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Geldabheben im Supermarkt

Eier, Milch, Bargeld

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    Andreas Steppan
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In Deutschland gibt es immer weniger Geldautomaten. Auch, weil es zunehmend alternative Möglichkeiten gibt. Banken im Landkreis beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Bargeld oder nicht Bargeld, das ist hier die Frage. Daran scheiden sich die Geister. Während manche nicht ohne die Scheine im Geldbeutel auskommen wollen, fordern andere deren komplette Abschaffung. Ein Trend jedenfalls ist festzustellen: Es gibt immer weniger Geldautomaten in Deutschland. Laut dem Online-Magazin Bento gab es bis 2015 rund 61 100, Ende 2017 waren es nur noch 58 400. Wie sieht das bei Banken im Landkreis aus?

Von einem Abbau der Geldautomaten könne bei der Raiffeisenbank im Oberland keine Rede sein, erklärt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Manfred Gasteiger. „Im südlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen betreiben wir rund zehn Geldautomaten“, sagt er. Aktuell stehe nicht zur Debatte, einen oder mehrere davon zu entfernen. Die Raiffeisenbank überprüfe dabei durchaus, ob sich der Betrieb weiterhin lohnt, und habe in den vergangenen Jahren auch schon vereinzelt Geldautomaten abgeschaltet. Das sei aber schon länger her. Aktuell würden die vorhandenen nach wie vor so stark genutzt, dass sie wirtschaftlich seien. „Solange das der Fall ist, werden wir nicht darauf verzichten.“ Im Gegenteil: „Bei zwei besonders stark frequentierten Standorten prüfen wir derzeit, sie auszubauen.“ Und in der Jachenauer „Post“, dem künftigen Rathaus, hat die Raiffeisenbank erst vor Kurzem einen neuen Geldautomaten in Betrieb genommen – nachdem die dortige Filiale 2016 geschlossen wurde.

Die Kosten für den Betrieb eines Geldautomaten beziffert Gasteiger mit 15 000 bis 17 000 Euro. Dieser Betrag setze sich zusammen aus den laufenden Kosten für Hardware-Pflege und Software-Updates, aus den Kosten für die Befüllung durch Werttransportunternehmen sowie – je nachdem, ob der Automat in einem eigenen Gebäude stehe oder nicht – Standortmiete und Stromkosten.

Gasteiger räumt dabei ein, dass der Trend zum bargeldlosen Bezahlen auf dem Vormarsch ist. Und auch die Geldauszahlung an der Supermarktkasse sei für viele Kunden attraktiv. „Es gibt Menschen, die finden das sehr bequem. Andere haben Sicherheitsbedenken. Das ist auch eine emotionale Frage.“ Sorgen bereitet Gasteiger das Ganze nicht. Er merkt aber an: „Wir werden von der Bankenaufsicht angehalten, die Geldautomaten nur mit schön gebügelten Scheinen ohne Knick zu befüllen und die höchsten Sicherheitsstandards einzuhalten. Aus der Supermarktkasse kommen die Scheine so raus, wie sie reingekommen sind.“ Ob man nun Wert auf glatte Scheine lege, das bleibe freilich jedem selbst überlassen.

„Stand heute haben wir noch keinen Geldautomaten abgebaut“, sagt Willi Streicher, Sparkassen-Pressesprecher. „Geplant ist aber die Einstellung des Betriebs in Arzbach zum Ende des Jahres.“ Wie berichtet rechnet sich der Automat nicht mehr und müsste zudem aus technischen Gründen ausgetauscht werden. Abgebaut werden auch die Automaten in Eurasburg, Höhenrain und Geretsried-Stein.

Laut Streicher gibt es in vielen Geschäftsstellen mittlerweile so genannte Recycler. „Das heißt: Unsere Kunden können dort Scheine abheben und einzahlen.“ Alte Geräte werden durch diese neuen ersetzt. Während die Betriebs-Kosten für einen herkömmlichen Geldautomaten bei etwa 20 000 Euro liegen, sei der Recycler etwas teurer, da die Anschaffung mehr kostet. „Gegenrechnen muss man die Erträge von Nicht-Sparkassenkunden. Die könnten allerdings nur einen geringen Teil der Kosten kompensieren.

Abgebaut würden hauptsächlich Geräte, die sich nicht rechnen. „Auch wenn Filialen geschlossen werden, verschwindet oft der Geldautomat.“ Die Zahlung mit der Karte nehme immer mehr zu. „Es wird noch weitere Verschiebungen zum bargeldlosen Zahlungsverkehr geben“, mutmaßt Streicher.

Seit 2003 ist es in Rewe-Märkten möglich, an der Kasse Geld zu bekommen. „Wir waren damit Vorreiter für diesen Service“, sagt Pressesprecher Thomas Bonrath. Seit 2008 bietet auch Penny dies an. Mit der EC-Karte können bis zu 200 Euro gratis und unabhängig vom Kartenaussteller abgehoben werden. „Der Kundenservice ist ab einem Einkaufswert von 20 Euro möglich“, sagt Bonrath. Der Bargeld-Service erfreue sich wachsender Beliebtheit, auch – so Bonrath – da sich Banken zunehmend zurückziehen. Man habe damit das Kunden- und Dienstleistungspotenzial konsequent ausgebaut. Wer in einem der Supermärkte einkaufe, „spart sich den Weg zur Bank oder zum Geldautomaten und gegebenenfalls hohe Gebühren bei Auszahlungen durch ,fremde‘ Banken.“

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