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Der Umbau der Turnhalle auf der Flinthöhe soll im Sommer abgeschlossen sein. Kosten: 2,7 Millionen Euro. 

Ehemalige Flint-Kaserne 

Ein Hauch Zirkusluft in der Turnhalle

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Spätestens im Sommer soll die Kasernen-Turnhalle eröffnet werden. Sie bietet nicht nur die Voraussetzungen für alle Ballsportarten auf nationalem Niveau. Auch Badminton und, als Schmankerl, Akrobatik-Sport soll möglich sein. Nutzer der neuen alten Halle werden vor allem Vereine und die Jugendherberge sein.

Bad Tölz Sie hat schon was, diese 80 Jahre alte Turnhalle mit der gewölbten Decke, in der einst der Offiziersnachwuchs der Nazis und – nach dem Krieg – die US-Elite-Einheit Special Forces trainierten. Beim vor einem Jahr begonnenen Umbau der Halle auf der Flinthöhe wurden unter den abgebauten Racquetball-Courts Turmreste und Sprunggruben der Fallschirmspringer gefunden. Noch heute kleben im Speicher des Kasernenbaus Warnplakate der Junkerschul-Führung vor Sabotageakten. Im Sommer soll der voraussichtlich 2,7 Millionen Euro teure Umbau fertig sein.

Die alte Bausubstanz bot allerhand Überraschungen. Negative, wie zum Beispiel, dass der komplette Putz der Hallenwände abgeschlagen werden musste, weil die Amerikaner sie mit dem desinfizierenden Insektizid DDT behandelt hatten. Schon vor drei Jahren wurden 25 Tonnen Asbest aus dem Speicher geholt, berichtet Stefan Öttl vom Bauamt. Ersatz ist heute ungefährliche 1000-Grad-Steinwolle, die auf der Hallendecke ausgebracht wurde.

Es gab aber auch positive Entdeckungen. Die filigrane Stahlkonstruktion im Speicher ist tragfähiger, als man dachte. Gutachter, so berichtet Öttl, hätten über die vorbildlichen Abstände der Stahlträger zu den Brandwänden gestaunt. Mangelnde Distanz sei ein Fehler, der heute noch gemacht werde.

Öttl, der den Hallenumbau für die Stadt betreut, freut sich, dass so manche historische Details erhalten geblieben sind. Die Handläufe aus Eiche im Treppenhaus zum Beispiel oder der nach dem Abschleifen tadellose Schwingboden mit Parkett in der Halle. „Da gibt’s nichts Besseres.“ Es sei ein flächenelastischer Boden. Das sei viel besser bei verletzungsanfälligen Sportarten wie zum Beispiel Handball.

In einem neu errichteten Anbau zum Sportplatz hin werden künftig Tore, Stangen und Vereinsspinde untergebracht. In Nebenräumen, wo früher unter anderem die Sauna der Amerikaner war, finden sich künftig Umkleiden und Duschen. Alle Leitungen und die Elektrik sind neu.

Auf den ersten Blick ist nicht sichtbar, dass enorm viel Hightech in der alten Halle verbaut wurde. Derzeit werden die Deckenelemente angebracht, die aus recyclingfähigen Mineralstoffmatten bestehen. Sie verbessern die bisher miserable und übermäßig laute Akustik der alten Kasernenhalle drastisch.

Eine Besonderheit der Halle ist die Heizung über Deckenstrahlemente, die eine sehr schnelle Erwärmung garantieren. Öttl ist auch auf die Beleuchtung mit vier LED-Lichtlinien stolz. Sie sind eher unscheinbar, erzeugen aber bis zu 750 Lux Leuchtstärke. Das reicht für nationale Wettkämpfe, erläutert Öttl. Interessant am Rande: Um internationalen Standards zu genügen, müsste die Beleuchtung ultra-HD-tauglich für Fernsehübertragungen sein.

Handball, Volleyball, Basketball: Die Sportler aus den Tölzer Vereinen werden in der 20 mal 45 Meter großen Halle optimale Bedingungen vorfinden. Genau wie die Badminton-Spieler des Racquetballvereins.

Momentan arbeitet Öttl an den technischen Voraussetzungen für ein weiteres Hallen-Highlight. Die Jugendherberge, die schon die alte Halle gerne nutzte, will Akrobatik-Kurse anbieten. Zum Beispiel Sport mit Vertikaltuch oder -stange. Wie im Zirkus werden dabei an herabhängenden Tüchern (oder einer sich schwingenden Stange) akrobatische Übungen geturnt.

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