Liebe im Lockdown: Corona stellt Paare vor eine Herausforderung. Ein Candle-Light-Dinner daheim kann da ein Lichtblick sein.
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Liebe im Lockdown: Corona stellt Paare vor eine Herausforderung. Ein Candle-Light-Dinner daheim kann da ein Lichtblick sein.

Eheberaterin aus Bad Tölz im Interview

Corona: Eine Chance für die Liebe

Die Corona-Krise beeinträchtigt auch das Liebesleben. Zum Valentinstag fragte der Tölzer Kurier eine Eheberaterin nach ihren Ratschlägen für belastete Paare.

Bad Tölz – Der Valentinstag ist der Tag der Liebenden. Doch auch auf die Liebe hat die Corona-Krise Auswirkungen. Darüber und über die Frage, wie die Partnerschaft die Pandemie gut übersteht, hat sich Kurier-Mitarbeiter Arndt Pröhl mit der Tölzer Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Barbara Schwendner unterhalten.

Frau Schwendner, können Sie in ihrer Praxis feststellen, dass das Miteinander unter Paaren in der Corona-Krise schwieriger geworden ist?

Auf jeden Fall. Ich erlebe die Paare wirklich mit neuen Herausforderungen kämpfend. Da gibt es die Alltagsprobleme und teilweise auch eine tiefe Verunsicherung. Die Menschen strengen sich sehr an, das alles zu schaffen, und kommen dabei an ihre Grenzen.

Womit haben Paare in dieser außergewöhnlichen Situation zu kämpfen?

Ein großer Bereich sind praktische Probleme und Sorgen. Existenzängste, die Angst, sich anzustecken oder den Alltag zu bewältigen. Sorgen um das Weiterkommen der Kinder in der Schule. Das sind alles Alltagsprobleme. Und man merkt schon, dass die Menschen weniger Ressourcen haben, wenn die üblichen Mittel nicht funktionieren, die Ventile, die man normalerweise hat, um mit Problemen zurechtzukommen – wie Sport, Freunde, Hobbys und Feiern. Das heißt, die Leute sind mehr auf sich selbst und die Partnerschaft zurückgeworfen. Deshalb werden tief liegende persönliche Probleme spürbarer und auch offene Fragen und Probleme in der Partnerschaft.

Barbara Schwendner, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin aus Bad Tölz.

Wie kann ein Paar aktiv versuchen, diese Probleme zu lösen?

Es gibt zwei Bereiche: die Alltagsprobleme und die tieferliegenden Probleme. Bei Alltagsproblemen hilft es, den Tag zu strukturieren. Kleine Highlights und Rituale einzubauen und sich auch etwas Schönes zu gönnen. Viel miteinander in konstruktiver Atmosphäre zu sprechen. Kontakte zu Freunden und Familie pflegen. Dann merkt man aber vielleicht: Das klappt nicht, und es gibt viel Streit und Spannungen. Da hilft es oft, einfach mal kurz an die frische Luft zu gehen, durchzuschnaufen und für Abstand zu sorgen. Sich auf Sekundärtugenden zu besinnen, wie Fairness, Höflichkeit und Verlässlichkeit. Solche Verhaltensweisen, die man im sozialen Umgang wie zum Beispiel dem Beruf braucht, die kann man auch hilfreich daheim im Umgang mit der Familie und dem Partner anwenden. Bei den tieferliegenden Paarfragen, bei Problemen, die die Partnerschaft ohnehin schon hat, ist diese Pandemie-Krise eine Aufforderung, sich selbst und den anderen intensiver und wieder neu kennenzulernen. Sich über Stärken, Schwächen, Ängste, Sehnsüchte und Bedürfnisse auszutauschen. Das kann enorm helfen, um Vertrauen und Sicherheit aufzubauen.

Bietet die Corona-Pandemie auch Chancen für die Partnerschaft?

Das kann ich eindeutig mit Ja beantworten. In der Regel helfen Krisen, sich auf Wesentliches zu besinnen. Auch bei Corona ist es so: Man kann in der Partnerschaft wieder mehr sehen, was man aneinander hat. Wir merken, gerade, wenn die Kontakte nach außen weniger werden, dass man viele Probleme gemeinsam bewältigen und Lasten teilen kann. Dass man den Blick aufeinander schärfen kann. Außerdem können Paare neue Interessen miteinander entwickeln und entdecken. Und sich auch insofern auf Wesentliches besinnen, dass sie zum Beispiel mehr Zeit für Sex und erotische Begegnungen haben.

Haben sie einen Tipp für einen gelungenen Valentinstag?

Ich würde empfehlen, sich im Vorfeld am Samstag mal zusammen zu setzen und miteinander zu sprechen, was könntest du dir vorstellen, was könnte ich mir vorstellen. Was würde uns beiden Freude machen. Sich ein wenig einzustimmen und auch mal zu hören, was macht mir und meinem Partner in dieser besonderen Situation überhaupt Freude. So etwas miteinander zu planen und sich so für einander zu interessieren, ist weit mehr wert und wichtiger als eine besondere Überraschung oder ein großes Geschenk.

Von Arndt Pröhl

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