+
Ärgernis in den Großstädten: E-Scooter sind der neue Trend – der im Landkreis allerdings noch nicht angekommen is t. 

Neues Fortbewegungsmittel

E-Scooter zugelassen: So ist die Situation in Bad Tölz-Wolfratshausen

Elektrische Tretroller dürfen seit rund acht Wochen auf Radwegen und Straßen fahren. Wir haben uns umgehört, wie sich seither Angebot und Nachfrage im Landkreis entwickeln.

Bad Tölz-Wolfratshausen „Ein grandioses Gefühl“, meint der eine, „kein Thema in unserer Region“, sagt der andere. Die Meinungen über E-Scooter gehen weit auseinander. Seit rund acht Wochen sind die elektrischen Tretroller auf Radwegen und auf der Straße zugelassen. Die Gefährte sorgen für große Diskussionen – etwa in München: Über 400 Anzeigen gab es allein wegen Alkoholfahrten.

Im Landkreis sieht man die Roller nur sehr selten, auch deshalb, weil es sie fast nirgends zu kaufen gibt. „Scooter haben wir nicht im Sortiment“, erklärt ein Mitarbeiter des Fahrradgeschäfts Oswald in Wolfratshausen. Zwischen Mountainbikes, Trekkingrädern und Drahteseln mit Elektromotor sei kein Platz für das neumodische Fortbewegungsmittel. Die Kunden stört die Angebotslücke nicht: „Anfragen gibt es fast gar keine, ganz vereinzelt informieren sich manchmal Leute, ob wir Scooter führen.“

Ähnlich äußert sich der Tölzer Fahrradhändler Josef Riedelsheimer. „Wir haben das Thema E-Scooter besprochen und behalten es mal im Hinterkopf“, sagt er. „Aber momentan bieten wir sie nicht an und wissen auch noch nicht, ob das für uns einmal interessant wird.“ Die E-Roller seien „eine ganz andere Schiene“ als der Fahrradverkauf. Riedelsheimer glaubt nicht, dass sich die Erweiterung des Angebots derzeit lohnen würde: „Große Nachfragen nach den Geräten gibt es nicht.“

Das gilt auch für das Isartaler Zweiradhaus in Geretsried. „Ein paar Leute haben danach gefragt“, berichtet Inhabber Richard Worm. Er möchte künftig eine kleine Auswahl an E-Scootern anbieten. „Wir haben uns einige Modelle auf einer Messe in Köln angesehen“, erklärt Worm. Ihm sei klar, dass das Thema „ein heißes Eisen“ ist. Deshalb lege er Wert darauf, sichere und geprüfte Scooter anzubieten. Die Kunden müssten sich aber noch gedulden: Frühestens „in ein paar Wochen“ gibt es die Roller in Geretsried zu kaufen. „Vielleicht steigt auch die Nachfrage, wenn man die ersten Leute damit auf der Straße herumfahren sieht.“ Bei vielen Produkten, bei denen der Verkauf anfangs schleppend läuft, gebe es diese „Sogwirkung“.

Das Unternehmen „naturesports“ aus Lenggries bietet auf seiner Homepage E-Scooter zum Verleih an. Geschäftsführer Nick Boettger ist selbst ein großer Fan davon: „Ich war bei meinen Fahrten begeistert von dem Spaßfaktor.“ Die Ausflüge auf den Elektro-Zweirädern „sind ein grandioses Gefühl“. Vor allem für Trips durch die Natur in und um Lenggries möchte der 38-Jährige die Geräte anbieten. „Die Scooter eignen sich super für schöne Touren.“ Bislang hält sich die Nachfrage aber noch in Grenzen: „Wir haben das noch nicht wirklich beworben“, sagt Boettger, der noch einige „spezielle Angebote für die Roller schnüren“ möchte.

Der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat sich mit dem Thema E-Scooter noch nicht intensiver befasst. „Ich glaube, dass das vor allem ein Großstadt-Phänomen ist“, sagt Sprecherin Josefine Hopfes auf Nachfrage. „Die E-Scooter sind überhaupt kein Thema in unserer Region.“ Deshalb warte der ADFC zunächst ab, „wie sich das hier im Landkreis entwickelt“, sagt die Geretsriederin.

Vor der Zulassung der E-Scooter gab es auch im Landkreis große Bedenken: Der Seniorenbeirat und der Behindertenbeauftragte des Landkreises fürchteten um die Sicherheit von anderen Verkehrsteilnehmern. Zwar dürfen E-Scooter nach aktueller Rechtslage nicht – wie ursprünglich angedacht – auf Gehwegen fahren. Ganz ausgeräumt ist die Sorge damit aber nicht. Bislang ist die Angst aber unbegründet: „Es gab noch keine einzige Meldung bezüglich der E-Scooter“, sagt der Wolfratshauser Vize-Polizeichef Steffen Frühauf. Während sich in München Alkoholfahrten und Verkehrswidrigkeiten auf den elektrischen Tretrollern häufen, „ist bei uns fast niemand damit unterwegs“. Auf seinen Streifenfahrten hat Frühauf bislang „ein einziges Mal einen E-Scooter gesehen“.

Dominik Stallein

Lesen Sie auch: Diebe lieben Fahrräder - wie sie ihren Drahtesel schützen

Ebenfalls interessant: Geretsried: Zuschüsse für Lastenfahrräder ?

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kloster-Sanierung in Benediktbeuern: Start wird 2020 sein
Im Kloster Benediktbeuern laufen die Vorbereitungen für die umfangreiche Sanierung des Südarkadentrakts. Damit soll im Frühjahr 2020 begonnen werden.
Kloster-Sanierung in Benediktbeuern: Start wird 2020 sein
Knowhow aus Bichl für Nigeria
Auf Einladung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) informierten sich acht Frauen aus Nigeria über Wirtschaftskreisläufe im Oberland.
Knowhow aus Bichl für Nigeria
Winter-Wetter 2019/20: Kult-Orakel wagt mit uralter Methode Schnee-Vorhersage
An Kult-Orakel Sepp Haslinger und seinen Winterprognosen scheiden sich die Geister. Hier lesen sie, was er für das Winter-Wetter 2019/20 voraussagt. 
Winter-Wetter 2019/20: Kult-Orakel wagt mit uralter Methode Schnee-Vorhersage
Mehr Geld für den ÖPNV-Ausbau: Gedankenaustausch mit Landräten
Regionale, nicht nur ortsbezogene Konzepte fordert die „Oberland-Initiative für Ökologie & Verkehr“ (OL).
Mehr Geld für den ÖPNV-Ausbau: Gedankenaustausch mit Landräten

Kommentare