programm den leisen Mobilen aber zum Durchbruch verhilft, daran bestehen Zweifel.

Stadtwerkechef Walter Huber ist so etwas wie ein E-Auto-Pionier. Schon vor vielen Jahren ist er mit einem elektrisch betriebenen Golf durch München gestromert. Bad Tölz elektrisiert er mit Öko-Strom und Ladestationen. Selbstredend sind auch die Mitarbeiter der Stadtwerke mit drei solchen Fahrzeugen unterwegs. Mit Einschränkungen könnte man Huber einen Fan dieser stetig populärer werdenden Technik nennen. Und er ist überzeugt, „die E-Mobilität wird kommen“. Wenn auch nicht gleich. Und schon gar nicht durch das jüngst beschlossene Förderprogramm.

Für den Stadtwerkechef ist dieses Programm nämlich ein Unding. „Ich halte nicht viel von dieser Massenförderung“, macht Huber deutlich. Er ist überzeugt, dass die Gesamtfördersumme von 1,2 Milliarden Euro schlecht angelegt ist. Der Ausbau der Infrastruktur – sprich Ladestationen – sei da doch wesentlich dringlicher. Bad Tölz sei in dieser Hinsicht längst auf dem richtigen Weg. Zwei Ladestationen, die mit Ökostrom gespeist werden, gibt es bereits. Eine dritte Stromtankstelle soll bald im Parkhaus an der Bockschützstraße entstehen. Wie häufig die Stationen tatsächlich genutzt werden, lasse sich leider nicht quantifizieren.

Den staatlichen Zuschuss werden die Stadtwerke als Käufer selber abrufen und bald ein Hybridfahrzeug anschaffen. Eine Anreizfunktion habe die Prämie Huber zufolge nämlich allemal. „Der ein oder andere wird sich die Anschaffung jetzt bestimmt überlegen“, vermutet er. Den Zuschuss hält er dennoch für falsch. Das Gros der E-Mobile werde schließlich von ausländischen Konzernen hergestellt. „Warum man mit deutschen Steuergeldern ausländische Autos fördert, verstehe ich nicht“, ärgert sich Huber. Irgendwann, denkt er, werden sich die E-Mobile aber durchsetzen. Dazu müssten sich die Batterien allerdings noch gewaltig verbessern. Der Energieexperte nennt ein Beispiel: „Um mit einem E-Auto 100 Kilometer weit zu kommen, brauchen Sie heute 400 Kilogramm Batterien. Mit 400 Litern Diesel kommen Sie 10 000 Kilometer weit.“ Um diesen Faktor 100 auszugleichen, seien wohl noch 25 Jahre Entwicklung vonnöten.

Thomas Auer steht der Prämie naturgemäß weitaus positiver gegenüber. Er ist Toyota-Vertragshändler und bietet Hybridfahrzeuge an, die ebenfalls gefördert werden sollen. Kaum wurden die Zuschüsse publik, stand auch schon ein Interessent auf der Matte, der sich nach einem Hybrid umsehen wollte. Auer glaubt ebenfalls, dass das Programm so manchen Autofahrer animiert, zumindest über einen Umstieg nachzudenken. Über die grundsätzliche Sinnhaftigkeit des Programms lasse sich hingegen durchaus streiten. „Für uns ist es aber gut, wir werden davon profitieren“, sagt der Geschäftsführer.

Toyota biete aber auch Autos an, deren „Technik frei von Zwängen ist“. Sprich: Durch die Verbindung von Elektro- und Verbrennungsmotor müsse sich der Fahrer keinerlei Gedanken über die Reichweite machen. Zudem sei die Technologie millionenfach erprobt und sehr zuverlässig. Beim E-Antrieb hingegen gebe es noch zu viele Unwägbarkeiten. Solange es keine flächendeckende Infrastruktur gebe, machten 4000 Euro Prämie den Kauf eines Elektroautos nicht interessant.

Marion Schreindl vom gleichnamigen Tölzer Nissan-Händler ist höchst erfreut über die geplanten Kaufanreize. „Wir haben schon lange darauf gewartet“, sagt die Geschäftsführerin. Sie habe bereits Nachricht vom Vertragspartner erhalten. Nissan lege zusätzlich zur Prämie, die zur Hälfe ohnehin von den Herstellern getragen wird, 1000 Euro drauf. Sie hofft vor allem, dass der Anreiz mehr Privatkunden lockt. Im Gegensatz zu gewerblichen Kunden sei deren Nachfrage nämlich noch recht zurückhaltend. Laut Landratsamt waren im Februar 83 E-Autos im Landkreis angemeldet.

Barthi Steiner kann nur jedermann empfehlen, auf ein elektrisch angetriebenes Auto zu setzen. Seit über einem Jahr ist der angehende Kfz-Mechatroniker im Besitz eines Stromers. Der Kleinhartpenninger sagt: „Ich bin sehr zufrieden und habe den Kauf nicht bereut.“ Er findet, dass viele Haushalte ihr Zweitauto schon jetzt durch ein E-Auto ersetzen könnten.

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