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Hier entsteht der Selbstversorgeracker: Landwirtin Lisa Sappl (li.) mit Tochter Anna und Umweltbildnerin Rose-Marie Beyer nahe dem Zwickerhof in Bad Tölz.

40 Familien sollen ernten können

Ein Acker für alle: Neues Selbstversorger-Projekt in Tölz

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Wer wissen möchte, wo das eigene Essen herkommt, baut es am besten selbst an: Im Herbst soll in Bad Tölz ein Selbstversorger-Acker entstehen.

Bad Tölz – 40 Familien können bald am Zwickerhof (Ratzenwinkl 1) auf eigenen Parzellen ihr Gemüse pflanzen. Das ist nicht alles: Wer ackern will, kann sich darin schulen lassen. Auf dem Hof sind Coachings in Sachen ökologischer Gartenbau geplant.Die Bio-Bauern Martin und Lisa Sappl stellen eine etwa 3000 Quadratmeter große Fläche am Zwickerhof zur Verfügung. Für 70 Euro im Jahr soll man sich eine 75 Quadratmeter große Parzelle mieten können. Die Sappls, die sich auf die regionale Vermarktung ihres Rindfleischs konzentrieren, wollen neue Wege in der Landwirtschaft gehen. „Wir möchten uns im Kleinen anschauen, wie der Anbau von Kartoffeln oder anderem Gemüse funktioniert“, sagt Martin Sappl. Deshalb habe er Kontakt mit Florian Girmann von „Biotop Oberland“ aufgenommen, das derzeit in Bad Heilbrunn-Letten eine solidarische Landwirtschaft betreibt. Jeder Genossenschaftler leistet einen Beitrag und bekommt dafür jede Woche eine Kiste mit Tomaten, Salat, Radieschen und Co. Im Gespräch mit dem Gartenbauingenieur Girmann entstand die Idee des Selbstversorger-Ackers.

Das Projekt auf die Füße gestellt hat letztlich Umweltbildnerin Rose-Marie Beyer, die bereits 2014 den Gemeinschaftsgarten „Tölza Garten“ am Franziskuszentrum ins Leben gerufen und den „Lenggriesa Acker“ mitinitiiert hat. Getreu dieser Projekte hat sie auch schon eine Namensidee für die Fläche am Zwickerhof: „Tölza Kraut Garten – weil dort früher tatsächlich mal ein Kraut-Garten war“. Beyer hat eine Vision: „Am liebsten wäre mir, wenn es alle 25 Kilometer einen Acker gäbe.“ Die Menschen sollten sich regional-ökologisch versorgen und damit unabhängig von Lebensmittelkonzernen werden.

Tipps und Tricks vom Gärtner-Profi

Um schmackhaftes Gemüse ernten zu können, ist eine gewisse Expertise gefragt. Deshalb möchte Umweltbildnerin Beyer die Coachings anbieten. Besonders für Kinder: Schüler der Jahnschule sollen regelmäßig zum Pflanzen an den Zwickerhof kommen, auch mit der Förderschule sei man im Gespräch. Für das „gärtnerische Know-how“ wird man immer wieder auf den Rat von Sebastian Girmann setzen. Der „Biotop“-Gärtner hat seine Tipps und Tricks auch schon am „Lenggriesa Acker“ ausgepackt. Wie schont man den Boden? Wie erhöht man seine Fruchtbarkeit durch Kompostieren? Vor allem aber geht es Girmann um das große Ganze: „Ich möchte bewusst machen, was für ein riesiges Ökosystem sich da unter unseren Füßen bewegt.“

Einiges, was den Acker betrifft, muss noch im Detail besprochen werden. Ziemlich sicher ist, dass die Initiatoren einen Verein gründen möchten. Und fest steht, dass Martin Sappl schon bald die 3000-Quadratmeter-Fläche umbrechen wird. Es entstehen Erd-Dämme, in denen die Selbstversorger dann anbauen können, was sie wollen. Rose-Marie Beyer sagt: „Von Artischocke bis Zuckerhut.“

Ein Info-Abend

mit dem Titel „Gemeinsam ackern in Bad Tölz – Bio selber anbauen“ findet am Donnerstag, 28. September, im Gasthof Zantl statt. Ab 19 Uhr stellen die Bio-Bauern Lisa und Martin Sappl sowie Umweltbildnerin Rose-Marie Beyer das Projekt Selbstversorger-Acker vor. Zu Gast sind auch Sebastian Girmann von „Biotop Oberland“ und Heiner Schwab vom „Lenggriesa Acker“. Infos gibt Rose-Marie Beyer unter 0177/436 85 09.

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