+
„Im Eishockey gibt es keine Hooligan-Szene“: Hans Staar (li.) berichtet im gut gefüllten Historischen Sitzungssaal über die Anfänge des Kufensports in Tölz sowie über die Meisterschaft von 1966 – vor genau 50 Jahren. 

ECT

„Wintermärchen“ und die Helden von ’66

Bad Tölz – Emotionen treiben die Menschen scharenweise ins Stadion: Der ehemalige Sportredakteur Hans Staar erzählt im Historischen Sitzungssaal Skurriles und Launiges über den ECT.

„Lasst Bilder sprechen.“ Unter der Devise stand der Vortrag „50 Jahre zweite Deutsche Meisterschaft des Tölzer Eisclubs – Wintermärchen 1966“, den der frühere Kurier-Sportredakteur Hans Staar im gut besetzten historischen Sitzungssaal des alten Tölzer Rathauses hielt. Mit zahlreichen Bildern zeigte er nicht nur das „Wintermärchen“, sondern die Entwicklung des Eishockey-Sports mit all seinen Facetten in der Tölzerstadt auf.

Passend dazu leitete Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr ein: „Eishockey ist ein Teil der Tölzer Identität.“ In dem interessanten und abwechslungsreichen Vortrag, zu dem der „Historische Verein“ geladen hatte, begrüßte Staar neben der aktuellen Vereinsführung „die Helden meiner Kindheit und Jugend“: Mit Walter Riedl, Georg Eberl, Heinz Bader, Willi Gerg, Toni Klett, Alois Mayer, Hans Schichtl, Peter Lax, Hans Brandner, Georg Lechner und Willi Leitner waren auch zwölf Spieler der Meistermannschaft von 1966 gekommen.

Der Referent räumte auch mit einigen „Märchen“ der Vereinshistorie auf. Nicht am 28. Januar 1928 wurde der Tölzer Eisclub ins Leben gerufen, sondern bereits im Dezember 1924 berichtete die Tölzer Zeitung über die Vereinsgründung. Auch waren die Eisstockschützen des Vereins bereits 1927 Deutscher Meister geworden, und die international erfolgreichste ECT-Sparte ist „nicht Eishockey, sondern die mittlerweile aufgelöste Curling-Abteilung“.

Unbestritten ist, dass Bruno Egger sen., der Vater des ehemaligen Zweiten Bürgermeisters, 1928 Eishockey nach Tölz gebracht hat. Nachdem anfangs auf Klammer- und Maxlweiher die Spiele auf Natureis ausgetragen wurden, baute man 1935 an der Peter-Freisl-Straße mit dem ehemaligen „Wellblech-Palast“ das erste Eisstadion. „Die Emotionen sind’s, die die Leute in großer Zahl in die Stadien treiben“, ist Staar überzeugt. Dass es dabei nur in seltenen Fällen zu Entgleisungen kommt – „im Eishockey gibt es eigentlich keine Hooligan-Szene“ – beleuchtete Staar genauso, wie die negativen Seiten des Sports. Etwa die zweimalige Insolvenz in den Jahren 2003 und 2009 des ECT. Dabei sei „die Pleite die dreisteste Form der Wettbewerbsverzerrung“. So steuerten zum Minus beim zweiten Konkurs alleine die Personalkosten rund „60 000 Euro bei – monatlich“. Auch von skurrilen Begebenheiten wusste Staar zu erzählen: „Einmal teilten sich die Pleite-Geschäftsführer von Riessersee und Landsberg in Stadelheim eine Zelle.“

Höhepunkt des Vortrags war eine Tondokumentation der TV-Übertragung durch Oskar Klose vom Endspiel zwischen Bad Tölz und Füssen am 6. Februar 1966. Mit dem 8:4-Sieg, den Staar als 15-Jähriger miterlebt hat, hatten die Isarwinkler in einem übervollen Stadion die zweite Deutsche Meisterschaft eingefahren. Ein Erfolg, den der damalige Kapitän Georg Eberl in einem Interview als „Höhepunkt meiner Karriere“ bezeichnet hat.

Zum Jubiläums-Spiel wurde die Partie der Tölzer Löwen gegen den EV Landshut (18 Uhr) am kommenden Sonntag auserkoren. Da werden „die Helden von 1966“ in der Hacker-Pschorr-Arena vor Ort sein, wobei im Rahmen der Feierlichkeiten auch eine Autogrammstunde mit ihnen eingeplant ist.

Übrigens: Die Meisterschale aus dem Jahr 1966 ist spurlos verschwunden. Über Hinweise zu deren Verbleib würden sich nicht nur der Historische Verein und der EC Bad Tölz freuen. Ein neues Exponat präsentierte Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker: Lenz Funk hat dem Stadtmuseum seine Bronzemedaille von den Olympischen Spielen 1976 überlassen.

Ewald Scheitterer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Das war Wahnsinn“
Feine, irische Folkmusik auf Instrumenten wie Akkordeon, Flöte und Gitarre füllte vor Kurzem die Räume der Alten Madlschule in Bad Tölz. Zu Ehren des heiligen Patrick …
„Das war Wahnsinn“
Alles im Fluss – wenn gut gebohrt ist
In gar manch bäuerlicher Werkstatt finden sich heute noch alte Werkzeuge, von denen die Jungen nicht wissen, wofür sie einst verwendet worden sind. Wenn diese alten …
Alles im Fluss – wenn gut gebohrt ist
Neue Hochglanz-Therme eröffnet am Montag - mit ungewöhnlicher Vorgabe
Nicht nur der Putzdienst hat in den vergangenen Tagen ganze Arbeit geleistet. Überall stehen Erholungsliegen, Orchideen und Palmen zieren Beckenrand und Ruhebereiche des …
Neue Hochglanz-Therme eröffnet am Montag - mit ungewöhnlicher Vorgabe
„Zammlebn“ gilt für alle
Auch mit denen, die aus der Fremde nach Deutschland kommen, zusammenleben – eben zammlebn: Das möchte der gleichnamige Verein aus Benediktbeuern tun.
„Zammlebn“ gilt für alle

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare