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Eine Ehe mit allen Rechten inklusive Adoption wollen viele Politiker auch für homosexuelle Paare ermöglichen.

Mehr Rechte für Schwule und Lesben?

Ehe für alle: Gleichstellung oder Gleichmacherei?

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Ehe für alle: Diesen politischen Vorstoß begrüßt der Verein der Schwulen und Lesben im Oberland. Der CDU-Kreisabgeordnete Alexander Radwan will dagegen stimmen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit einer Kehrtwende zum Thema „Ehe für alle“ hat am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel überrascht. Im Verein „Schutz“ für Schwule und Lesben in Bad Tölz und im Oberland ist die Zustimmung groß. „Dass es dafür einen Wahlkampf braucht, ist schade – aber wenn es nur so möglich ist: auch gut“, sagt die 2. Vorsitzende, Lisa Busch aus Lenggries.

Ohnehin findet es die 54-Jährige „etwas peinlich“, dass Deutschland bei der gleichgeschlechtlichen Ehe etlichen europäischen und außereuropäischen Ländern hinterherhinke. Sie sehe nicht ein, warum es eine „Zwei-Klassen-Ehe“ gebe. „Ich finde das diskriminierend.“ Busch verweist aufs Grundgesetz: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Bislang aber mache der Gesetzgeber einen Unterschied „zwischen Beziehungen, die gleich sind, die unter dem gleichen Ansinnen geschlossen und geführt und ab und an auch leider wieder beendet werden“.

Viele Jahre in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt hat der Tölzer Peter Priller (56). „Anfangs war das ja fast mit mehr Pflichten als Rechten verbunden“, erinnert er sich. Erst aufgrund von Urteilen des Bundesverfassungsgerichts sei im Lauf der Jahre die rechtliche Gleichstellung vorangeschritten, etwa im Erb- und Steuerrecht.

Die Unterschiede hätten bei ihm für eine gewisse Unsicherheit gesorgt, räumt Priller ein. „Ich wusste selbst nicht, ob es nun das gleiche war wie eine Ehe und ob es von allen genauso akzeptiert wird.“ Der alt-katholische Pfarrer, Sozialarbeiter und Grünen-Stadtrat selbst nennt das „internalisierte Rücksichtnahme“. Im Lauf der Jahre aber habe er festgestellt, dass es in seinem Zusammenleben mit Josef Hanfstängl († 2009) „keinen Unterschied“ zur Ehe gegeben habe.

Eine Adoption sei für beide früher „utopisch“ gewesen, später sei das Paar nicht mehr im richtigen Alter gewesen. Die Frage habe sich daher nie gestellt. Es sei auch nicht für jedes homosexuelle Paar erstrebenswert, in einer Ehe zusammenzuleben. „Manche alten 68er würden sich im Grab umdrehen“, sagt Priller. „Wir kämpfen da ja um völlig bürgerliche Ziele.“ Doch sowohl bei Ehe als auch bei Adoption gilt aus Prillers Sicht: Homosexuellen die Möglichkeit dazu zu eröffnen, sei „ein wichtiges Signal für die Gleichbehandlung und Gleichberechtigung“.

Gegner des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare führen häufig die Sorge ums Kindeswohl ins Feld. Das kann Lisa Busch nicht nachvollziehen: „Ich kenne einige gleichgeschlechtliche Paare, bei denen adoptierte Kinder aufwachsen. Und ich kann nur sagen, dass diese Kinder mindestens genauso gewünscht, geliebt, behütet und gut erzogen werden“, sagt sie. Hier hinke die Rechtsprechung der Wirklichkeit hinterher.

Und wie stehen die Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis zu der Frage? Ob die Ehe für alle tatsächlich ein Thema für eine Gewissensabstimmung ist, daran hat der CSU-Abgeordnete Alexander Radwan Zweifel. „Die Debatte, in der es in dieser Legislaturperiode tatsächlich um eine Gewissenentscheidung ging, war die über die Sterbehilfe. Das hat für mich schon noch einmal eine andere Qualität“, sagt er. „Die SPD will noch kurz vor der Wahl die Mehrheit mit Grünen und Linken nutzen“, so seine These.

Bei einer Bundestagsentscheidung über die Einführung der Ehe für alle würde Radwan nach Stand der Dinge dagegen stimmen. „Meine Position ist, dass homosexuelle Paare natürlich zusammenleben und aufgrund ihrer Lebensweise nicht diskriminiert werden dürfen, was etwa die Arbeitsstelle, die Wohnungssuche oder andere Bereiche des täglichen Lebens betrifft. Nicht-Diskriminierung ist für mich aber nicht gleichbedeutend mit Gleichmacherei in allen Lebensbereichen.“ Radwan verweist auf die natürliche Gegebenheit, dass aus einer homosexuellen Partnerschaft keine Kinder hervorgehen können. „Da sollte der Gesetzgeber auch kein juristisches Konstrukt schaffen, um diese Tatsache mit der Adoption zu untergraben.“

Der SPD-Abgeordnete Klaus Barthel war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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