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Die Brücke: In Wirklichkeit stand sie an der Loisach bei Heilbrunn. Der berühmte Film wurde in Cham in der Oberpfalz gedreht. Beide Flussübergänge existieren nicht mehr.

Zum 90. Geburtstag am 7. März

Ehrung für Brücke-Autor Gregor Dorfmeister

Mit einer Ehrung und Sondervorführungen seiner Filmklassiker „Die Brücke“ und „Stadt ohne Mitleid“ wird  an den im vergangenen Jahr verstorbenen Gregor Dorfmeister erinnert. 

Bad Tölz – Vor einem Jahr ist Gregor Dorfmeister im Alter von 88 Jahren gestorben. Fast 40 Jahre war er Redaktionsleiter des Tölzer Kurier. Mit seinen drei Büchern, allen voran natürlich dem Antikriegsroman „Die Brücke“, hat er sich, man darf das so sagen, einen weltweiten Ruf erworben. In Russland, wo es Lew Kopelew besprach, gehörte das Buch über die sinnlose Verteidigung einer Brücke und den Opfergang von sieben Kinder-Soldaten zu den meistgelesenen West-Büchern überhaupt.

Ein Jahr nach seinem Tod wird dem Tölzer, der mit dem Buch seine Kriegserlebnisse in den Apriltagen 1945 nahe Bad Heilbrunn und in Bad Tölz literarisch verarbeitete, nun eine große Ehre zuteil: Rund um seinen 90. Geburtstag am 7. März wird das Tölzer Kino Capitol im Rahmen seiner Filmklassiker-Reihe sowohl „Die Brücke“ als auch „Stadt ohne Mitleid“ zeigen. Damit nicht genug. Die Stadt Bad Tölz wird bei der Vorführung am Donnerstag, 7. März, um 20 Uhr im Capitol auch bekannt geben, in welcher Form sie das Andenken an Gregor Dorfmeister hochhalten möchte. Er soll, so kündigt es Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart an, „eine ganz besondere Würdigung erhalten“.

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„Er hat dieses Andenken auch verdient“, sagt Cordula Trantow, die in der „Brücke“-Verfilmung von Bernhard Wicki das Schulmädchen Franziska verkörperte. Dorfmeister sei, so erzählt sie, ein sympathischer und kluger Mensch gewesen.

Die heutige Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin empfindet den Film bis heute „als Geschenk: Danach öffneten sich wie auf magische Weise Türen in meinem Beruf. Ich musste nie mehr kämpfen.“ Lebhaft erinnert sich Cordula Trantow auch an den Filmsommer 1959. „Was man in der Jugend erlebt, das prägt.“ Die ganze Crew habe sich gut verstanden. Geblieben sei eine große Verbundenheit.

Gregor Dorfmeister.

In der Tat. 2005 hat der Schauspieler Volker Lechtenbrink (im Film einer der sieben Jugendlichen) eine Matinee mit den noch lebenden „Brückianern“ im renommierten Hamburger Ernst-Deutsch-Theater veranstaltet. Die Lesung war ausverkauft. Auch Dorfmeister war da. „Das war berührend“, erzählte Lechtenbrink damals dem Tölzer Kurier und berichtete von einem unveränderten Umgang der „Brücke“-Protagnisten miteinander: „Freundschaftlich, behutsam, flapsig und respektvoll.“

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„Unvergesslich“ sei’s gewesen, sagt auch ein weiterer „Brücke“-Darsteller, der mit dem Film eine große Schauspielerkarriere begründete: Fritz Wepper, heute 77, mimte Albert Mutz, also den einzig Überlebenden der Gruppe – in Wirklichkeit also Gregor Dorfmeister. Das ist Wepper auch heute noch sehr bewusst, wenn er über den Autor und überzeugten Tölzer („das spricht für ihn“) und seine „absolut authentische Geschichte und Botschaft“ spricht. Nie wieder Krieg nämlich, nie wieder Fanatismus und Missbrauch der Ideale junger Menschen. Wepper wird sehr deutlich, wenn er vor dem Hintergrund der Dorfmeister’schen Erlebnisse „manche Politiker“ aufs Korn nimmt, für die die NS-Zeit „nur ein Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ war. „Das war es eben nicht“, rügt er die Äußerung des AfD-Politikers Alexander Gauland.

Für Wepper war „Die Brücke“ der ideale Start ins Schauspielerleben. „Das hatte ich auch Gregor Dorfmeister zu verdanken.“ Für Wepper war es „eine Selbstverständlichkeit“, dass er ihm vergangenes Jahr bei der Beerdigung am Tölzer Waldfriedhof die lette Ehre erwies. 

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„Die Brücke“ wird am 7. März um 20 Uhr und am  10. März um 17.30 Uhr im Tölzer Capitol-Kino gezeigt. „Stadt ohne Mitleid“ ist am 9. März um 20 Uhr und am 11. März um 17.30 Uhr im „Capitol“ zu sehen. 

Von Christoph Schnitzer

 

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